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De Mistura tritt zurück Nur Verdruss – keine Lorbeeren

Viereinhalb Jahre hat Staffan de Mistura durchgehalten als Syrien-Vermittler der UNO. Erreicht hat de Mistura aber wenig. Das ist nicht im Geringsten ihm selber anzulasten. Hingegen der politischen Grosswetterlage in Syrien.

Legende: Audio Staffan de Mistura hat für eine Lösung gekämpft abspielen. Laufzeit 01:28 Minuten.
01:28 min, aus HeuteMorgen vom 18.10.2018.

Offiziell geht er aus persönlichen Gründen. Das mag zum Teil stimmen. Doch zweifellos nagte auch die andauernde Erfolglosigkeit am schwedisch-italienischen Spitzendiplomaten Staffan de Mistura. Je länger je mehr.

Er erreichte nicht einmal, dass die Vertreter des syrischen Regimes jemals in Genf direkt verhandelten mit den Vertretern der Rebellen – und ob jetzt tatsächlich ein Komitee gegründet wird, das, wie er ankündigt, eine neue syrische Verfassung ausarbeitet, steht in den Sternen.

Dabei verbreitete de Mistura unerschütterlichen Optimismus. Locker liess er nie. Unablässig versuchte er, selbst das Treten an Ort in gedrechselten Sätzen wenigstens als Mini-Fortschritte zu verkaufen. Sein Engagement, sein Beharrungsvermögen trugen ihm zu Recht Bewunderung ein.

Siegerjustiz hält Einzug

Doch die Machtverhältnisse in Syrien sind inzwischen offenkundig so, dass gar kein UNO-Kompromiss, gar kein Ausgleich zwischen Regierung und Opposition mehr gefragt ist. Das Assad-Regime hat, dank russischer und iranischer Unterstützung, gesiegt. Praktiziert wird, wie unter solchen Voraussetzungen üblich, Siegerjustiz. Wie das Syrien der Zukunft aussieht wird nicht in Genf entschieden, sondern in Damaskus, in Moskau, in Teheran und ein bisschen in Istanbul.

Natürlich kann die UNO auch nach de Misturas Abgang Ende November nicht einfach abtauchen. Sie muss ihre guten Dienste anbieten. Und Generalsekretär Antonio Guterres wird einen Nachfolger finden. Doch auswählen aus vielen qualifizierten Kandidaten kann er nicht. Das Amt des UNO-Syrienvermittlers bietet nur Verdruss. Lorbeeren sind da keine zu holen.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF 4 News, 18:00 Uhr / musv;koua

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    "Siergerjustiz", "Verdruss" usw. - als wäre der Westen unglücklich, dass die islamistischen Terroristen in Syrien besiegt worden wären. Oder glaubt man im Westen immer noch, dass ohne Russland und den Iran die guten, demokratischen Rebellen das Land vom bösen Assad befreit hätten?
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Würde die Uno Charta angewendet, wäre längst Frieden. Es steht nämlich in der Uno Charta, dass kein Land ein anderes angreifen und bombardieren darf. Einzig Länder, die zu Hilfe gerufen werden zur Verteidigung oder das Eingreifen nach einer eine gemeinsam beschlossenen Uno- Resolution sind, LAUT UNO- CHARTA, rechtmässig an einem Krieg beteiligt. Folglich brechen alle Söldnertruppen der Saudis und des Onkel Sam die Uno- Charta. Deshalb kann der Uno- Sondergesandte niemals Erfolg haben.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Herr De Mistura hat sich auch einen Job eingehandelt, indem man sicherlich nicht erfolgreich sein kann. Das sollte man tunlichst eben auch erwähnen.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Korrekt, denn er vertritt nicht die Interessen Syriens, sondern diejenigen der "westlichen Wertegemeinschaft" inkl. Saudi- Arabiens. Ginge es nach deren Interessen, würde Syrien geteilt und die westlichen Investoren könnten nach ihren eigenen Regeln im nahen Osten arbeiten, Rohstoffe abbauen und Transitwege bestimmen und erstellen.
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