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Rückkehr zur Normalität im Epizentrum der Pandemie?
Aus SRF 4 News aktuell vom 31.03.2020.
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China lockert Quarantäneregeln «Vor einer neuen Welle warnen auch viele Fachleute hier»

Zwei Monate lang war die Stadt Wuhan mit ihren elf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern von der Aussenwelt abgeschnitten. Nun werden im Epizentrum der Corona-Pandemie die Quarantäne-Bestimmungen langsam wieder gelockert. Journalist Steffen Wurzel, der in Shanghai wohnt, schildert die weiterhin bestehenden Einschränkungen.

Steffen Wurzel

Steffen Wurzel

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Steffen Wurzel berichtet für den deutschen öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD aus Shanghai.

SRF News: Kann man schon wieder von Normalität sprechen?

Steffen Wurzel: Davon würde ich nicht sprechen, aber es gibt den Versuch, wieder etwas Normalität für die Menschen in und um Wuhan herzustellen. Das betrifft die gesamte Provinz Hubei mit ihren ca. 60 Millionen Einwohnern.
Die Fallzahlen der neu infizierten Menschen und der Todesopfer in und um Wuhan – das sagt zumindest die Staats- und Parteiführung in Peking – gehen zurück. Wir Journalisten können noch nicht in die Provinz reisen und uns ein Bild vor Ort machen. Die Informationen von staatlicher Seite können wird deshalb nicht überprüfen – sie sind mit Vorsicht zu geniessen.

Was ist in Wuhan wieder möglich?

Die Menschen in der Provinz Hubei können sich seit einigen Tagen wieder frei bewegen. Sie können wieder einkaufen und auch arbeiten gehen. In der Hauptstadt Wuhan soll ab dem 8. April wieder die volle Bewegungsfreiheit herrschen. Es gibt aber Einschränkungen. In ganz China braucht man einen mobilen «Gesundheitspass»: Nach grosser Big-Data-Analyse zeigt eine App in den Farben rot, gelb oder grün an, ob man gefährdet ist oder nicht. Man darf sich nur frei bewegen, wenn die App grün anzeigt. Zudem ist es nach wie vor sehr schwierig, nach Peking hineinzugelangen.

«Die Leute aus Wuhan werden mit spitzen Fingern angefasst»

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Dass nun die Menschen aus Wuhan in ganz China wieder frei reisen dürfen, beschäftigt auch die Bevölkerung Rest-Chinas, erzählt Wurzel. «Das habe ich in den letzten Tage gemerkt, wenn ich unterwegs war: Die Menschen um mich herum sprachen viel über die vermeintliche Bedrohung, die nun von den Leuten aus Wuhan ausgeht», so der Journalist. Die Menschen aus Hubei würden in China nun mit spitzen Fingern angefasst. Wurzel befürchtet deshalb eine Stigmatisierung der Wuhaner.

Wie kann man das Leben wieder hochfahren, ohne dass es eine neue Ansteckungswelle gibt?

Vor einer neuen Welle warnen auch viele Fachleute hier. Sie gehen davon aus, dass man nicht einfach zum Alltag zurückkehren kann, als sei nichts gewesen. Man versucht nach wie vor, die Hygieneregeln konsequent umzusetzen. Die Gesundheitsapp protokolliert mit, wer sich wann, wo und mit wem aufgehalten hat. Will man in ein Shoppingcenter gehen oder in die U-Bahn einsteigen, muss man diese App vorzeigen. Es gehen alle davon aus, dass diese Massnahmen ziemlich lang aufrechterhalten werden.

Offiziell sind es rund 2500 Menschen in Wuhan, die am Coronavirus gestorben sind. Es kursieren aber weit höhere Zahlen sowie der Vorwurf, die chinesische Regierung habe die Zahl der Toten geschönt. Gibt es Hinweise, dass etwas dran sein könnte?

Viele ausländische Experten, die sich wissenschaftlich mit China beschäftigen, sagen, die Zahlen seien frisiert. So wird in China etwa so getan, als sei vom riesigen Militär, das zwei Millionen Soldaten stark ist, niemand infiziert. Das ist aus Sicht von Experten absolut unglaubwürdig.

Viele ausländische Experten sagen, die chinesischen Zahlen seien frisiert.

Wir dürfen nicht vergessen: In China gibt es weder freie Medien noch eine Opposition oder eine unabhängige Justiz. Diese Kontrollinstanzen existieren nicht. Deswegen kann die Staats- und Parteiführung viel behaupten, ohne dass es gross angezweifelt wird.

China will den Wirtschaftsmotor schnellstmöglich wieder in Gang setzen. Das könnte aber mit Blick auf Wuhan noch eine Weile dauern?

Es kommt immer darauf an, was man als Massstab nimmt. Im Vergleich zu Mitte Februar, als alles in der Provinz Hubei stillgelegt wurde, gibt es einen massiven Aufschwung. Aber im Vergleich zur Vorkrisensituation sieht es nach wie vor katastrophal aus. Aufgrund der Pandemie ist zudem die ausländische Nachfrage nach chinesischen Gütern gesunken. Als Land, das stark auf den Export setzt, schlägt das auf China zurück.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 31.3.2020, 6.40 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Es wird wohl jedem klar sein, dass der "Normalfall" nie mehr dem Leben vor dem Ausbruch entsprechen kann. Es gibt aber auch Gruende zur Hoffnung: 1. Eine hohe Dunkelziffer von Infizierten ohne Sympthome (Kinder u Jugentliche), welche zusammen mit den vielen Genesenen einen Immun-Schutzwall bilden. 2. Erhoehte Bereitschaft der Behoerden (in China und anderswo) zum Auffangen einer allf. weiteren Welle von Infektionen.
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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Ein klassischer Fall eines Dilemmas. Man kann die Wirtschaft runter fahren, aber eben doch nur für eine absehbare Zeit. Danach beginnt es sehr schwierig zu werden. Und das trifft ausnahmslos eben auch auf alle Arten von Gesellschafts-Systemen gleichermassen zu. Also dieser Lock-Down in der Schweiz wäre an der Sondersession unbedingt zu diskutieren, ansonsten kann man sich diese Sondersession eigentlich sparen.
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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    SRF sollte sich bitte dazu entschliessen die Zahlen aus CHINA als das was diese sind = Lügen, Lügen, Lügen.Nennen Sie mir ein kommunistisches System das die Wahrheit anerkennt wenn es denn nicht unbedingt zum Vorteil der Herrschenden wäre.
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    1. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Einer Info-Quelle zur Folge sind in China die Mobile-Zahlen um rund 21 Mio gesunken, was sehr aussergewöhnlich und einzigartig sein soll. Inwiefern dies mit dem Corana-Virus in Verbindung gebracht werden kann, lässt sich nicht so recht einschätzen. Allerdings es dürfte da sicherlich einen Zusammenhang geben. - China publiziert nichts, was Peking schaden könnte oder in Frage stellen würde. Das dürfte wohl allen klar sein.
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    2. Antwort von Steffen Ziegler  (Steffen_36)
      Es muss gar nicht brachial sein. Wenn die Chinesische Führung die Krise als überwunden deklariert und Infektionen nur noch von Ausländern kommuniziert entsteht ein Mechanismus. Man hat es gesehen in einem Tagesschau als ein Funktionär die Zahlen meldete. Aus den Regionen wurden keine neuen Infektionen gemeldet. Das ist aber nicht das selbe wie es hat keine. Wenn die Staatsführung keine Ansteckungen mehr will meldet die Region keine, denn auch die denken an Ihre Karriere. So einfach
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