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Alt-Right-Bewegung in den USA «Die Alt-Right-Bewegung will eine Vorherrschaft der Weissen»

Weisse US-Nationalisten haben Donald Trumps Wahlsieg mit Nazi-Sprüchen und dem Hitlergruss gefeiert. Jetzt hat er sich von ihnen und ihrer Alt-Right-Bewegung distanziert. Was will die Bewegung und welche Ideologie liegt ihr zugrunde? Antworten von Politikwissenschaftler Martin Thunert .

Die Alt-Right-Bewegung sorgt in den USA für Empörung. Sie ist eine Art Gegenentwurf zum republikanischen Partei-Establishment und zieht auch rassistische Gruppen an. Bei einem Treffen der Bewegung am Wochenende in Washington zeigten Anwesende den Hitlergruss. Es waren «Heil Trump» und «Sieg Heil» zu hören. Inzwischen hat sich der designierte US-Präsident Donald Trump von der Alt-Right-Bewegung distanziert. Doch sein Chefstratege Stephen Bannon ist eng mit ihr verbunden. Er sei so etwas wie ein Stratege für die Bewegung sagt Politologe Martin Thunert.

SRF News: Worum geht es der Alternative-Right-Bewegung und welche Ideologie liegt ihr zugrunde?

Martin Thunert: Eine gemeinsame Ideologie haben die Anhänger der Bewegung nicht. Gemeinsam sind ihnen die Abgrenzung und die Unterschiede zum gewöhnlichen Konservatismus. Sie lehnen Grossorganisationen wie Big Gouvernement und Business sowie etablierte Medien und Unterhaltungsindustrie ab. Sie sind zum Teil rückwärtsgewandt und wollen eine Rückkehr zur Vorherrschaft der Weissen. Einige von ihnen sind auch radikal libertär, antireligiös oder international isolationistischer eingestellt als die etablierte republikanische Partei.

Sie sind zum Teil rückwärtsgewandt und wollen eine Rückkehr zur Vorherrschaft der Weissen.

Die Alt-Right-Bewegung ist also keine Organisation im eigentlichen Sinn. Gibt es auch keinen Anführer?

Ein Kristallisationspunkt ist das «National Policy Institute» unter der Leitung des Journalisten Richard B. Spencer. Für Teile der Bewegung bietet auch das Internetportal Breitbart News eine Kommunikationsplattform. Sie wurde bis vor kurzem von Stephen Bannon geleitet, der Chefstratege des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Aber die Bewegung ist nach wie vor heterogen. Was sie verbindet, ist dass sie sich vom etablierten Konservatismus der Republikanischen Partei der letzten 20 bis 25 Jahre abgrenzt. In vielen Punkten ist sie radikaler. Aber sie hat sich bisher noch nicht unter einer Person versammelt, hat aber gewisse Berührungspunkte mit Teilen des Trump-Programms und dessen Kommunikationsform.

Einige von ihnen haben offensichtlich keine Berührungsängste mit den dunkelsten Traditionen des Rassismus und des Faschismus in Europa.

Wie stark ist der Rassismus in der Bewegung?

Es ist schwierig, das zu messen. Es gibt aber sicherlich rassistische Gruppen, wie man das in Washington auch an den Haarschnitten erkennen konnte. Ursprünglich kommen diese Gruppen eher aus den Tiefen der USA, aus Montana. Sie sind nach Washington gekommen, um Medienaufmerksamkeit zu erhalten. Ein Teil davon ist vermutlich Provokation. Ich denke aber, dass hier tatsächlich so etwas wie eine identitäre Bewegung entstanden ist: Teile der weissen Mehrheit, die ihre Identität als Kollektiv erkennen. Einige von ihnen haben offensichtlich keine Berührungsängste mit den dunkelsten Traditionen des Rassismus und des Faschismus in Europa. Andere wiederum haben dazu eher ein taktisches Verhältnis und wollen mit diesen Symbolen eher provozieren und Aufmerksamkeit erheischen.

Wie stark ist Trumps künftiger Chefstrategie Stephen Bannon in der Alt-Right-Bewegung verankert?

Als Leiter von Breitbart News hatte Bannon sicherlich keine Berührungsängste mit der Bewegung. Er stellte die Plattform zur Verfügung, um die Debatte innerhalb des konservativen Lagers auch für nicht etablierte Positionen zu öffnen. Bannon teilt mit dem Sammelsurium der Bewegung die Analyse, dass der konventionelle Konservatismus in den USA in einer Sackgasse gelandet ist. Er will die Republikanische Partei neu aufstellen und sie zu einer Partei der Weissen, vor allem der weissen Arbeiterschaft machen. Damit hat er einige der bisherigen republikanischen Programmpunkte, etwa die Wirtschaftsfreundlichkeit, gekippt und die Abhängigkeit von grossen Geldgebern sowie den Kommentarseiten des «Wallstreet Journals» beendet. So argumentiert er populistischer als das konservative Partei-Establishment und leistet sich keine klaren Abgrenzungen zu Teilen der Bewegung. Sein Job bei Trump beschreibt seine Position in der Bewegung recht gut: Chefstratege. Von Trump hat er sich auch auserbeten, ihm direkt berichten zu dürfen, und nicht über den Stabschef Reince Priebus gehen zu müssen. Das zeigt noch einmal, wie stark Bannons Position ist, und dass Trump sich zumindest die Positionen und die Debatten in diesem Millieu anhört. Ob er danach handelt, steht auf einem anderen Blatt.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Martin Thunert

Martin Thunert

Der Politologe ist seit 2007 Dozent am Heidelberg Center for American Studies. Er ist Experte für Nordamerika-Politik und für transatlantische Beziehungen.

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