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Covid-Untersuchungskommission Grossbritannien war schlecht auf die Pandemie vorbereitet

Ein Bericht der britischen Covid-Untersuchungskommission zeigt, dass Grossbritannien schlecht auf die Pandemie vorbereitet war. In Spitälern fehlte Schutzausrüstung. Der Bericht zeigt auch, dass die Regierung während der Pandemie knapp 15 Milliarden Pfund für Schutzausrüstung ausgegeben hat, wobei 10 Milliarden Pfund verschwendet worden seien.

Peter Stäuber

Freier Journalist

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Der Ostschweizer Journalist lebt seit Jahren in London und berichtet aus der britischen Hauptstadt unter anderem für die «Wochenzeitung WOZ» und für die «Zeit».

SRF: Wie kommt der Bericht zu diesem verheerenden Urteil?

Peter Stäuber: Zu Beginn der Pandemie herrschte ein akuter Mangel an solcher Schutzausrüstung, also an Masken, Handschuhen oder Schürzen. So begannen die Behörden in den folgenden Wochen und Monaten Unmengen dieser Ausrüstung zu bestellen. Und am Ende war es dann einfach viel zu viel.

Es fehlten Daten, was gebraucht wurde und was geliefert worden ist.

Dazu kommt noch, dass ein Teil des Materials, das bestellt worden ist, nicht mehr brauchbar war, weil es zu alt war und deshalb nicht mehr den Vorschriften entsprach.

Wie ist es zu diesem Überschuss an Material gekommen?

Die Vorsitzende der Untersuchungskommission, Heather Hallett, räumt zunächst ein, dass die Beschaffung der Schutzausrüstung phänomenal kompliziert gewesen sei, wie sie schreibt. Aber die britische Regierung sei überhaupt nicht darauf vorbereitet gewesen, wie man schnell und notfallmässig das nötige Material beschafft. Es fehlten Daten, was gebraucht wurde und was geliefert worden ist.

Was hat es mit der Kritik auf sich, dass die Regierung einzelne Firmen bei Aufträgen bevorzugt hat?

Es geht um die sogenannte High Priority Lane, die man auch VIP-Lane nannte, also sozusagen die Überholspur für wichtige Leute. Das betraf Unternehmen mit politischen Beziehungen, die dann bevorzugt wurden. Also wenn beispielsweise ein Minister ein Unternehmen kannte, das Masken herstellt, dann hat er dieses Unternehmen empfohlen und gesagt, wir sollten hier Gesichtsmasken bestellen. Damit wurde die betreffende Firma dann prioritär behandelt. Das öffnet natürlich den Weg zu Korruption und Vetternwirtschaft. Allerdings hat die Untersuchungskommission keine Hinweise auf Korruption gefunden.

Reaktion des damaligen Premierministers Boris Johnson

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Mann in Anzug mit blonden Haaren, trägt eine Tasche.
Legende: Boris Johnson war von Juli 2019 bis Juni 2022 der britische Premierminister. EPA/ANDY RAIN (Archiv)

Der ehemalgie Premierminister Boris Johnson reagierte nach der Veröffentlichung des Berichts mit Unverständnis. Er brauche keine Belehrung durch eine Untersuchung über den Umgang seiner Regierung mit der Pandemie, so der Ex-Premier gemäss der nationalen Nachrichtenagentur PA.

«Wir haben eine Menge Schutzausrüstung in unglaublicher Geschwindigkeit beschafft und ich bin sehr stolz auf das Ergebnis», sagte Johnson.

Wie urteilt man in Grossbritannien zurzeit über die Krisenbewältigung?

Die Untersuchungskommission hat bereits letztes Jahr im November einen Zwischenbericht veröffentlicht, in dem es um die damaligen Entscheidungen innerhalb der Regierung geht. Die Regierung habe geschlampt, heisst es. Experten schätzen, dass mehr als 20'000 Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn man entschlossener gehandelt hätte.

Wenn man sich die Todesraten ansieht, dann schneidet Grossbritannien schlechter als vergleichbare Länder ab.

Das ist auch der Grund, warum diese Covid-Untersuchungskommission überhaupt eingesetzt worden ist. Das geschah auf Druck von Leuten, die Angehörige verloren hatten und wissen wollten, ob das unvermeidbar war oder was man hätte anders machen können, um Menschenleben zu retten.

Hat denn die Politik in Grossbritannien wirklich besonders schlecht reagiert?

Grossbritannien ist sicher nicht allein damit, dass die Regierung und die Behörden Fehler gemacht haben. Aber wenn man sich die Todesraten ansieht, dann schneidet Grossbritannien schlechter als vergleichbare Länder ab.

Ist Grossbritannien auf die nächste Pandemie besser vorbereitet?

Da sind viele Expertinnen und Experten skeptisch. Auch die Angestellten im Gesundheitsdienst NHS sind wenig zuversichtlich. Ende letzten Jahres wurde eine grossangelegte Krisenübung abgehalten. Mit dieser Übung sollte getestet werden, wo es Schwachstellen gibt und was man besser machen muss. Die Auswertung läuft noch immer.

Das Gespräch führte Julius Schmid.

SRF 4 News, 16. Juli 2026, 6 Uhr ; 

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