Lagos, Anfang Februar: Aliko Dangote führt Gäste aus Industrie und Regierung durch seine neue Raffinerie am Stadtrand der nigerianischen Metropole.
Die Stimmung ist gut. Zwei Jahre nach Inbetriebnahme produziere die Anlage nun mit voller Kapazität, erzählt der 69-Jährige: 650’000 Fässer pro Tag. «Alles ist möglich», sagt der wohl erfolgreichste Geschäftsmann Afrikas in seiner gewohnt spröden Art.
Was damals niemand ahnt: Nur drei Wochen später bricht der Iran-Krieg aus. Benzin wird weltweit knapper und teurer. Dangotes Raffinerie wird über Nacht zu mehr als bloss einem Unternehmen – sie wird zum Rettungsanker für Nigeria und viele Nachbarstaaten.
«Dangote hat Afrika gerettet»
Reich geworden ist Dangote vor allem mit Zement. Laut dem Magazin «Forbes» besitzt er heute ein Vermögen von 28.5 Milliarden Dollar. Vor zehn Jahren entschied er sich, 20 Milliarden Dollar in diese Raffinerie zu stecken. Viele hielten das damals für hoch riskant, manche für Wahnsinn.
Heute zeigt sich das Vorhaben als fast visionär. Mitten in einer globalen Ölkrise kann Nigeria seinen Benzinbedarf erstmals selbst decken. Und mehr noch: Einen Teil der Produktion verkauft das Land ins Ausland. Mindestens sechs afrikanische Länder hat Dangote in den letzten Wochen beliefert. Weitere sollen folgen.
«Dangote hat Afrika gerettet, er ist ein Held» – solche Lobpreisungen liest man dieser Tage oft in den sozialen Netzwerken Westafrikas. Manches davon ist übertrieben. Klar aber ist: Wäre die volle Kapazität erst ein Jahr später erreicht worden, wäre die Versorgungslage mit Treibstoff vielerorts deutlich schlechter.
Das gilt sogar für Europa. Dangote belieferte in den letzten Wochen erstmals auch Frankreich, die Niederlande und Grossbritannien.
Symbol für ein selbstbewusstes Afrika
Auf dem Kontinent wird seit Langem davon gesprochen, dass sich Afrika wirtschaftlich emanzipieren müsse. Dangote steht dafür wie wenige andere. Durch seine Raffinerie – und den glücklichen Zeitpunkt der Inbetriebnahme – wird er endgültig zum Symbol für ein stärkeres Afrika.
Akinwumi Adesina, der frühere Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, formuliert es so: Dangote sei der reichste Afrikaner überhaupt. Er könnte seine Milliarden auch anderswo investieren. «Doch er investiert in Nigeria, er investiert in Afrika – weil er an diese Orte glaubt.»
Dangote ist heute im Pensionsalter. Zur Ruhe setzen will er sich nicht. Im ostafrikanischen Tansania will er eine weitere Ölraffinerie bauen. Und vor einigen Wochen kündigte er an, seine Raffinerie in Lagos noch deutlich zu vergrössern. Innerhalb von zweieinhalb Jahren werde sie die grösste sein, die die Welt je gesehen habe.