Nur wenige Tage nach dem Besuch des US-Präsidenten bei Chinas Staatschef Xi reist am Dienstag Russlands Präsident Wladimir Putin an. Für ihn und seine Delegation gibt es wohl weniger Pomp, dafür aber ein handfestes Programm. Ostasien-Korrespondent Samuel Emch zur Beziehung der beiden Länder und was das für die Welt bedeutet.
Was ist bekannt über die Abkommen, die China und Russland unterzeichnen wollen?
Über die konkreten Inhalte weiss man wenig, aber es gibt eine grosse Breite von Themen, die Xi und Putin behandeln wollen. Das geht vom Handel über die Industrie, die Bildung und den Film bis hin zu grossen geopolitischen Themen wie der «multipolaren Weltordnung». Auf diese steuern wir gemäss China und Russland zu. Auch bei früheren Staatsbesuchen war das ein Thema.
Welche Rolle spielt Ideologie bei dem Treffen?
Die spielt eine grosse Rolle. So wird am Mittwoch das 25-Jahr-Jubiläum eines Freundschaftsvertrags zwischen Moskau und Peking gefeiert. Tatsächlich ist es eine Freundschaft, die in den letzten Jahren deutlich vertieft wurde. Die beiden Länder haben auch das Jahr der Bildung ausgerufen. Das ist ein Signal, dass es eben nicht nur um wirtschaftliche Beziehungen geht.
Sendet China auch das Zeichen aus, dass Russland der geostrategische Partner ist?
Ja, dieses Signal hat Peking in den vergangenen Jahren wiederholt ausgesendet. Mit dem Staatsbesuch Putins wird es weiter unterstrichen. Es soll auch eine gemeinsame Erklärung von Xi und Putin geben. Das gab es beim Besuch von Trump nicht. China und Russland sprechen eine gemeinsame Sprache, und das unterstreichen sie mit diesen zahlreichen bilateralen Abkommen und dem gemeinsamen Statement.
Was kann Russland China bieten?
Russland hat vor allem Rohstoffe, weil China jene Rohstoffe einkauft, die der Westen nicht mehr von Russland abnimmt. Es geht vorwiegend um Rohöl, aber auch um Erdgas, das früher nach Europa geflossen ist. Damit fliesst Geld von China nach Russland und so kann auch der Krieg in der Ukraine finanziert werden. China ist für Russland ein wichtiger Lieferant von Autos und Elektronik geworden. Dazu gehören auch «Dual-Use-Güter», die sowohl für die zivile Industrie als auch für die Rüstungsindustrie verwendet werden können. Diese Güter sind ein wichtiger Teil und haben den Handel signifikant ansteigen lassen. Da Russland kaum Alternativen hat, sehen Beobachterinnen und Experten China am längeren Hebel.
Was bedeutet diese Zusammenarbeit für Europa?
Für Europa geht es zwangsläufig um den Ukraine-Krieg. Europa wollte, dass Xi mit Blick auf den Krieg auf Putin einwirkt. Es wollte auch, dass diese Dual-Use-Güter nicht nach Russland geliefert werden. Auf diese Forderungen Europas ist China nicht eingegangen. Vergangenes Jahr hat der chinesische Aussenminister auch ganz klar gesagt, dass China eigentlich kein grosses Interesse daran hat, dass Putin als Verlierer aus diesem Krieg hervorgeht. Dies, weil sich die USA und Europa dann allenfalls wieder mehr auf den Pazifik fokussieren würden.