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Legende: Video Carola Rackete – Heldin oder Kriminelle? abspielen. Laufzeit 06:48 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.07.2019.
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Debatte um Flüchtlingsrettung Carola Rackete wird zur Symbolfigur politischen Versagens

Bisher lebte sie das Leben einer «normalen» Aktivistin. Carola Rackete, 31, aus Niedersachsen im Norden Deutschlands, studierte Nautik und Umweltschutz-Management und war für Greenpeace auf den Weltmeeren unterwegs, bevor sie als Flüchtlingshelferin zu Sea Watch stiess. Als sie und ihre aktuelle Crew bereits vor Wochen darum baten, mit einigen Dutzend Flüchtlingen in Italien an Land gehen zu können, krähte kein Hahn danach. Journalisten, die die Reise begleiteten, wurden ihre Geschichte nicht los.

Erst seit letztem Wochenende sind die Scheinwerfer auf die junge Frau gerichtet. Plötzlich ist sie zur weltweiten Symbolfigur eines Kampfes geworden, der sich gegen die Flüchtlingspolitik nicht nur Italiens, sondern der gesamten EU auflehnt.

Entscheid mehrmals verschoben

Es bedurfte einer Verhaftung vor laufender Kameras und einer Androhung von bis zu zehn Jahren Haft, um die Widersprüchlichkeit zu verdeutlichen.Als die Stimmung zu kippen drohte, als mehrere «Passagiere» darüber nachdachten, über Bord zu gehen oder sich etwas anzutun, entschied sie – gegen den Willen Italiens – in den Hafen von Lampedusa einzulaufen. Weil es «das Richtige» sei.

Mehrmals habe sie die Entscheidung verschoben, tagelang, wochenlang zugewartet und juristische Möglichkeiten durch ihre Organisation ausschöpfen lassen. Das internationale Seenotrecht unterstützt sie. Demnach sind in Seenot Geratene zu bergen und in einen «sicheren Hafen» zu bringen. Jeder, der Libyen oder Tunesien als solche bezeichnet, verkennt die Realität.

Schlaglicht auf ungelöste Frage

An Carola Rackete manifestiert sich die Unfähigkeit der Politik, in der Flüchtlingsfrage eine Lösung zu finden. Gerechte Verteilquoten gibt es seit Jahren nicht, stattdessen wurde Italien allein gelassen und «das Problem» an den Unrechtsstaat Libyen delegiert, wo nun – glaubt man den Worten unzähliger Augenzeugen – Sklaverei, Ausbeutung, Folter und Menschenhandel florieren. Und weiterhin ertrinken viele bei ihrer Flucht im Mittelmeer.

Jene in Europa, die sich damit nicht abfinden wollen, scheinen ohnmächtig. Carola Rackete widersetzt sich stellvertretend für alle zu Hause Gebliebenen und wirft ein Schlaglicht auf die ungelöste Frage. Wenn sich nun deutsche Spitzenpolitiker öffentlich für sie einsetzen, offenbart das aber auch eine Doppelmoral. Es sollte nicht Aufgabe der Zivilgesellschaft sein, politische Missstände auszubügeln, schon gar nicht unter Einsatz ihrer eigenen (juristischen) Unversehrtheit.

Bettina Ramseier

Bettina Ramseier

Deutschland-Korrespondentin, SRF

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Bettina Ramseier ist SRF-Korrespondentin in Berlin. Sie ist seit 15 Jahren TV-Journalistin: Zuerst bei TeleZüri, danach als Wirtschaftsredaktorin bei SRF für «ECO», die «Tagesschau» und «10vor10».

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98 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Imboden  (Uimboden)
    @HPMüller:
    Zum "Buebetrickli": Auszug aus der selben Mitteilung, die Sie zitieren:

    "Die Berechnung der APD erfolgt gemäss den Richtlinien des Entwicklungshilfeausschusses (DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Diese ermöglichen einen internationalen Vergleich des Anteils des BNE, den die 29 Mitgliedstaaten des DAC für die APD verwenden."

    Ich interpretiere dies so: es wird bei allen gleich gemessen. Von einem "Buebetrickli" finde ich da nichts.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Carola Rackete wird zur Symbolfigur ...
    Nein ist sie nicht, sie ist ein Symptom politischen Versagens... !!!! Mit dem Wort Symbolfigur erheben Sie, srf, diese Frau zur Maertyrerin, und das ist sie nicht, sie ist eine kriminelle Schlepperin die ihren Job unter dem Deckmantel Gutes zu tun erbringt... Wenn man sein Schiff in Position bringt um Leute zu retten die sonst nicht aufs Meer gegangen waeren ist das Kriminell.. denn die Leute gehen nur weil gewiss, "gerettet" zu werden
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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Wer die Sorgen der meisten der 500'000'000 Menschen in Europa ausspricht, verletzt offenbar das Netiquette (wird nicht aufgeschaltet!) Darum mein nächster Versuch: Wenn jemand gesetzliche Vorschriften verletzt (illegal Menschen nach Europa schleppt), ist diese Person sicher nicht eine "Symbolfigur für politisches Versagen"! Wenn anderseits ein Volksvertreter für sein eigenes Land und deren bewährten Werte einsteht, verurteilen ihn die gleichen Medien (und Gutmenschen) als Populist oder Rassist!
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    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Soso, Sie sprechen die Sorgen der meisten 500Mio. Menschen in Europa aus - ich weiss ja wirklich nicht, auf welcher Wolke Sie zuhause sind. Und nebenbei: Wenn Flüchtlinge, deren Boot seeuntauglich ist und die drohen zu kentern, gerettet werden, hat dies NICHTS mit Schleppertum zu tun! Was wäre denn Ihre Lösung: Ersaufen lassen? Nicht emigrieren und zuhause keinerlei Perspektive haben? Aber eben: Es gibt ja auch bei uns genug Parteien, die jährlich die Entwicklungsgelder kürzen wollen ..!
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    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Bolliger: Dass Rechtspopulisten kritisiert werden, haben sie sich selbst zu verdanken. Sie betreiben sowohl im In- wie im Ausland eine fragwürdige Politik: Sie stehen in Inland für die Schweiz ein, aber helfen gleichzeitig mit FDP-rechts die Reichen schützen - gegen Aermere. In der Flüchtlingsproblematik nehmen Rechtspopulisten Abstand von der gemeinsamen Aufgabe, zu einer Lösung des Flüchtlingsproblems beizutragen. Und Salvini dient als bequemes Schutzschild rechtspopulistischer Ideen.
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    3. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      @Bünzl/von Känel: Es ist Schleppertum, man kanns als Gutmensch drehen, wenden und umbenennen wie mans will! Und Niemand will die Menschen ersauffen lassen, wie Sie so despektierlich formulieren. Das ist eine massiv bösartige Unterstellung! Und die Entwicklungshilfe gehört massiv gesenkt, weil nicht viel gebracht, diese ganzen Milliarden.
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    4. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      @von Känel: Weil so oft gebraucht und verbraucht ist das Wort "Rechtspopulist" mittlerweile zu einem Kompliment mutiert.
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