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Coronakrise: Viele hungern in den USA
Aus Tagesschau vom 08.05.2020.
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Darbender Arbeitsmarkt Die Arbeitslosigkeit in den USA eskaliert

Es ist ein historischer Arbeitsmarktbericht – die Arbeitslosenquote schnellt auf 14.7 Prozent hoch. Seit der Depression in den 30er-Jahren hat man keine solche Explosion der Arbeitslosenzahlen gesehen. Seit März nahm die Arbeitslosigkeit in den USA um rund zehn Prozentpunkte zu. Und doch sind die Zahlen des Arbeits-Departments in Washington (DOL) beschönigend.

Da der Arbeitsmarktbericht nur den Zeitraum bis zum 12. April abdeckt, sind die Zahlen nicht aktuell. Seither haben sich weitere 10.6 Millionen neu arbeitslos gemeldet, laut den Wochenberichten des DOL.

Sinnbild der Pandemie

Ausserdem zählen die Statistiker nur diejenigen, die sich arbeitslos melden und aktiv nach Arbeit suchen. Das tun manche in dieser Coronakrise nicht, da es in vielen Sektoren, zum Beispiel im Gastgewerbe, de facto kaum noch Arbeitsplätze gibt. Oder weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Und viele meldeten sich temporär arbeitslos, weil sie zwar keinen Lohn mehr erhalten, aber ihre Stelle gesichert sehen. Auch diese werden nicht mitgezählt.

Statistisch unsichtbar sind zudem alle Arbeitnehmenden, die auf Vertragsbasis arbeiten oder für die sogenannte «Gig-Economy» arbeiten, wie Uber- oder Lyft-Fahrer. Zweieinhalb Millionen dieser Hilfsbedürftigen tauchen auf der offiziellen Liste der Empfänger der Pandemie-Nothilfe auf, die der US-Kongress beschlossen hat.

Dunkelziffer weit höher

Kurz und gut, was immer wahr ist – die offizielle US-Arbeitslosenquote reflektiert nicht die gesamte Arbeitslosigkeit – entwickelt sich während der Covid-19-Krise zu schweren Verzerrungen. Das DOL erwähnt im Arbeitsmarktbericht, dass die Quote um fünf Prozentpunkte höher liegen würde, hätte man temporäre Arbeitslose mitgerechnet – also bei fast 19.7 Prozent. Eine Zahl, die der Great Depression in den dreissiger Jahren nahekommt.

Vielleicht ist es auch müssig, über die Genauigkeit von Quoten zu diskutieren – die Krise ist dramatisch, das ist klar. Und die grosse Frage ist nun, wie schnell sich der Arbeitsmarkt erholen kann. In den USA versucht die Mehrheit der Staaten ihre Wirtschaft wieder zu eröffnen, wenigstens teilweise. Doch da die Pandemie in den USA vielerorts noch nicht signifikant abgeschwächt werden konnte, erwarten Gesundheitsexperten eine zweite Welle Anfang Juni. Ob die Öffnungsmassnahmen aufrechterhalten werden können, bleibt abzuwarten.

Das Budget-Büro des US-Kongresses geht derzeit von einer Arbeitslosenquote von 16 Prozent im dritten Quartal dieses Jahres aus und von durchschnittlich 10 Prozent im kommenden Jahr. Keine Aussicht auf baldige Heilung also, auch wenn Präsident Trump Optimismus versprüht, und der Dow Jones heute auf die schlechten Arbeitsmarkt-News kaum reagierte.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

Es ist ein historischer Arbeitsmarktbericht – die Arbeitslosenquote schnellt auf 14.7% Prozent hoch. Seit der Depression in den dreissiger Jahren hat man keine solche Explosion der Arbeitslosenzahlen gesehen. Und doch sind die Zahlen des Arbeits-Departments in Washington (DOL) beschönigend.

Tagesschau vom 08.05.2020, 19.30 Uhr

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Hansruedi Elsener  (Haru)
    Es gibt Leute die der Meinung sind die USA hätten das Virus in China platziert. Gründe hätte Trump sicher ausreichend.
  • Kommentar von Samuel Herrmann  (Samuel Herrmann)
    Die Schweizer Arbeitslosenzahlen sind genauso beschönigend wie die aus den USA. Gezählt werden nur versicherte Arbeitslose welche angemeldet sind. Warum sträubt sich das Seco die Arbeitslosigkeit wie alle EU-Länder nach ILO-Standards (Erwerbslosigkeit) zu messen? Nachdem die Kündigungsinitiative abgelehnt ist, könnte man da doch eindlich reinen Tisch machen.
    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Warum erst nach der Kündigungsinitiative? Diese Information ist doch relevant für das Abstimmungsresultat.
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Angesichts des letzten Satzes frage ich mich, ob die Wirtschafts-Redaktion tatsächlich auch heute noch glaubt, der Dow Jones spiegle die realwirtschaftliche Entwicklung. Diese Indexe müssen durch Messinstrumente ersetzt werden, welche die realwirtschaftl. Entwicklung abbilden. Das sollte dann nicht etwas volatiles wie Geld sein, sondern eine feste Grösse wie zum Beispiel das Total der geleisteten Arbeitsstunden (Expertenvorschläge, bitte). Da sieht man die WIRKLICHE Wirtschaftsleistung.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Korrigenda: Frau Jacobi ist ja Korrespondentin in den USA, Entschuldigung.
    2. Antwort von Samuel Herrmann  (Samuel Herrmann)
      Falsch Herr Keffler,
      höhere Produktivität und damit Wirtschaftsleistung erzielt man mit möglichst wenig Arbeitsstunden. Automatisierung, Digitalisierung etc.
    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ich gebe Ihnen recht, Arbeitsstunden sind angesichts der Automatisierung auch kein guter Ansatz. Aber diese Indexe widerspiegeln die Psychologie der Anleger statt der wirtschaftlichen Produktivität. Vorschläge?