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Coronakrise Tschechien und Slowakei: Erst Musterschüler – nun Corona-Hotspots

Angesichts steigender Corona-Zahlen wollen sowohl die Slowakei als auch die Tschechische Republik wieder den Ausnahmezustand verhängen.

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Aus dem Archiv: Tschechische Werber kämpfen gegen Fake News
04:55 min, aus Echo der Zeit vom 21.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.

Heute Mittwoch werden die Regierungen in Prag und Bratislava entscheiden, ob sie wieder den Ausnahmezustand in ihren Ländern verhängen. Dies, angesichts der stark steigenden Anzahl positiver getesteter Personen. Die beiden Länder hatten die erste Welle im Frühling sehr rasch in den Griff bekommen und galten als Corona-«Musterschüler» in Europa.

Doch in den letzten Tagen sind die Zahlen vor allem in der Tschechischen Republik geradezu explodiert. Hotspot ist die Hauptstadt Prag. Die Vorsicht, mit der die Tschechen im Frühjahr europäische Massstäbe setzten, ist mittlerweile verflogen. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš kündigte eine Sondersitzung seiner Regierung an, um den Notstand auszurufen. Zu konkreten Auswirkungen und möglichen Verschärfungen der Regeln machte er indes noch keine Angaben.

Ein Wirt an einem Bier-Zapfhahn.
Legende: In den Prager Wirtshäusern ist das Tragen einer Schutzmaske Pflicht. Keystone / Archiv

Bis Ende Mai hatte die Regierung in Prag über Tschechien bereits für zwei Monate den Corona-Ausnahmezustand verhängt. Dieser ermöglicht es der Regierung unter anderem, Bürgerrechte wie die Versammlungsfreiheit auszusetzen. Gerichte können während dieser Zeit zudem höhere Strafen verhängen.

Regionalwahlen trotz Notstand

In Tschechien werden am Freitag und Samstag Regionalwahlen sowie Ergänzungswahlen in einem Drittel der Wahlkreise zum Senat, dem Oberhaus des Parlaments, stattfinden. Eine Verschiebung hatte die Regierung zuletzt ausgeschlossen. Bei der Stimmabgabe muss zwingend eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Kritiker hatten der Regierung jüngst vorgeworfen, sie verschärfe die Corona-Massnahmen nicht, um ihre Wählerinnen und Wähler nicht zu verärgern.

Noch am Samstag hatten vor dem Gesundheitsministerium in Prag mehrere Hundert Personen gegen die ihrer Meinung nach zu strengen Corona-Massnahmen protestiert. Zur Kundgebung hatte die «Bürgerliche Unzufriedenheitsbewegung» (Hnutí občanské nespokojenosti) aufgerufen.

Tschechien hat 10.7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Seit Beginn der Pandemie meldeten die Behörden 65'313 bestätigte Fälle, 615 Infizierte starben.

Gefährliche Lage in der Slowakei

Auch die Regierung in Bratislava will morgen den Entscheid fällen, ob sie wegen der Pandemie zum zweiten Mal den Notstand verhängt. «Die Situation ist extrem gefährlich. Ich glaube, wir müssen fundamentale und sehr starke Massnahmen ergreifen», erklärte Regierungschef Igor Matovic. Am Freitag hatte das Land mit 552 registrierten Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen Rekordanstieg gemeldet.

Personen in Schutzmasken geben sich die Hand.
Legende: Die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová und Premier Igor Matovič wollen die Schutzmassnahmen verschärfen. Reuters / Archiv

Die Regierung in Bratislava plant, Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Gottesdienste ab dem 1. Oktober zu untersagen. Hochzeiten und Beerdigungen sollen nur noch erlaubt sein, wenn alle Teilnehmer einen negativen Corona-Test vorweisen können. Restaurants, Bars und Cafés müssen neu schon um 22 Uhr schliessen (derzeit noch 23 Uhr). Menschen, die nicht im selben Haushalt leben und einander näher als zwei Meter kommen, müssen den neuen Regeln zufolge auch auf der Strasse oder im Park eine Schutzmaske tragen.

Die Slowakei hat 5.4 Millionen Einwohner. Seit Beginn der Pandemie wurden in dem Land 9343 Coronavirus-Infektionen gemeldet, 44 Infizierte starben.

Video
Archiv: Roma-Dörfer in der Slowakei wegen Corona abgeriegelt
Aus Tagesschau vom 02.05.2020.
abspielen

Echo der Zeit, 21.09.2020, 18 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Tschechien und Slowakei: Erst Musterschüler – nun Corona-Hotspots

    Das ist der Preis den man bezahlt, wenn man Musterschüler sein will. Es scheint mir naheliegend, dass diese Regierungen auf einen lange andauernden JoJo Effekt hinsteuern, in dem der Musterschüler immer wieder abstürzt. Ein strenger lockdown wird evtl. die Fallzahlen beruhigen, die bei der nächsten Lockerung umso schneller nach oben schiessen werden. Wenn die Politiker auf Überreaktionen verzichten könnten wäre allen gedient.
  • Kommentar von Halbeisen Charles  (chh)
    Das war ja zu erwarten. Wie in Israel. Schon bei wenigen Fällen haben sie eine Vollbremsung gemacht. Folglich keine Herdenimmunität. Richtig ist das dosierte Zulassen der Ansteckung. Das bewahrheitet sich immer mehr. Auch die Schweiz geht den Mittelweg und fährt gut damit.
    1. Antwort von Maxim Kleiner  (Maxim1507)
      Wissen Sie, dass es bereits Zweitansteckungen gab, somit ist man nach einer Ansteckung nicht immun, oder zumindest nicht zwingend (derzeit nicht abschliessend geklärt)? Die Durchseuchungsstrategie ist längst nicht mehr die, die die Schweiz verfolgt.
    2. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      @ Maxim bisher sind 2! Zweitansteckungen bekannt...