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Der Stadtpräsident von Bergamo warnt vor Kollaps
Aus Echo der Zeit vom 09.03.2020.
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Corona-Notlage in Norditalien Zu Hause bleiben ist die beste Medizin

Marschhalt im öffentlichen Leben: Der Stadtpräsident von Bergamo fordert drastische Massnahmen im Kampf gegen das Virus.

Seit Sonntag ist die Mobilität in weiten Teilen Norditaliens stark eingeschränkt. Ziel ist es, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Unterdessen wird die Lage in der Lombardei immer schwieriger. Zum Beispiel in und um Bergamo.

Dort warnt Stadtpräsident Giorgio Gori wegen der vielen Kranken vor einem Kollaps der Spitäler. Er ruft seine Mitbürgerinnen und Mitbürger dazu auf, die Arbeit, wenn immer möglich, ruhen zu lassen oder gar Ferien zu nehmen, um zu Hause bleiben zu können.

Giorgio Gori
Legende: Der Stadtpräsident von Bergamo (L) empfiehlt einen weitgehenden Rückzug der Menschen aus dem öffentlichen Leben, denn dem Gesundheitssystem drohe sonst der Kollaps. Getty Images

Gori ist seit sechs Jahren Stadtpräsident in Bergamo. Vor zwei Jahren wollte der Sozialdemokrat Gouverneur der Lombardei werden, verpasste die Wahl aber. Die Provinz Bergamo ist heute jenes Gebiet Italiens, in dem sich das Coronavirus am schnellsten ausbreitet. Das lasse die lokalen Spitäler kollabieren, sagte Gori dem staatlichen Fernsehen RAI. Die Zahl der Kranken könnte laut Experten auch in den nächsten Wochen weiter stark ansteigen.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt ein Interview mit einem Arzt aus Bergamo im «Corriere della Sera, Link öffnet in einem neuen Fenster» vom Montag: Das Spital in Bergamo müsse schon heute an den Betten der eingelieferten Patienten entscheiden, wen sie in der Intensivstation beatmen könnten und für wen es dort keinen Platz gebe. «Negli ospedali siamo come in guerra» – eine Triage «wie im Krieg», erklärt der Arzt.

Quelle: Titel (~40pt)Untertitel (~28, mind. 25)Text mind. 25pt. Für Text-Hierarchien z.B. mit Schriftstärke oder grösseren Schriften Arbeiten.Hier ein mögliches Beispiel:Body Text (mind. 25pt)Legende (mind. 25pt)Überschrift (mind. 25pt)Beschriftung (~25pt)LombardeiPiemontVenetienEmilia-RomagnaMarkenbetroffeneProvinzenRegionen:Sperrgebiete bis mindestens 3. AprilMailand

Um diese Notlage nicht weiter zu verschärfen, müsse man das Virus schnell bremsen, sagt Stadtpräsident Gori. Er ruft deshalb alle Mitbürgerinnen und Mitbürger dazu auf, zu Hause zu bleiben.

Die Regierung in Rom hat in der Nacht auf Sonntag in der Lombardei und in 14 norditalienischen Provinzen die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Das Pendeln zur Arbeit aber bleibt weiter erlaubt.

Stadtszene in Bergamo
Legende: Leere Strassen und eine unheimliche Stille: Zum Wochenstart gleicht Bergamo einer Geisterstadt. Keystone

Bergamos Stadtpräsident Gori hält wenig davon und betont: Nicht die Arbeit komme zuerst, sondern die Gesundheit. Wegen der Sorge um die Gesundheit müsse man die Produktion stoppen. Nämlich die Produktion all jener Güter, die man nicht dringend benötige.

«Die Leute müssen Bürgersinn beweisen»

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Der Stadtpräsident von Bergamo plädiert für weitergehende Massnahmen im Kampf gegen das Virus als die Regierung in Rom. Doch ist das realistisch? SRF-Korrespondent Franco Battel zweifelt daran. Denn ein Stillstand des wirtschaftlichen Lebens würde ganz Italien hart treffen. Die Regierung versuche denn auch, Italiens Wirtschaftsmotor, die Lombardei, nicht gänzlich abzuwürgen. So können Angestellte ziemlich unkompliziert – mit einer Selbstdeklaration – an ihren Arbeitsplatz gelangen.

Die Mobilität in der Region ist ansonsten stark eingeschränkt. «Seit heute gibt es Kontrollen – auch auf den Strassen», berichtet Battel. Es gebe aber nur Stichproben. Das betroffene Sperrgebiet in Norditalien sei schlicht zu gross, um flächendeckend Kontrollen durchzuführen. «Die Leute müssen also Bürgersinn beweisen», so Battel.

Gori macht den 120'000 Bürgerinnen und Bürgern seiner Stadt einen unkonventionellen Vorschlag: Macht das, was Ihr normalerweise im August, in der heissesten Zeit des Sommers macht: Macht Ferien, aber bleibt zu Hause.

Arbeiten statt Sommerpause

Tatsächlich steht Italien still an «Ferragosto», den zwei Wochen um den 15. August. Lasst uns das jetzt probieren, sagt Gori und meint das durchaus ernst. Und später, im August, wenn das Virus hoffentlich nicht mehr oder weniger stark kursiert, lasst uns dann die Arbeit nachholen.

Die Massnahmen, die die Regierung in Rom beschlossen hat, gehen weniger weit. Denn die Produktion steht nicht still. Ab heute müssen all jene Leute, die in den betroffenen Gebieten Norditaliens zur Arbeit pendeln, ein Formular ausfüllen. Auf diesem müssen sie bestätigen, dass sie ihren Wohnort aus beruflichen Gründen verlassen. Die Polizei kontrolliert das mit Stichproben.

Video
Der italienische Wirtschaftsmotor wird stillgelegt
Aus Tagesschau vom 08.03.2020.
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«Echo der Zeit», 09.03.2020, 18:00 Uhr; srf/batf/imhm; kurn

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Margrit Berger  (mberger)
    Der Kollaps scheint in Italien schon eingetreten zu sein. Eine Warnung an uns alle, die wir noch nicht massiv betroffen sind, doch in Rücksicht auf das Spitalpersonal, die Ärzte, die Mitmenschen und schliesslich sich selbst in den nächsten Wochen auf Veranstaltungen zu verzichten. Sonst könnte es passieren, dass Kranke sich selbst überlassen sind. Das erinnert an Bilder der Pestilenz im Mittelalter - mit dem Unterschied, dass wir doch etwas dagegen vorkehren können. - Also tun wir es doch!
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  • Kommentar von werner zuercher  (Werner Zuercher)
    Die italienische Regierung sorgt sich nicht zuerst wegen dem Corona-Virus! Die Regierung Conte sorgt sich wegen den nächsten Regionalwahlen im Mai! Die man mit Ausrede Corona gerne absagen würde. Weil diese das definitive Aus für die Regierung Conte bedeuten können. Weil man weiß, dass der Siegeszug von Salvinis Lega weitergehen wird und dieser dann Neuwahlen durchsetzen kann! In Brüssel, Paris und Berlin, wo man Conte die Anweisungen gibt, herrscht keine Corona Panik! Seltsam!
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    „ ... denn dem Gesundheitssystem drohe sonst der Kollaps.“
    Hat der liebe Mann mal daran gedacht, dass dafür ganz andere Kolläpse drohen?
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    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Mal sehen wie hier in einigen Tagen/Wochen gevotet wird, wenn die Löhne in den verschiedensten KMU‘s nicht mehr gezahlt werden können. Bei uns ist es schnell so weit wenn das Telefon nur noch halb so viel klingelt, gestern wars etwa 1/4. Wir machen hier grad ein ganz gefährliches Experiment, wir halten den Geldfluss an.
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Samuel Müller: Ja, hat er! Deshalb will er ja verhindern, dass das Gesundheitssystem nicht auch noch kollabiert.
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