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Corona-Massnahmen «made in Florida»
Aus 10 vor 10 vom 05.05.2021.
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Coronavirus in den USA Party statt Pandemie in Florida

Die Sonne brennt auf die Strassen am Ocean Drive. Schon kurz vor Mittag erreicht das Thermometer die 30-Grad-Marke. Hier, wo sich ein Art-déco-Hotel ans andere reiht, flanieren die Menschen leicht bekleidet und gutgelaunt in Richtung Miami Beach.

Zufrieden ist auch Ros Gottuso vom «Colony Hotel». Mit seinem hellblauen Anstrich und dem markanten Schriftzug ist es das meistfotografierte Gebäude in ganz Miami ist. Ihre 48 Zimmer sind seit März restlos ausgebucht und das bei Zimmerpreisen von bis zu 300 Dollar. Im Hotel gilt eine strenge Maskentragpflicht und Gottuso ist überzeugt, dass die Gäste bei ihr sicher sind.

«Wir haben unser Leben wieder»

Neben den Hotels, die teilweise ein Rekord-Quartal hinter sich haben, profitiert auch die Gastronomie. Wer beim Pizzaiolo-Weltmeister Giovanni Gagliardi seine Pizza isst, fühlt sich wie in Neapel. In der Pizzeria herrscht ein Gewusel und der quirlige Chef strahlt Lebensfreude pur aus.

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Giovanni Gagliardi, Pizzaiolo: «Wir haben unser Leben zurück. Graziamo a Dio»
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Seine Familie in Neapel könne gar nicht glauben, wie es bei ihm zu und hergehe. Wenn er Nachrichten über die Pandemie sehe, bekomme er schon etwas Angst. «Aber hier ist es anders. Viele sind geimpft. Wir haben unser Leben wieder zurück und dafür danke ich Gott», sagt Gagliardi.

Tatsächlich sind die Zahlen in Florida ermutigend: Auf der Spitze der zweiten Welle im Januar verzeichnete der «Sunshine State» noch bis zu 20'000 Neuinfektionen pro Tag und galt als «Hotspot». Seither ist die Kurve auf aktuell unter 5000 Fälle gesunken. 30 Prozent der Bevölkerung sind zudem vollständig geimpft. Aber es gibt mahnende Stimmen, die vor zu viel Sorglosigkeit warnen.

Vorsicht, wer nicht geimpft ist

Der Kardiologe Bernard Ashby gehört nicht zu den Schwarzmalern. Er will, dass die Menschen wieder arbeiten und Spass haben können. Aber wer noch nicht geimpft sei, müsse vorsichtig sein, sagt Ashby: «Hier im Spital sehe ich mehr und mehr junge Patientinnen und Patienten, die sich noch anstecken, bevor sie geimpft sind».

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Arzt Bernard Ashby: «Die Gesundheit muss Priorität haben»
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Den politischen Umgang mit der Pandemie sieht Ashby kritisch: Während die Demokraten seiner Meinung nach zu strenge Massnahmen verordneten, verhielten sich die Republikaner so, als ob es das Virus gar nicht gäbe. Beides sei fatal.

Massnahmen werden ausgesetzt

Tatsächlich sind die unversöhnlichen politischen Lager im Land auch in dieser Frage gespalten. Dem republikanischen Gouverneur Floridas, Ron DeSantis, werden Ambitionen für die US-Präsidentschaft 2024 nachgesagt. Anfang Woche hat er alle Corona-Massnahmen per 1. Juli ausgesetzt.

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Stadtpräsident Dan Gelber: «Mit so vielen Gästen ist das schwieriger»
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Dies bringt den demokratischen Stadtpräsidenten von Miami Beach, Dan Gelber, auf die Palme. Er schimpft DeSantis einen «Ideologen, der sich von seinen politischen Ambitionen, statt von der Wissenschaft leiten lässt». Dabei wäre gerade jetzt, bei so viele Touristinnen und Touristen in der Stadt, das Maskentragen so wichtig.

Neue Freiheit in Miami

Tatsächlich sind viele Flüge nach Miami im Moment ausgebucht. Aus Chicago sind etwa die Freundinnen Miranda Slupski und Justina Juarez für ein Wochenende angereist. Drei Stunden Flug für drei Tage Spass.

Die beiden posieren für Selfies am kilometerlangen Sandstrand, der der Stadt Miami Beach seinen Namen gegeben hat. Während Miranda geimpft ist, ist es Justina nicht ganz wohl: Sie will auf keinen Fall jemanden anstecken und beteuert, in der Regel eine Maske zu tragen.

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Miranda Slupski: «Ich bin geimpft und fühle mich ziemlich sicher»
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Die beiden stehen damit für die aktuelle Gemütslage in Miami Beach: Man bewegt sich irgendwo zwischen unbeschwerter Ausgelassenheit und der Hoffnung, dass auf die grosse Party nicht doch noch plötzlich ein Kater folgt.

10vor10, 05.05.2021, 21:50 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Und wenn die vermeintliche Katastrophe ausbleibt, wird ma kein Wort mehr von Florida hören und lesen. Von den prophezeiten Katastrophen in Schweden und Großbritannien hört man auch nichts mehr.
    1. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      Ab und zu hört man schon noch von Schweden. Wie für UK dem Lockdown, wird es dort der Vorsicht der Leute zugeschrieben und immer betont, wie nahe die Spitäler an der Belastungsgrenze sind. Dass in Neuseeland und teilweise Australien die Spitäler anscheinend ohne Covid seit Monaten komplett überlastet sind, interessiert niemanden. Immer ist es der drohende Tsunami und die Annahme, die Massnahmen würden ihn gerade noch aufhalten. Irgendwie surreal, aber sicher fast unmöglich zu beurteilen.
    2. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Auf die Bevölkerung bezogen hat die totale Anzahl der Infektionen in Schweden die Zahlen der USA überholt. Das UK hat die Situation durch drastische Massnahmen in den Griff bekommen.
  • Kommentar von Martin Meier  (MartinMMeier)
    Der Artikel fehlt zu erwähnen, dass man in Florida als Tourist geimpft werden kann und das als Walk-in in einer Drogerie. Insofern kann jeder der dort ankommt sich schnell impfen bevor es an den Strand zum feiern geht.
    1. Antwort von Andreas Bucher  (anbu)
      Es wäre schön, wenn es so einfach ginge ;-) Aber leider braucht das Immunsystem ca. 2 Wochenn um den vollen Impfschutz aufzubauen. Zusätzlich wird die volle Wirkung erst nach der 2. Dosis erzielt.
    2. Antwort von Ramon Gfeller  (RG)
      @M.Meier: Was überhaupt nichts bringt, weil die Impfung nicht sofort sondern erst nach 1-2 Wochen einen Schutz bietet.
    3. Antwort von Admir Asllanaj  (Admir As)
      Schöne Ausrede. Sie wissen schon, dass es bis zu 29 Tagen (Johnson Johnson) dauern kann bis die Impfung wirkt? Warten Touristen 29 Tage lang im Hotel und gehen dann baden?
    4. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Passend dazu die Sonnencreme einschmieren vor dem Duschen am Abend....
  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Na ja, Texas hat ja bereits vor Wochen geöffnet und trotz der Mahnungen einiger "Fachleute" sinken die Zahlen weiter. Da hatte es sogar den sonst so wortgewandten "Experten" Fauci in einer Fernsehsendung die Sprache verschlagen und er fand keine Erklärung für das, was da in einigen US-Bundesstaaten abläuft. Aber es ist eigentlich klar. Wenn rund 30 % der Personen geimpft sind und ein weiterer Teil der Bevölkerung das Virus schon hatte geht die Ansteckungsgefahr auch ohne Massnahmen zurück.
    1. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Derungs:Das Impftempo ist gut und das hilft, aber Sie vergessen zu erwähnen dass viele Amerikaner derzeit zu Hause bleiben weil sie mehr Einkommen aus den Finanzhilfen haben als wenn sie 2-3 Jobs zu mickrigen Std.Löhnen machen müssten um über die Runden zu kommen. Viele Schulen sind noch auf online Unterricht,auch ein Grund zu Hause zu bleiben und so die Weiterverbreitung einzudämmen.Es ist also bei weitem noch nicht klar.