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Alkoholkonsum in Südafrika: Spitäler füllen sich
Aus HeuteMorgen vom 09.06.2020.
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Corona-Lockdown in Südafrika Volle Spitäler nach Alkohol-Lockerungen

Seit einer Woche dürfen Südafrikanerinnen und Südafrikaner wieder Alkohol trinken. Die Notfallaufnahmen werden überschwemmt.

Die Bilder in den Medien und sozialen Medien in Südafrika zeigten endlos lange Warteschlangen vor den Schnapsläden und entsprechenden Jubel, als die Geschäfte endlich öffneten. Nach zwei Monaten auf dem Trockenen freuten sich die Südafrikaner sichtlich auf Bier, Wein und Schnaps.

Doch seine Landsleute könnten nicht gemässigt trinken, erläutert Charles Parry, Direktor der Abteilung Alkohol am South African Medical Research Council: «Wir haben eine Kultur des Komasaufens. Für viele Leute ist es nur ein toller Anlass, wenn sie stockbesoffen sind.» Das hat seinen Preis.

Hausarrest während zwei Monaten

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Ein Mann mit einer Maske vor einer Corona-Bierwerbung
Legende:Ein Corona-Bier zu kaufen, war in Südafrika eine Zeit lang unmöglich.Keystone
  • Der Lockdown in Südafrika galt als einer der härtesten der Welt.
  • Während zwei Monaten stand das Land unter Hausarrest, sogar der Verkauf von Alkohol war verboten.
  • Seit letzter Woche dürfen Südafrikanerinnen und Südafrikaner allerdings wieder Alkohol trinken.

Doppelt so viele alkoholbedingte Notfälle

Genaue Daten von allen Spitälern des Landes gibt es nicht, doch seitdem das Alkoholverbot vergangene Woche aufgehoben worden ist, hätten sich die Notfälle im Zusammenhang mit Alkohol verdoppelt oder verdreifacht, so Professor Parry.

Dabei handelt es sich um Verkehrsunfälle oder Gewalttaten. «Schusswunden, Stichverletzungen, verletzte Autofahrer oder Fussgänger», zählt Parry auf. «Und wenn diese Notfälle gravierend sind, dann müssen sie auf die Intensivstation – und diese Betten auf der Intensivstation fehlen dann für die Covid-19-Patienten.»

Pandemie als Chance?

Mit gut 50'000 Infizierten und rund 1000 Toten ist Südafrika das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land auf dem afrikanischen Kontinent. Mit dem harten Lockdown hat die Regierung Zeit geschunden, um das Gesundheitswesen zu schützen.

Menschen stehen vor einem Alkohol Laden Schlange
Legende: Lange Warteschlangen bildeten sich vor den Alkohol-Läden nach den Lockerungen Keystone

Damit konnte sie aufzeigen, wie sehr Betrunkene die Spitäler belasten würden. «Nie zuvor hatten wir die Möglichkeit, den Alkoholhahn in Südafrika zuzudrehen und zu realisieren, wie viel Spitalressourcen Alkoholunfälle binden», sagt Parry. Weltweit ist Südafrika die Nummer 6, wenn es um den Alkoholkonsum geht.

Darum sei die Corona-Pandemie auch eine Chance, um die Beziehung zum Alkohol in Südafrika zu hinterfragen. Noch ist der Corona-Peak jedoch nicht erreicht. Die Ärztinnen und Ärzte auf den Intensivstationen können somit nur hoffen, dass sich die Südafrikaner mit Trinkgelagen noch etwas zurückhalten können.

Video
Aus dem Archiv: Südafrika verliert Steuergelder wegen Prohibition
Aus Tagesschau vom 12.05.2020.
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HeuteMorgen, 09.06.2020, 06:00 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Man lese die Geschichte nach - die amerikanische Prohibition... Gewalt. Elend, Probleme, insbesondere das Erstarken von organisierter Kriminalität brachte das Alkoholverbot wieder zu Fall.
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    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Das alles gibt es in Südafrika zu Hauf, auch ohne Prohibition. Die Vorstellung, dass während des Lockdown die Leute in Ihren meist kleinen Häusern und Hütten mit ihren Familien und Schnaps eingeschlossen gewesen wären, ist furchtbar! Es gibt schon in normalen Zeiten mehr als genügend Totschlag und Vergewaltigung!
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  • Kommentar von Kris Kronig  (Kris)
    Viele Ursachen machen Alkohol zum Problem.

    • Umstände, die dazu führen, dass Menschen in den Alkohol flüchten.
    • Kapitalistische Zwänge der Alkoholindustrie, wachsen und neue Absatzmärkte erschliessen zu müssen.
    • Künstlich generierte/vergrösserte Bedürfnisse für Alkohol.
    • Steuer- und/oder Schmiergeld, das Gesetze schreibt.

    Alkohol selbst ist das kleinere Problem, als der missbräuchliche Umgang mit ihm. Eine sehr empfehlenswerte Doku: «Alkohol - Der globale Rausch» (z.Z. auf arte)
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    1. Antwort von René Balli  (René Balli)
      "Alkohol selbst ist das kleinere Problem, als der missbräuchliche Umgang mit ihm." Das kann man von jeder Droge sagen, Herr Kronig!
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    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Balli: das stimmt so nicht, die meisten Menschen sind in der Lage, vernünftig mit dem Alkoholkonsum umzugehen.
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    3. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Herr Balli!

      Weder verharmlost meine Aussage Alkohol, noch unterscheidet sie ihn von Drogen. Da steht inhaltlich, dass Alkohol ein PROBLEM IST und dass Alkoholmissbrauch das GRÖSSERE Problem ist. Ja, das trifft auf jede Substanz zu.

      Was stört Sie an dieser Aussage?
      Und warum das Ausrufezeichen?

      Ich hielt mich an Paracelsus. Die genannten Punkte führen zu höherer Dosis und machen ihn noch giftiger. Meine Haltung bzgl. Alkohol müsste aus der Filmempfehlung ersichtlich sein.
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    4. Antwort von René Balli  (René Balli)
      @Kronig: Habe ich gesagt, dass Sie Alkohol verharmlosen? Das Ausrufezeichen habe ich gesetzt, weil Ihre Aussage eine Binsenwahrheit ist und somit nichts an der fehlgeleiteten Drogenpolitik ändert.
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  • Kommentar von Marc Berger  (mberg)
    Als das Alkoholverbot in Südafrika eingeführt wurde, wurde dieses Verbot auch in unseren Medien stark kritisiert. Das Verbot scheint aber berechtigt gewesen zu sein.

    Spannend dazu der SRF Beitrag zur Tabak und Alkoholindustrie:

    https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/wochenende-gesellschaft/tabak-und-alkoholindustrie-gute-geschaefte-mit-toedlichen-folgen
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