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China wird immer stärker «Die USA sind auf dem absteigenden Ast»

Für Peking steht seit einiger Zeit fest: Die USA sind eine absteigende Macht, die Zukunft gehört China. Nach chinesischer Lesart akzeptieren die Amerikaner unter Trump die neuen Machtverhältnisse. Dennoch müsse sich die Welt vor China nicht fürchten, sagt Zhou Bo, eine Schlüsselfigur im militärisch-aussenpolitischen Establishment in Peking. SRF konnte mit ihm in Singapur sprechen, am Rande der wichtigsten Sicherheitskonferenz Asiens.

Zhou Bo

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Der 1962 geborene Zhou Bo war früher Brigadier der chinesischen Armee, jetzt lehrt er an der renommierten Tsinghua-Universität in Peking. Er vertritt die Haltung der chinesischen Führung – mitunter knallhart. Bo ist aber alles andere als ein plumper Propagandist, sondern er argumentiert für seine Aussagen. Auf internationalen Konferenzen ist er häufig jener, der westlichen Spitzenpolitikern die pointiertesten und kritischsten Fragen stellt.

 

SRF News: Auf dem jüngsten Gipfeltreffen in Peking gab sich US-Präsident Donald Trump sehr versöhnlich gegenüber Xi Jinping. Überrascht sie das?

Zhou Bo: Wir müssen uns fragen: Was ist da passiert? Auf chinesischer Seite hat sich nicht viel geändert. China hat nirgends zuerst nachgegeben. Dennoch verändert sich auf US-Seite der Ton. Es klingt plötzlich viel freundlicher.

Offenbar hat man in Washington pragmatisch eingesehen, dass die USA auf dem absteigenden Ast sind.

Zum ersten Mal scheinen die USA China als ebenbürtige Grossmacht anzuerkennen. Wir sind wirklich überrascht. Offenbar hat man in Washington pragmatisch eingesehen, dass die USA auf dem absteigenden Ast sind. Trump hat stark dazu beigetragen. China hingegen ist noch stärker geworden.

Zwei Männer in Anzügen stehen im Freien; einer deutet nach vorne.
Legende: China mit Staats- und Parteichef Xi Jinping gebe künftig die Richtung vor, ist Zhou Bo überzeugt. Dass es dazu gekommen sei, dazu habe US-Präsident Trump «stark beigetragen». Reuters/Evan Vucci

Ist die neue Haltung der USA eine Grundlage für langfristig stabile Beziehungen?

In gewisser Weise ist es das. Reibungslos werden sie aber nicht sein. Ich sehe auch kein Duopol der beiden mächtigsten Länder, keine G2-Gruppe, welche die Welt regiert. Trump sympathisiert mit dieser Idee. Doch China will das nicht. Denn damit würden wir unsere Freunde zu Feinden machen – sie wollen nicht von den USA und China dominiert werden. Dazu kommt: Wir wissen ja nicht, wer nach Trump ins Weisse Haus einzieht und ob die USA dann ihre Position erneut ändern. Und auch der US-Kongress kann querschiessen.

Brennpunkt Südchinesisches Meer

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«Die Gefahr von militärischen Zusammenstössen bleibt im Südchinesischen Meer bestehen», sagt Zhou. Washington und Peking hätten unterschiedliche Vorstellungen: «Für China ist klar: Das Südchinesische Meer ist ein chinesisches Gewässer. Und unsere Volksbefreiungsarmee wird immer stärker, wir treten entsprechend resoluter auf. Ich bin überzeugt, dass niemand einen offenen Krieg riskieren will. Nicht die Amerikaner und auch nicht die übrigen Anrainerstaaten am Südchinesischen Meer.»

Aber sehen Sie eine grundsätzliche Veränderung der US-Position?

Ja, das sogenannte Duell zwischen Demokratie und Autokratie scheint zu Ende. US-Präsident Joe Biden versuchte, eine Allianz der Demokratien gegen die Autokratien zu schmieden. Das war Unsinn. Trump hingegen unterstützt die Vorstellung einer regelbasierten Weltordnung nicht. Er kommt uns auch nicht mit Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.

UNO-Truppe in der Ukraine unter Führung Chinas?

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Was die beiden aktuellen Kriege in der Ukraine und am Persischen Golf angeht, gibt sich Zhou bezüglich der chinesischen Möglichkeiten zurückhaltend. «Im Iran-Krieg könnte China helfen, indem es die iranischen Vorräte an höher angereichertem Uran übernimmt – sie den USA zu übergeben, ist für die Führung in Teheran inakzeptabel», sagt er.

Und zum Ukraine-Krieg: «Zwischen Russland und der Ukraine wiederum könnte China – nach einem Waffenstillstand – die Führung einer UNO-Friedensoperation übernehmen. Unterstützt auch von einigen wenigen europäischen Ländern wie der Schweiz, Irland oder Österreich.»

Bröckelt aus Pekinger Sicht unter Trump die Unterstützung für Taiwan?

Ja, er scheint eingesehen zu haben, dass es sich für die USA nicht lohnt, jemals wegen Taiwan einen Krieg zu führen. Das ist völlig verständlich, angesichts der Tatsache, dass Chinas Macht weiter zunimmt. Auch Trumps Entscheidung, neue Waffenlieferungen an Taiwan zumindest aufzuschieben, scheint mir historisch.

Wir glauben aber immer noch an eine friedliche Vereinigung mit Taiwan.

Künftig dürfte es für die USA immer schwieriger werden, Waffen an Taiwan zu verkaufen. Denn China hat einfach mehr Mittel, um zurückzuschlagen. Wir glauben aber immer noch an eine friedliche Vereinigung mit Taiwan. Und solange wir das glauben und die USA nicht dazwischenfunken, sind wir geduldig und werden nicht militärisch gegen Taiwan vorgehen. Aber die Wiedervereinigung muss erfolgen.

Ich glaube, dass China die Welt stabiler und sicherer machen kann.

China tritt derzeit äusserst selbstbewusst auf – droht da nicht die Gefahr, sich zu überschätzen?

Nein, China ist nicht übermütig. Unser Selbstbewusstsein wächst bloss parallel zu unserer Stärke.

Ist China bald derart stark, dass die Welt es fürchten muss?

Ganz klar: Nein. Chinas Aufstieg ist beispiellos friedlich erfolgt. Ich glaube, dass China die Welt wirklich stabiler und sicherer machen kann.

Das Gespräch führte Fredy Gsteiger.

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Echo der Zeit, 4.6.2026, 18 Uhr ; 

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