Zum Inhalt springen

Header

Video
Tausende Flüchtlinge warten an der Südgrenze auf Einlass in die USA
Aus SRF News vom 19.09.2021.
abspielen
Inhalt

Drama an US-Südgrenze Tausende Migranten unter Brücke – USA setzen auf Abschiebeflüge

  • Menschen, die durch knietiefes Wasser waten und im Schlamm errichtete Zelte: In der US-Stadt Del Rio an der mexikanischen Grenze herrschen chaotische Zustände.
  • Bei der Brücke, welche die USA und Mexiko verbindet, sollen am Samstagabend laut Bürgermeister Bruno Lozano mehr als 14'500 Menschen zusammengekommen sein.
  • Die US-Regierung will die Migrantinnen und Migranten – viele stammen aus Haiti – wieder zurück in ihre Heimat bringen und setzt auf Abschiebeflüge.

Das US-Heimatschutzministerium kündigte am Wochenende an, zusätzliche Transportmittel zu beschaffen, um Tempo und Kapazität von Abschiebeflügen nach Haiti zu erhöhen.

Gerücht des Grenzübertritts als Auslöser

Box aufklappen Box zuklappen

Der bitterarme Karibikstaat Haiti war Mitte August von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Mehr als 2000 Menschen kamen ums Leben. Kurz zuvor war der Präsident Jovenel Moïse ermordet worden. Viele Menschen sind bereits nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 aus dem Land nach Südamerika geflohen. Beobachter gehen davon aus, dass sie die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erneut zur Flucht getrieben haben. Doch warum eskaliert die Situation gerade jetzt?

Es habe ein Gerücht gegeben, dass die Menschen im Gebiet der 36'000-Einwohner-Stadt Del Rio die Grenze überqueren könnten, sagte Nicole Phillips von der Organisation Haitian Bridge Alliance gegenüber dem Sender CNN.

Viele Menschen aus Haiti würden seit Jahren in Mexiko feststecken und versuchen, Asyl in den USA zu beantragen, sagte sie weiter. Aber die Grenze sei vor allem für Haitianer geschlossen gewesen. «Für sie war es sehr, sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, an der Grenze Asyl zu beantragen.»

Das Heimatschutzministerium will auch Migranten auf andere Orte in der Region umverteilen, um sie schneller abfertigen zu können. Dort soll sichergestellt werden, dass Menschen ausgewiesen werden, wenn sie sich unrechtmässig in den USA aufhalten. Das Weisse Haus habe die Behörden angewiesen, mit der haitianischen und anderen Regierungen in der Region zusammenzuarbeiten, um den Menschen nach ihrer Rückkehr Hilfe und Unterstützung zu bieten.

Demokraten fordern Stopp der Abschiebeflüge

Die Situation an der Grenze im US-Bundesstaat Texas wirft ein Schlaglicht auf die Einwanderungspolitik von US-Präsident Joe Biden. Der Demokrat wird dafür sowohl aus den eigenen Reihen kritisiert. Die demokratische Abgeordnete Ayanna Pressley forderte Bidens Regierung auf, die Abschiebeflüge nach Haiti sofort zu stoppen.

Republikaner hingegen werfen Biden eine zu laxe Politik an der Grenze zu Mexiko vor. «Es ist unglaublich, dass unsere Nationalgarde vor dem leeren Kapitol steht und nicht an unserer Südgrenze, wo die Zahl der Illegalen, die in unser Land kommen, so hoch ist wie noch nie zuvor», monierte Ex-Präsident Donald Trump mit Blick auf eine Demonstration unter hohen Sicherheitsvorkehrungen seiner Anhänger in Washington.

Versuche illegaler Einreise nehmen stark zu

Zuletzt war die Zahl aufgegriffener Migranten an der Südgrenze deutlich gestiegen. Im Juli hatte die Grenzpolizei CBP nach eigenen Angaben rund 213'000 Menschen beim Versuch der illegalen Einreise aus Mexiko aufgegriffen – so viele wie seit gut 20 Jahren nicht mehr in einem Monat. Im August waren es laut CBP mehr als 208'000 Menschen gewesen.

Das US-Heimatschutzministerium betonte, dass die Mehrheit der Migranten unter der sogenannten Titel-42-Regelung abgeschoben werde. Diese Richtlinie war unter Trump aufgrund der Corona-Pandemie eingeführt worden und sieht eine schnelle Abschiebung vor. Begründet wird dies mit der Gefahr einer Einschleppung von Covid-19. Unter Biden wurde die Regelung verlängert.

Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung vor, die Pandemie nur als Vorwand zu nutzen, um Menschen ohne ausreichende Prüfung und Gerichtsanhörung pauschal abzuschieben.

SRF 4 News, 19.09.2021, 05:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Jörg Kaufmann  (jka)
    Viele kommen aus Haiti. In Nordamerika kamen offenbar viele mal aus Haiti. Es heisst, dass Überweisungen von Emigranten einen wesentlichen Teil des Bruttonlandproduktes von Haiti ausmache. Das aber hat Grenzen, es geht nicht für alle.
    Leute mit gefragter Ausbildung warten nicht unter der Brücke. Und diejenigen unter der Brücke sind nicht gefragt.
    Haiti kann kaum aus der Misere kommen. Das Land bietet wenig was andere nicht auch haben. Tourismus bei der Kriminalität kommt wohl kaum auf.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Haiti hat keine Strände, im Gegensatz zur Dominikanischen Republik, deswegen gibt es keinen Tourismus. Ausserdem sollte man sich mit der Geschichte Haiti's beschäftigen, guter Artikel auf WSWS: "Bush, Clinton und die Verbrechen des US-Imperialismus in Haiti" Immer wieder gab es von Seiten der USA Repressionen und militärische Interventionen. Davon liest man in den europäischen Medien wenig bis gar nichts.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Tausende Flüchtlinge, vor allem aus Haiti, waten durch den Rio Grande und campen vor einem eilig errichteten Zaun unter der Grenzbrücke zu den USA. Die meisten Haitianer leben und warten seit Jahren in Mexiko, oft schon seit 2016. Was jetzt also in Del Rio passiert, war absolut vorhersehbar und verhinderbar. Biden will nun mit Sonderflügen die Ankommenden zügig nach Haiti ausfliegen will.Den Menschen nach ihrer Rückkehr Hilfe und Unterstützung zu bieten.Denn die Dauerkrise in Haiti geht weiter.
  • Kommentar von Thomas Hinz  (FrediHinz)
    Kamala Harris, als Sonderbeauftragte von Biden für die "Border Crisis", weigerte sich monatelang, die Südgrenze resp. die Hotspots überhaupt zu besuchen.

    Die Demokraten, namentlich Harris und Biden, verantworten diese Krise direkt. Einerseits durch wiederholte Äusserungen, dass niemand mehr an der Grenze abgewiesen werde, andererseits durch den sofortigen Stop des Mauerbaus, wo man dann den Baufirmen noch hohe Entschädigungen zahlen musste.

    Scheinheiligkeit auf Kosten von Menschenleben.
    1. Antwort von Jim Brunner  (JimB)
      Bitte zeigen Sie doch mal auf, wann und wo die Biden und Harris gesagt haben "dass niemand mehr an der Grenze abgewiesen werde".