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Coronavirus: Hilfspaket der USA
Aus Tagesschau vom 25.03.2020.
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Corona-Krise und die USA Die Angst hat ein Hilfspaket geboren

Der Senat stimmte dem Billionen-Dollar-Konjunkturpaket in der Nacht zu. In Kürze will das Abgeordnetenhaus entscheiden. Zuvor wurde in den Hinterzimmern des US-Kongresses lange an den Details gezimmert.

Republikaner wie Demokraten versuchten in den Gängen des Kapitols, dem Rettungspaket einen parteipolitischen Spin aufzusetzen: «Wir haben es erfunden, ihr habt bloss Obstruktion betrieben», so die sinngemässen Parolen. Man hat sie tausendmal gehört. Und doch ist das Corona-Rettungspaket alles andere als die übliche Routine auf dem Kapitolshügel.

Denn angesichts der pandemischen Notlage hat sich Washington zusammengerauft und verabschiedet ein wahrhaft historisches Massnahmenpaket.

Die Angst im Nacken

Historisch ist die schiere Grösse der geplanten Massnahmen in der Höhe von zwei Billionen Dollar. Zum Vergleich: Das Rettungspaket während der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 betrug 700 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Liquiditäts-Spritzen der US-Notenbank Fed könnte sich die gesamte Corona-Hilfe der USA auf sechs Billionen Dollar belaufen, laut dem Wirtschaftsberater von Präsident Trump, Larry Kudlow. Das sind astronomische Zahlen.

Ob Republikaner oder Demokraten, die Corona-Krise treibt allen den Angst-Schweiss ins Gesicht. Es kursieren mögliche Arbeitslosenzahlen von bis zu 30 Prozent. Diesmal ist nicht «nur» der Finanz- und Liegenschaftsmarkt betroffen. Es ist die gesamte Wirtschaft, die stillsteht. Die düsteren Aussichten zwangen erbitterte politische Feinde, die sich im Januar noch um das Impeachment stritten, an denselben Tisch.

Das Weisse Haus lancierte die Idee eines gigantischen Pakets. «We go big», erklärte Präsident Donald Trump Anfang letzte Woche. Das Weisse Haus schlug unter anderem sofortige Barzahlungen an Bürger und Bürgerinnen vor. Es ist eine Idee, der sich bisher in der Öffentlichkeit nur ein chancenloser demokratischer Präsidentschaftskandidat angenommen hat.

Die Republikaner schufen die Grundlage für das Hilfspaket, 1200 Dollar Einmalzahlungen in bar, 500 Milliarden Darlehen für Gross-Unternehmen, 367 Milliarden für KMU. Dann kamen die Demokraten ins Spiel. Sie pokerten hoch und spielten auf Zeit. Vier Tage bremsten sie die Republikaner aus und verhandelten mit dem Weissen Haus. Als Oppositionspartei erreichten sie einen erstaunlichen Sozialausbau der Vorlage: Vier Monate Lohnfortzahlungen, auch für temporär Angestellte und Selbstständige mehr Arbeitslosengeld; Nothilfe für das strapazierte Gesundheitssystem und lokale Regierungen.

Was vor zwei Wochen noch undenkbar gewesen wäre: Die Corona-Krise hat es möglich gemacht.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

Tagesschau, 25.03.2020, 19.30 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Schön zu sehen, dass die Demokratie in der USA bei Krisenzeiten funktioniert. Wenn es hart auf hart kommt stehen die Menschen auch in der USA zusammen. Das war schon immer so. Diese “lets do it” Mentalität hat das Land zur wirtschaftlichen und militärischen Weltmacht gemacht. Das Land wird hoffentlich noch stärker aus dieser Krise zurückkehren.
    1. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      Das Hilfspaket ist lächerlich. Wenn man es sich genauer anschaut sieht man das die Geld ausgeben müssen, und das nicht wenig, nur für Versäumnisse in der Vergangenheit. Auch die 1500 $ pro Person ist lächerlich. Wer in New York lebt hat Glück wenn es überhaupt für eine Monatsmiete reicht. Und wie bekommen es die Armen. Amerika wird nicht so gestärkt aus dem Herausgehen wie sie das denken. Den sie hat nicht mal die Krise von 2008 verarbeitet. USA wird kränker und Isolierter aus der Krise kommen.
    2. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Wie kann ein Billionen Dollar Hilfspaket lächerlich sein? Ich finde das großartig und hoffe es nützt.
    3. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Wie kann ein Billionen Dollar Hilfspaket lächerlich sein?
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Die arroganteste Nation der Welt, wo in jedem zweiten Satz betont wird, „wir sind die Besten“, wir sind die Größten“, wird nun wahrscheinlich am stärksten von der Pandemie getroffen sein. Ganz nach dem Motto: „America first!“
    1. Antwort von Marti Müller  (Co2=Leben)
      Anders gesagt: Selbstbewusst und stolz!
      Ein tolles, junges Land! Ein bisschen mehr USAism würde uns manchmal auch gut tun.
      America first, aber was Auslandhilfen und Migration betrifft ganz vorne dabei.
    2. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Bei einigen Kommentare Schreiber scheint der Neid auf dieses Land zu groß zu sein.
    3. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      charly: die USA ist nun mal die einzige Weltmacht. Irgendetwas haben die Amerikaner wohl besser gemacht als alle anderen. Sie sind aber auch diejenigen, welche seit vielen Jahren am meisten in die UNO einbezahlen und bei jeder Naturkatastrophe auf der ganzen Welt sofort Hilfe leistet. Die USA ist das Einwanderungs- und Reiseland schlechthin. Die Natur dort ist unwahrscheinlich schön und vielseitig und die Menschen sind offen und hilfsbereit. Es gibt also viele Gründe stolz auf die USA zu sein.
    4. Antwort von Kurt E. Müller  (KEM)
      @Blatter: Die Amerikaner haben es einzig geschafft, die grösste Kriegs- und Erpressungsmaschinerie der Welt aufzubauen - und das alles auf Pump. Ob das wirklich so toll ist?
    5. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      @kem: und trotzdem sind sie Die Weltmacht und Das Einwanderungs- und Reiseland schlechthin:)
    6. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @müller. Der Schaden den dieses Land durch seine weltweiten Kriege anrichtet, ist um ein vielfaches Höher als seine Auslandhilfen! War schon immer so.
    7. Antwort von Marti Müller  (Co2=Leben)
      ""Der Schaden den dieses Land durch seine weltweiten Kriege anrichtet..."
      Unter obama hat das scheinbar niemanden interessiert..Wenn Trump Truppen abzieht ist auch nicht gut....??