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Carola Rackete – Heldin oder Kriminelle?
Aus 10vor10 vom 01.07.2019.
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Debatte um Flüchtlingsrettung «Sie handelt professionell und sehr überlegt»

Wer ist die Frau, die Flüchtlinge rettet und sich gegen Salvini stellt? Fabio Zgraggen, Gründer der Humanitäre Piloten Initiative HPI, hat mit ihr zusammengearbeitet.

Fabio Zgraggen, Gründer der Humanitäre Piloten Initiative HPI, kennt Carola Rackete. Sie hat in den letzten Jahren mehrmals und zuletzt im Frühling im Rahmen einer Zusammenarbeit von Sea Watch und HPI auf einem Flugzeug der HPI gearbeitet. Auf einem Aufklärungsflugzeug war sie taktische Koordinatorin. Zgraggen mag sich gut an Rackete erinnern und schildert sie als überlegte Fachfrau.

Ich habe sie als sehr professionell erlebt, mit einer enormen Kompetenz und viel Know-how im Meer.
Autor: Fabio ZgraggenGründer der Humanitäre Piloten Initiative HPI

«Wir brauchen auf unseren Flugzeugen Menschen mit nautischer Erfahrung, die den Seefunk bedienen können und klar kommunizieren, wenn ein Schiff in Seenot ist. Dann muss rasch entschieden werden, wie und wo man fliegt und wie die Prioritäten gesetzt werden», sagt Zgraggen. «Ich habe sie als sehr professionell erlebt, mit einer enormen Kompetenz und viel Know-how im Meer.»

Carola Rackete hat Erfahrung auf Forschungsschiffen. Sie nahm für das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung an Expeditionen teil. Auch für Greenpeace hat sie gearbeitet.

Carola Rackete

Carola Rackete

Ehrenamtliche Seenotretterin

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Über Nacht wurde sie zur Galionsfigur der Flüchtlingshilfe, zum Vorbild der Aktivisten, zum Feindbild der rechtsnationalistischen Populisten: die 31-jährige Carola Rackete. In Kiel geboren studierte sie Nautik und Umweltschutz-Management, seit 2016 arbeitet sie als ehrenamtliche Seenotretterin.

Dass sie jetzt von den einen als Heldin gefeiert wird, und von anderen beschimpft, beschäftigt Zgraggen: «Primär ist sie Kapitänin. Sie hatte ihre Aufgabe zu erledigen.»

Wer jetzt dafür oder dagegen ist, ist weniger wichtig.
Autor: Fabio ZgraggenGründer der Humanitäre Piloten Initiative HPI

Als Kapitänin sei sie verantwortlich für die Sicherheit der Personen auf dem Schiff. «Ich glaube, sie war voll auf diese Arbeit fokussiert, musste einfach funktionieren. Durch ihre Arbeit ist sie sich stressige Situationen gewohnt.» Doch für die politische Debatte, die sie ausgelöst hat, habe sie wohl kaum Zeit: «Wer jetzt dafür oder dagegen ist, ist weniger wichtig.»

Ihre Motivation sei wie bei allen Helfern eine rein humanitäre. Sie könne mit ihren nautischen Fähigkeiten helfen, Menschenleben zu retten. Denn die Situation im Mittelmeer sei unhaltbar, weil Tausende ertrinken, sagt Zgraggen.

Carola Rackete war verpflichtet, die Leute in einen sicheren Hafen zu bringen.
Autor: Fabio ZgraggenGründer der Humanitäre Piloten Initiative HPI

«Wenn ein Boot in Not ist, ist jeder verpflichtet zu helfen. Das steht klipp und klar im Seerecht. Carola Rackete war verpflichtet, die Leute in einen sicheren Hafen zu bringen.»

Allerdings hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gegen die Sea-Watch entschieden. Der EGMR hatte am vergangenen Dienstag einen Eilantrag der Seenotretter abgelehnt, in Italien anlegen zu dürfen. Zuvor hatten elf Migranten unter anderem wegen ihres Gesundheitszustandes das Schiff verlassen können.

Darauf verwies das Menschenrechtsgericht in der Begründung des ablehnenden Entscheids: An Bord gebe es derzeit keine Menschen mehr, die auf dem Schiff gefährdet seien. Deswegen gebe es derzeit keinen Grund für die Anwendung der Massnahmen. Trotzdem steuerte Rackete ihr Schiff in den Hafen von Lampedusa.

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Sie haben Frau Rackete als sehr professionell, kompetent und überlegt erlebt. Warum ist sie bewusst das Risiko eingegangen und hat Italien angesteuert, obwohl es durchaus andere Möglichkeiten gab. Eine wohl gewollte und durchdachte Provokation !
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    1. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Stimme dem zu. Das Verhalten der Sea Watch bei der (illegalen) Einfahrt in den Hafen war absolut nicht professionell, da sie die Einfahrt erzwungen und dabei ein anderes Schiff beschädigt hatte.
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    In Seenot gerät jemand dessen Boot seeuntüchtig wird. Nicht wenn jemand seeuntüchtig in See sticht. Oder wie Videos zeigen sogar Boote auf hoher See gefüllt und überfüllt werden.
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    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Nochmal: selbst wenn Ihre Ausführungen zutreffend wären - Videos können verfälscht und/oder aus dem Kontext gezogen werden - wäre dies kein Grund diese Menschen(!!!) absaufen zu lassen! Wie oft denn noch?
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    2. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      @Waeber: Diese Leute begeben sich nicht aus Abenteuerlust oder beruflich bedingt auf See. In dem Punkt sind wir uns schon einig oder?
      Nein, sie wollen gerettet werden. Und zwar nicht in erster Linie vor dem ertrinken, sondern vor der afrikanischen Armut. Richtig?
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    3. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Francis Waeber, wie oft denn noch: Niemand will die Leute absaufen lassen, aber wir wollen auch nicht alle hier in Europa haben. Also RETTEN und ZURÜCK nach Afrika.
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    4. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      … zurück nach Afrika, wo sie von eigenen Leuten getötet werden, während sich die Rüstungs- und Nahrungsmittel-Konzerne auf deren Kosten die Bankkonten füllen. Hauptsache WIR machen uns vermeintlich(!) nicht die Finger schmutzig! Wenn niemand die Leute absaufen lassen will, weshalb dann diese tatsachenverdrehende Polemik???
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    5. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Samuel Müller. Falsch! Die überwiegende Mehrheit will vor der Vernichtung durch Kriegstreiber gerettet werden; zu deren Lieferanten u.a. auch Europäische Rüstungskonzernen gehören! Diejenigen bei welchen das erwiesener Massen(!!!) nicht der Fall ist können Sie meinetwegen gerne zurück schicken. Aber ohne dieses populistische trara.
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  • Kommentar von Ilse König  (königin)
    Die EU hat versagt und jedem den "Schwarzen Peter" weiter gegeben, bewacht lieber seine Gartenzwerge im Schrebergärtchen, anstatt für mehr Fairness im Handel usw zu sorgen. Die Regierung in Rom ist schlicht überfordert. Populismus bringt nichts. Zusammen ist noch immer eine Lösung möglich. Wir im Christlichen Europa (Katholisches Italien!), haben die Verantwortung, die Menschen zu retten, die in Not sind, die Schlepper zu bestrafen und die unfähigen Politiker abzuwählen. Ciao Salvini!
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Ilse König, warum begeben sich diese Menschen denn in Gefahr? Ist es nicht so, dass sie ein besseres Leben auf Kosten der Europäer erhoffen?
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    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Schläpfer: Europäer haben Afrikaner jahrhundertelang ausgebeutet. Auch heute wird von dort durch Grosshandel viel Geld nach Europa transferiert. Ein System der Ungerechtigkeit. Europa hat auf Kosten Europas gelebt. Dann: Wenn Sie in Afrika in aussichtsloser Situation wären: Würden Sie nicht auch fliehen und einen möglichst guten Platz aufsuchen wollen? Das ist doch völlig natürlich - Ueberlebenstrieb. Wir Europäer haben es halt lange verpasst, gegenüber Afrika etwas demütiger zu werden.
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    3. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Ueli von Känel, bitte informieren sie sich, gehen sie als Helfer nach AFRIKA, sie werden sehen dass vieles nicht so ist wie uns die NGO's und die Hilfsorganisationen weis machen wollen. Dazu empfehle ich ihnen Bericht von Ex Botschafter und Afrika Kenner, Dominik Langenbacher der schreibt: "Afrika geht es viel besser, als wir glauben"!
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    4. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Ich denke auch Herr Schläpfer, dass es so manche Orte, Gebiete in Afrika gibt, wo es den Menschen gut geht. Auf unterschiedlichen Arten und Weisen. Auch materiell, vielleicht nicht so in diesem unseren monomanen monetären Sinn. Es ist ja ein Kontinent, der gross, reich und vielfältig ist. Darum ja die traditionsreichen Begehrlichkeiten des 'Weissen Mannes'. Genauso gibt es das Andere, von Kriegen und konzernaler Ausbeutung geprägte Gebiete wo den Menschen die Lebensgrundlagen entzogen werden.
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    5. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Frau König. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Herr Schläpfer, ich glaube wenn sie Folter, Vergewaltigung, Krieg und Hunger, sagt man sich nur noch, end weder ich finde eine Zukunft oder ich geh drauf. Ein besseres Leben auf Kosten der Europäer.. Im Moment machen wir uns ein besseres Leben auf Kosten der Afrikaner. Z. B. Bodenschätze, Abfall verlagern, Plastikmüll ect.
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