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US-Präsident Donald Trump und First Lady positiv getestet
Aus Tagesschau vom 02.10.2020.
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Corona-Diagnose Noch mehr Chaos für ein Land in der Krise

Eigentlich sollte US-Präsident Donald Trump heute in Florida auftreten. Wie so oft in den letzten Wochen würde er vor seine Fans treten – natürlich ohne Maske – und würde behaupten, das Land habe die Pandemie grossartig im Griff. Danach würde er nach Wisconsin weiterreisen, trotz der aktuell sehr hohen Fallzahlen in jenem Bundesstaat. Daraus wird nun nichts.

Die Diagnose stellt den Wahlkampf des Präsidenten völlig auf den Kopf. Er und sein Team wollten über Ausschreitungen an Demonstrationen sprechen, über die Wirtschaft, die sich angeblich erholt, und vor allem über seine konservative Kandidatin für das Oberste Gericht. Stattdessen dürfte in den nächsten Tagen fast ausschliesslich über Trumps Gesundheit diskutiert werden.

Zögerliche Reaktion im Weissen Haus

Er und seine Medienleute werden sich kritischen Fragen stellen müssen: War es fahrlässig, dass im Weissen Haus – dem Zentrum der Macht – kaum jemand eine Maske trug? Wurden umgehend alle nötigen Massnahmen ergriffen, als die Diagnose seiner politischen Beraterin Hope Hicks bekannt wurde?

Vieles deutet darauf hin, dass nur zögerlich reagiert wurde und in den letzten Stunden und Tagen zahlreiche Personen aus dem Umfeld des Präsidenten einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt waren: Enge Berater wie Jared Kushner oder Stephen Miller, finanzkräftige Geldgeber, die im engen Kreis an Wahlspenden-Veranstaltungen teilnahmen. Sie alle müssten nun in Quarantäne.

Der konservative Propaganda-Sender Fox News zeigt zurzeit so oft wie möglich eines der wenigen Bilder, auf denen Trump sich in der Öffentlichkeit mit Maske zeigt. Doch der Schaden ist angerichtet. Noch am Dienstag hatte sich Trump in der TV-Debatte darüber lustig gemacht, dass Joe Biden bei jeder Gelegenheit eine Maske trägt. Und noch gestern hatte der Präsident die Corona-Lage im Land verharmlost. Da war er vielleicht schon infiziert.

Auswirkungen auf den Wahlkampf

Bleibt Trump weitgehend symptomfrei, kann er via Fernsehen und soziale Medien weiterhin auftreten und versuchen, die Schlagzeilen zu dominieren. Er könnte dann behaupten, sein Fall zeige, wie harmlos die Krankheit in vielen Fällen verlaufe. Deshalb ist noch offen, wie sich die Diagnose auf das Wählerverhalten auswirken wird.

Auch ein gewisser «Mitleideffekt» ist nicht ausgeschlossen. Traditionell erhält ein US-Präsident einen Sympathieschub, wenn es ihm gesundheitlich nicht gut geht. In diesem Fall allerdings trägt Trump wegen seines unvorsichtigen Umgangs mit der Pandemie eine Mitverantwortung.

Wahlkampf wird noch unberechenbarer

Nun könnte sich auch rächen, dass das Weisse Haus in den letzten Jahren mit unzähligen Lügen und Unwahrheiten jegliche Glaubwürdigkeit verspielt hat. Es ist anzunehmen, dass Trump und sein Team versuchen werden, die Lage so rosig wie möglich darzustellen. Bei Verlautbarungen zu Trumps Gesundheitszustand ist in den nächsten Tagen Vorsicht geboten.

Klar ist: Ein chaotischer Wahlkampf wird damit noch unberechenbarer. Heikle Notfallszenarien werden diskutiert. Verfassungsrechtler könnten darüber streiten, ob und wann eine Verschiebung der Wahl nötig wird, sollte Trump ernsthaft erkranken. Ein verunsichertes, gespaltenes Land, wird noch mehr durchgeschüttelt.

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen

USA-Korrespondent, SRF

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Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Zuvor arbeitete er in der «Rundschau»-Redaktion von SRF. Seine ersten Schritte im Journalismus machte er beim US-Sender ABC News und beim Lokalsender TeleBärn. Er hat an den Universitäten Freiburg und Bern sowie an der American University in Washington DC Medienwissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert.

Tagesschau, 02.10.2020, 12:45 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Offensichtlich hat es neben der Präsidentenfamilie auch sein Beraterstab und Wahlkampfteam erwischt. Dies obwohl alle täglich mehrmals getestet werden. Dies zum denkbar absolut schlechtesten Zeitpunkt. Solche Zufälle gibt es nicht.
    1. Antwort von Dominique Schurtenberger  (Schurti)
      Was wollen Sie damit sagen?
    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Blatter:Schon wieder eine Verschwörung gewittert.Wenn infiszierte Leute(Hicks)mit dem Präsidenten und seinem Gefolge zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort (Flugzeug etc)sind,Abstände nicht eingehalten werden,ist die Gefahr gross dass das Umfeld angesteckt wird.Das Virus verbreitet sich sehr schnell,das wurde einmal mehr damit bewiesen und ist nicht Zufall.Natürlich ist der Zeitpunkt für ihn äusserst schlecht,für die Gegner u.U.günstig,aber das hat er sich selbst zuzuschreiben.
    3. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Wurde von der "chinesischen Krone" so beschlossen und durchgeführt.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Das wird vielleicht seinen verblendeten Anhängern zeigen dass DT alles andere als ein Uebermensch ist.
  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Vielleicht wählen die Wahlmänner auch für einmal eine Drittperson zum neuen US-Präsidenten, da sie diesem blöden Lügentheater ein Ende setzen wollen. Es gibt sicherlich ausreichend ehrliche US-Bürger, die aus lautem "Bombardement mit Lügen" aus allen politischen Ecken der Nation, nicht mehr wissen ob und was zu wählen ist, und durchaus fähig wären die Präsidentschaft zu übernehmen.
    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Eine der Aufgaben des Wahlgremiums wäre eine Prüfung, ob der Kandidat für das Amt überhaupt geeignet sei. Hier hat das Gremium 2016 total versagt.

      Jedoch ist es so, dass in verschiedenen Bundesstaaten die Delegierten verpflichtet sind, den offiziellen Kandidaten, der im Staat die einfache Mehrheit erhalten hat, uneingeschränkt zu unterstützen. (darum halt auch … siehe oben…).