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Die USA vor den Kongresswahlen Harte Fronten, grober Stil

Die USA sind inhaltlich gespalten, politisch unvereinigt – das ist nicht neu. Stark verändert hat sich mit Donald Trump aber der Stil der politischen Debatte. Das Land hat einen neuen Tiefpunkt der Gehässigkeit erreicht – Wochen vor den Kongresswahlen.

Legende: Video Wahlkampf in der Trump-Ära abspielen. Laufzeit 08:15 Minuten.
Aus Rundschau vom 17.10.2018.

Cristina McNeil will für die Demokraten ins Repräsentantenhaus. Die Immigrantin aus Mexiko kämpft im republikanisch dominierten Bundesstaat Idaho unermüdlich für ihr Ziel. Sie will etwas verändern nach der Wahl von Präsident Trump: «Ich lasse es nicht zu, dass er mit seinen Aussagen und seinem Fanatismus die Gesellschaft spaltet», sagt sie.

McNeil sieht sich als Teil einer neuen Frauenbewegung. Noch nie haben so viele Frauen für ein politisches Amt kandidiert wie in der Ära Trump. Sich dem so rauen Wind in der US-Politik auszusetzen, braucht Mut. Aber McNeil sagt, nur wenn man diese Angst überwinde, könne man Ziele erreichen.

«Politik ist ein Blutsport»

Gouverneur Paul LePage ist furchtlos: Wie kaum ein anderer ist der republikanische Regierungschef des Bundesstaates Maine ein rhetorischer Scharfmacher. «Ich habe kein Interesse, politisch korrekt zu sein, ich habe einen Job zu erledigen», sagt er. «Politik ist Blutsport, wer geliebt werden will, soll sich einen Hund kaufen.»

Legende: Video Gouverneur Paul LePage: «Politik ist Blutsport, wer geliebt werden will, soll sich einen Hund kaufen.» abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.10.2018.

Wenn er angegriffen werde, schlage er schonungslos zurück. Der politische Zweck scheint alle Mittel zu heiligen. Die US-Steuerbehörden nannte er schon einmal Gestapo, Obama sagte er, er solle in der Hölle schmoren. Und Trump müsse autoritär regieren, um die Anarchie seines Vorgängers wieder rückgängig zu machen. Stolz sagt er: «Ich war Donald Trump, bevor er Präsident war.»

Demokraten und Linke im Dilemma

Tatsächlich sind die Gemeinsamkeiten von LePage und Trump augenfällig. Die «New York Times» hat eine Liste von 487 Personen und Institutionen erstellt, die Trump in den letzten Jahren alleine auf Twitter beleidigt und beschimpft hat. Hillary Clinton nannte er «eklige, korrupte Lügnerin», Angela Merkel «ruiniert Deutschland», und die Bundespolizei FBI sei «eine Peinlichkeit für die USA».

Demokraten und linke Gruppierungen sind in einem Dilemma, wie sie auf Trumps Politstil reagieren sollen. Und zuweilen greifen auch sie zum verbalen Zweihänder. So rief die demokratische Abgeordnete Maxine Waters dazu auf, Mitglieder der Trump-Regierung in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Und Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders wurde wegen ihren politischen Ansichten von einem Restaurant in der Nähe von Washington als Gast abgewiesen.

Gouverneur LePage wirft den Demokraten Feindseligkeit und Blockadepolitik vor. Nur weil er ein Republikaner sei, werde er politisch ausgebremst. Selbst das harmloseste Gesetz könne er nicht durchs Parlament bringen.

Niveau so tief wie zu Zeiten des Bürgerkriegs

Carolyn Lukensmeyer untersucht, wie sich im politisch gespaltenen Land die Gesprächskultur verändert. Das Niveau der politischen Auseinandersetzung sei so tief wie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr, sagt die Direktorin des überparteilichen Instituts für gesellschaftlichen Diskurs.

Legende: Video Carolyn Lukensmeyer: «Trump ist ein Vorbild für schlechtes Benehmen.» abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.10.2018.

Präsident Trump sei zwar nicht die Ursache für die Entartung der Politik. Mit seinem unflätigen Stil präge er den politischen Diskurs aber sehr negativ. Menschen orientierten sich nun mal an wichtigen Personen. Und so gesehen sei Donald Trump ein Vorbild für schlechtes Benehmen.

Keine konstruktive Diskussion möglich

Die demokratische Kandidatin, Cristina McNeil, erlebt auf ihrer Wahlkampf-Tour in Idaho sowohl die politische Spaltung wie auch den Zerfall des Stils. Wähler begegneten ihr teilweise unanständig und äusserst abweisend. Vor allem aber stellt McNeil fest, wie unversöhnlich sich die beiden politischen Lager gegenüberstehen. Auf eine konstruktive Diskussion mit dem politisch Andersdenkenden wolle man sich gar nicht erst einlassen. Sie fühle sich zurückgewiesen, nur weil sie eine Demokratin sei. Eine mit einem Hund, übrigens.

Legende: Video Midterms? Arthur Honegger erklärt die Zwischenwahlen abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
Aus SRF News vom 17.10.2018.

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Marti Müller (marchman)
    Tonik. :""Was heisst hier „immer nur“? Ich erinnere mich an etliche Trump-Anhänger, die auf SRF zu hören waren..." Können Sie mal Quellen angeben? Ich denke die Auswahl deren entspricht immer Klischees -"Weisse hinterweldler" Nie Latinos oder Schwarze DT Wähler. Von denen gibt es mehr man denkt, wenn man sich nur MS informiert.
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  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Mich würde auch interessieren, wie die kritischeren Stimmen bei den Republikanern auf diese Verschärfung des Tons reagieren u.wie sie sich das vorstellen ein Land zu regieren ohne mit anders Denkenden einen guten Kompromiss zu finden.Wo finden sich Ansätze in der sehr repuplikanisch geprägten Gesamtregierung,in der anstatt "Schlammschlachten" auch noch echt diskutiert wird?Die Medien sollten breiter informieren u.nicht nur die Lauten Pöbeler zu Wort kommen lassen.Sie bekommen viel zu viel Bühne!
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    1. Antwort von Bendicht Mühlethaler (Rhenus)
      @thea: Den Medien geht es auch um Werbeeinnahmen durch Einschaltquoten. Die sind mit schrillen Sachen oft besser. Diesem Wettlauf sind viele Sender in Europa (SRF, ARD, ZDF) noch nicht so extrem ausgesetzt, auch dank den Gebühreneinnahmen. SRF thematisiert hier in diesem Beitrag in erster Linie die Unkultur jener Schlammschlachten und reitet damit gerade nicht auf dieser verheerenden Sensationswelle.
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    2. Antwort von Beatrice Fiechter (thea)
      @Rhenus: Das sehe ich nur teilweise so. Klar braucht es über diese schrillen Tendenzen eine Berichterstattung. Aber im Hintergrund arbeiten/wirken auch viele andere Menschen mit anderen Haltungen. Die Weltpresse könnte diese Kräfte stärken, indem sie diesen noch vermehrt eine Stimme und Gesicht verleiht. Sonst vermittelt man welltweit eine Botschaft: je brutaler, rücksichtsloser, gemeiner, um so mehr und längere Berichterstattung,- bzw.eine Bühne. Und damit produziert man viele Nachahmer!
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    3. Antwort von Bendicht Mühlethaler (Rhenus)
      @thea: Auf youtube finden Sie Porträts vom kürzlich verstorbenen Senator Jonh McCain: 2008 war er Gegenkandidat von Barack Obama. Auf Wahlkampfveranstaltungen versuchen seine Anhänger, Barack Obama massiv zu diskreditieren. Mir gefällt, wie McCain ruhig und entschieden dagegen hält. Auch wenn ihn das Stimmen kostet. Oder wie er ein Jahr vor seinem Tod mit seiner Stimme entgegen der Parteilinie das Krankenversicherungsgesetz rettet. - Auch mit C. McNeil wird eine gemässigte Kandidatin porträtiert
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  • Kommentar von Bendicht Mühlethaler (Rhenus)
    Die US-amerikanische Autoindustrie war vor wenigen Jahren in der Krise und musste mit Bundesgeldern gestützt werden. Detroit hat bis heute Züge von einer Geisterstadt. Im Filmbeitrag von SRF fährt die Kandidatin Cristina McNeil in einem roten europäischen Cabrio mit ihrem Namen drauf zum Wahlkampftermin. Ein nettes Bild, das mich trotzdem schockiert hat, und viele Wahlberechtigte sicher auch. Hat Frau McNeil denn kein Team im Hintergrund, das sie vor einem derart unsensiblen Auftritt warnt?!
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