Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sammelbecken für Corona-Verschwörungsanhänger
Aus SRF 4 News aktuell vom 07.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:51 Minuten.
Inhalt

Corona-Skeptiker auf Telegram «In sehr kurzer Zeit haben sich Mitglieder stark radikalisiert»

Eine Recherche des Norddeutschen Rundfunks und der «Süddeutschen Zeitung» soll zeigen, dass sich auf Telegram über 100'000 Nutzerinnen und Nutzer in sogenannten Corona-Rebellen-Gruppen austauschen und gegen die Massnahmen der deutschen Regierung mobilisieren. Der Politologe Josef Holnburger war an dieser Recherche beteiligt.

Josef Holnburger

Josef Holnburger

Politologe

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Holnburger ist politischer Referent der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Er studiert Politologie als Masterstudienfach an der Universität Hamburg.

SRF News: Was hat Ihre Untersuchung grundsätzlich ergeben?

Josef Holnburger: Auf der Nachrichtenplattform Telegram konnten wir über die vergangenen Monate beobachten, dass sich dort zunächst Corona-Gruppen gebildet haben. In einem sehr kurzen Zeitraum haben sich deren Mitglieder stark radikalisiert. Das haben wir auf anderen Social-Media-Seiten wie zum Beispiel Facebook oder Twitter nicht in dem Ausmass beobachtet. Und das war interessant, aber eben auch gefährlich und besorgniserregend.

Haben Sie Beispiele?

Es wurden relativ schnell Verschwörungs-Inhalte von anderen Kanälen und rechtsextreme Inhalte geteilt. Da war zum Beispiel QAnon im Spiel. Das ist eine Verschwörungsgruppe, die aus den USA kommt. Sie erzählt, dass es eine geheime Elite gäbe, die Kinder foltern und deren Blut trinken würde.

Wer sind die Leute, die in solchen Corona-Gruppen sind?

Das kann man nur ahnen. Telegram ist anonym. Wir haben aber gesehen, dass sich sehr viele Menschen in einem kurzen Zeitraum dort organisiert haben. Vermutlich waren viele dieser Menschen an den sogenannten Hygiene-Demonstrationen oder an den sogenannten Corona-Rebellen-Demonstrationen, die es in einigen Städten Deutschland. Zuletzt gab es eine sehr grosse Demonstration am 1. August mit etwa 20’000 Teilnehmern in Berlin. Die «Süddeutsche Zeitung» hat anschliessend zwei Personen als Beispiel herausgesucht. Das waren zwei Frauen, die von sich gesagt haben, dass sie vorher wenig politisch aktiv waren. Über die Telegram-Gruppen seien sie stark geprägt und aktivistisch geworden.

Solche Menschen entfernen sich immer weiter vom Diskurs und auch von der Realität. Sie formen sich eine eigene Realität.

Führen denn solche Corona-Gruppen zu einer stärkeren Polarisierung der Gesellschaft?

Ich könnte mir das durchaus vorstellen. Zur Demonstration in Berlin geistern zum Beispiel Verschwörungstheorien herum, dass die Medien bezüglich der Anzahl Teilnehmer lügen würden. Es hätten sich eigentlich 1.3 Millionen Menschen dort beteiligt. Das ist de facto nicht der Fall. Diese Behauptung wird entweder von gefälschten Fotos oder Fotos von anderen Demonstrationen begleitet. Solche Menschen entfernen sich immer weiter vom Diskurs und auch von der Realität. Sie formen sich eine eigene Realität. Umso schwerer wird es, diese Menschen wieder zu erreichen.

Das Gespräch führte Manuel Ramirez.

Was ist Telegram?

Box aufklappenBox zuklappen

Telegram ist ein kostenloser Instant-Messenger-Dienst, vergleichbar mit Whatsapp. Die russischen Gründer betreiben den Dienst mittlerweile offiziell aus Dubai, nachdem der russische Staat Telegram zu verbieten versuchte. Grund für die Verbotsversuche von Staaten wie Russland und Iran ist die sichere Verschlüsselung des Dienstes. Telegram selbst zählt weltweit ungefähr 400 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

SRF 4 News, 07.08.2020;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

157 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ida Fischer  (Ida Fiischer)
    SRF 4 News aktuell, Donnerstag, 09:25 Uhr Die schlimmsten Prognosen für Spaniens Tourismus werden wohl noch übertroffen.In diesem Beitrag war zu hören das 60 % der positiv getesteten gar keine Syptome haben. Der Titel aber lässt vermuten das in Spanien die Menschen sterben wie die Fliegen. Auch die Sterbefälle in der CH bis Woche 30 ist NICHT beunruhigend ttps://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/tabellen.assetdetail.13807730.html Da kann man schon ins Grübeln kommen
    1. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Präventionsparadox: Man verhindert Schlimmeres und wird dann beschimpft, dass das Schlimmere gar nicht eingetreten ist. Wobei ich nicht sagen würde, dass Spanien nicht schlimme Zeiten mit vielen Toten erlebt hat. Auch in der Schweiz werden die Angehörigen der fast 2000 Toten anders darüber denken. Aber ich weiss, vielen ist das schlicht nicht "Drama" genug und hätten gerne mehr Tote durch Durchseuchung (damit man keine Hygiene-Massnahmen einhalten muss). Warum wohl viele das nicht wollen?
    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      F, It u.a. hatten die strengsten lockdown-Massnahmen und nicht wirklich wenig Opfer. Was die Massnahmen bringen ist umstritten: whs. nur Verzögerung der Ausbreitung zu immensen wirtschaftlichen Kosten und massiven Einschränkungen. Flatten the curve eben, was bei wenig schweren Krankheitsfällen kein Sinn macht, erst recht nicht jetzt im Sommer -> möglichst hohe Herdimmunität aufbauen wäre jetzt sinnvoll (und Risikopersonen schützen).
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Solch dubiosen inoffiziellen Quellen misstraue ich grundsätzlich. An Stelle dieser „Verschwörungstheorien“ gibt es die offiziellen staatlich bzw. wissenschaftlichen Infoquellen. Auf diese stütze ich mich, schon gar nicht auf Infokänale die rechtsextrem verseucht sind.
    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Von welchen Quellen erfährt man, dass der gegen Trump ermittelnde Robert Mueller in 2003 als Chef des FBI mithalf, die Massenvernichtungswaffenlüge zu verbreiten? Viele Medien stellten Mueller im Gegenteil als vertrauenwürdig dar. Welche Medien berichten wirklich kritisch zu den westlichen Angriffskriegen? Warum laufen im Westen Kriegsverbrecher ungeniert frei herum und nichts Kritisches dazu in den meisten Medien? Ist das für Sie kein Grund, skeptisch zu sein?
  • Kommentar von Kurt Looser  (Dremel)
    Wer offene Plattformen nutzt muss in der Lage sein das Hirn einzuschalten. Nachdem Facebook, Twitter und Co in die Schranken gewiesen und zur Zensur genötigt wurden, kommen weitere Abweichler ins Visier. Vor wenigen Jahren schien es noch unmöglich das Internet zu kontrollieren, nun werden abweichende Meinungen und ich meine ausdrücklich keine verstrahlten, immer mehr an den Rand gedrängt. Es ist für keine Gesellschaft gut sich nur noch politisch korrekt äußern zu dürfen.
    1. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Denken sie das sind die Geburtswehen einer Diktatur? Und wenn ja, wieviel Zeit bleibt noch?
    2. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Mit den Argumenten freiheitlich denkender Demokraten versuchen auch Rechtsextremisten ihre rassistische Hetze zu rechtfertigen. Ich bin absolut für freie Meinungsäusserung, aber glauben Sie nicht, die Demokrstie sollte trotzdem nicht so blauäugig sein, sich dadurch unterwandern zu lassen, dass man ihre eigenen ethischen Massstäbe missbraucht und pervertiert?
    3. Antwort von Kurt Looser  (Dremel)
      @Werle Das gefährlichste für eine Demokratie ist die Unterdrückung der freien Meinungsäusserung.
      Die Abschiebung von abweichenden Meinungen in recht- und linksextreme Ecken ist meist nur Mittel zum Zweck der Wahrung der Deutungshoheit.
      Es gibt die Extremisten, aber es sind und bleiben Randgruppen und dort sollen sie auch bleiben. Lassen Sie uns offen und kontrovers Diskutieren, das war eine Stärke der Schweiz und sie soll es auch weiterhin bleiben.
    4. Antwort von Kurt Looser  (Dremel)
      @Neuhaus Den Meisten würde ich den Willen gutes zu tun unterstellen, nur führt dieser meist zum Gegenteil.
    5. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      @David Neuhaus Diese Standartaussage! Ich gehe davon aus, dass sie auf die jetzigen Regierungen (Plural) fokussieren. Ich sehe ihr ? Diktatur gerade umgekehrt. Die Gefahr bestünde eher darin, dass die jetzige Bewegung mit ihren Schafen genau eine Diktatur erstellen würden, wenn sie könnten. Es ist unnötig hier auch noch mit dieser Angstmacherei auf zu kreuzen. Ich habe mit eurer sog. Meinungsfreiheit meine Erfahrung. Beschimpfungen und Erniedrigungsversuche bei anderer Meinung = Tagesordnung.
    6. Antwort von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
      @Dremel.
      grundsätzlich stimme ich Ihren Ausführungen zu.
      NUr die Vergangenheit der letzten 30 Jahre auf dem internationalen Parkett hat leider gezeigt, dass solche lautstarken Herrschaften, die bewusst dagegen steuern und somit wahrgenommen werden, Ueberhand gewinnt. Bei leiseren Tönen sind Leute heute schwerhörig geworden.
      Und ignorieren geht auch nicht, da wird grad weitergemacht.
      Wir müssen uns etwas einfallen lassen...
      Freundliche Grüsse, ee
    7. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Ich denke was sie beschreiben findet mehrheitlich in Deutschland statt.
      Ausserdem ist es so, dass gerade auf YouTube viele Leute gesperrt wurden. Es ist ja nicht so, dass YouTube nur von sich aus löscht. Nein, jeder der beleidigt oder bedroht wird kann dies melden oder auch Benachrichtigungen sperren.
      Die Sperrung hat einen gewissen Einfluss und es wird erträglicher. Ich habe festgestellt, dass es viele einsame und auch ängstliche Menschen hat. Es gibt solche die mit allen Zoff suchen.