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Schwierige Lage für Homosexuelle in Kenia
Aus Rendez-vous vom 24.05.2019.
abspielen. Laufzeit 05:08 Minuten.
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Diskriminierung in Kenia «Jeder kann sich doch vom Schwulsein heilen lassen!»

Homosexuelle haben es schwer in Kenia. Sie riskieren weiterhin Gefängnisstrafen. Und auch in der Gesellschaft gibt es keine Akzeptanz für Schwule.

Der Arboretum-Park liegt mitten in Nairobi. Bunte Blumen, der Duft von Eukalyptusbäumen, Vögel, Affen. Aus diesen Gründen dient dieses kleine Stück Grün den Kenianern gerne als Fotokulisse. Zum Beispiel dem 30-jährigen Frederick Bwire. «Wir machen ein Fotoshooting vom Schwangerschaftsbauch meiner Frau. Dem Produkt von Liebe», sagt er.

Nur den westlichen Lifestyle imitiert?

Liebe. Das ist für ihn nur möglich zwischen einem Mann und einer Frau. Alles andere sei unafrikanisch. Homosexualität sei ein Import aus dem Westen, sagt Bwire. Schwule Kenianer und lesbische Kenianerinnen würden doch nur den westlichen Lifestyle imitieren: «Wir Kenianer haben immer das Gefühl, dass das, was aus dem Westen kommt, besser ist. Die weisse Haut sei besser als die schwarze. Darum kopieren viele alles aus dem Westen. Blind.»

Bis zu 14 Jahre Gefängnis für Schwule

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Das kenianische Verfassungsgericht hat es abgelehnt, ein Gesetz aus der Kolonialzeit für verfassungswidrig zu erklären, das bis zu 14 Jahre Gefängnis für Schwule und Lesben wegen ihrer sexuellen Orientierung vorsieht. Gegen das Gesetz hatten Homosexuelle und Menschenrechtsorganisationen geklagt. Es sei ein Verstoss gegen die Verfassung, argumentierten sie. Diese schreibe vor, dass niemand diskriminiert werden darf. Dem widersprach jetzt das Verfassungsgericht: Richterin Roselyne Aburili sagte, es gebe keine «abschliessenden wissenschaftlichen Belege», dass Homosexualität angeboren sei und daraus ein Anspruch auf rechtlichen Schutz folge.

Deswegen ist der bald dreifache Vater aus Nairobi auch überzeugt, dass Homosexualität eine Wahl sei. Denn schliesslich könne sich jeder vom Schwul- und Lesbischsein heilen lassen. «Es gibt doch Beratungen. Man kann sich einem anderen Umfeld aussetzen. Es gibt Lösungen für dieses Problem. Denn Homosexualität ist tatsächlich ein Problem.»

Massive Diskriminierung von Homosexuellen

Das Problem haben in Kenia aber in erster Linie die Homosexuellen selbst. Berichte von Personen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von ihrer Familie verstossen werden, sind in Kenia Normalität. Schwule und Lesben werden diskriminiert, wenn es darum geht eine Arbeitsstelle zu erhalten oder eine Wohnung. Viele Homosexuelle berichten, von Bekannten oder Unbekannten angegriffen und verprügelt worden zu sein.

Ein Mann umarmt eine schwangere Frau im Park von hinten, ein Mann steht mit einem Scheinwerfer daneben.
Legende: Frederick Bwire posiert mit seiner Frau im Park. SRF/Anna Lemmenmeier

Für den Fotografen Andrew Lwanga, der die Schwangerschaftsfotos des Paares macht, sind Liebe und Sex Privatsache. Solange Paare glücklich seien, gehe es ihn nichts an, was andere Leute in ihren Schlafzimmern treiben würden.

Warum viele seiner Mitbürger derart Mühe haben mit der gleichgeschlechtlichen Liebe, erklärt er sich mit dem hohen Stellenwert der Nachkommen: «Wenn Eltern hören, dass ihr Kind homosexuell ist, dann heisst das für sie in erster Linie keine Nachkommen aus eigenem Fleisch und Blut. Und nicht nur für die Eltern, für die ganze Community. Keine Kinder bedeutet, der Bestand der Gemeinschaft ist nicht gesichert.»

Religiöse Führer betreiben Schwulenhetze

Und dann sei da natürlich noch der Einfluss der Religion. Der Stadtpark Arboretum ist ein beliebter Ort für Bibelgruppen. Auch die 54-jährige Susan Nyambura Karemi ist Teil einer solchen Gruppe. «Böse, moralisch absolut nicht vertretbar» sei Homosexualität. Darum sei ja auch Sodom zu Grunde gegangen. Das stehe doch alles in der Bibel.

Die religiösen Führer spielen eine wichtige Rolle bei der Schwulenhetze in Kenia. Die Gesetzesgrundlage ist das eine. Doch es sind die Gesellschaft und die Kirche, die das Leben für Homosexuelle in Kenia schwierig machen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Wir sollten unser Helfer Syndrom gegenüber diesem Kontinenten endlich mal reformieren.
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  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Kenia hat ganz andere Probleme. Es war vor 20 oder mehr Jahren das Aushängeschild Afrikas und hat mit gehobenem Tourismus gutes Geld verdient. Heute wird das Land gebeutelt von Krieg, Flüchtlingsströmen und Terrorismus. Auch Dürre und Hunger sind heute wieder ein Thema. Ich finde, bevor man den Stinkefinger gegen ein Land erhebt, sollte man die Gesamtsituation anschauen. Im Falle Kenia wird man dann kleinlaut und dankbar, in einem gut organisierten Staat wie der Schweiz leben zu dürfen.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Auch wenn solche Aussagen eigenartig steinzeitlich tönen, es ist noch nicht so lange her als diese Haltung auch bei uns noch normal war. Meine Eltern vertraten in den 70er / 80er Jahren noch genau die gleiche Meinung, wortwörtlich. Und wenn ich mich bei den „modernen“ Evangelikalen, Kreationisten etc umhöre tönt es auch heute wieder so. Ich denke daher, wir müssen unseren errungenen, schweizerischen Werten und Haltung den Schwulen und Lesben gegenüber Sorge tragen.
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