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Drei Jahre nach dem Erdbeben Angehörige der türkischen Erbebenopfer fordern härtere Strafen

Vor genau drei Jahren wurde der Südosten der Türkei von einem heftigen Erdbeben heimgesucht. Neben dem Wiederaufbau dauert auch die juristische Aufarbeitung der Katastrophe weiter an.

In Adiyaman steht die Justiz nach dem verheerenden Erdbeben vor drei Jahren erneut unter Druck. Damals stürzte ein vorschriftswidrig gebautes Hotel ein, das eine Jugend-Volleyballmannschaft unter sich begrub. Mehr als 50'000 Menschen starben in der Region. Nun wurden drei Vertreter der städtischen Bauaufsicht wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Jahren Haft verurteilt, ein Haftbefehl für die Verurteilten wurde jedoch abgelehnt. Sie bleiben während des Berufungsverfahrens frei. Das liegt nach der türkischen Strafprozessordnung im Ermessen des Gerichts.

Luftaufnahme einer vom Erdbeben zerstörten Stadt.
Legende: Die Region, die doppelt so gross ist, wie die Schweiz, wurde damals von zwei Erdstössen der Stärke 7.8 und 7.5 getroffen: Bild der Zerstörung in Adiyaman. Keystone/EPA/TOLGA BOZOGLU

Dass Behördenvertreter in diesem, aber auch in anderen Fällen nur wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden, macht viele Angehörige von Opfern wütend. Sie kritisieren das Urteil scharf und fordern, dass Anklagen künftig auf bedingten Tötungsvorsatz abzielen – also auf die bewusste Inkaufnahme von Todesfällen.

Ihr Argument: Das Ergebnis sei eindeutig vorhersehbar gewesen, als das Hotel in Adiyaman ohne Rücksicht auf Bauvorschriften in einem Erdbebengebiet errichtet wurde. Die Hinterbliebenen betonen, dass es ihnen nicht um Rache gehe, sondern um die Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften und Verantwortung der Behörden, um künftige Tragödien zu verhindern.

Rettungskräfte und Baumaschinen auf Trümmerhaufen neben Wohngebäude.
Legende: Auch die Stadt Adana wurde schwer von dem Beben getroffen. Keystone/AP Photo/Francisco Seco

Von mehr als 2000 Strafverfahren, die in der Türkei wegen der Erdbebenkatastrophe eröffnet wurden, wurde bisher nur einmal ein Angeklagter wegen bedingten Tötungsvorsatz zur Rechenschaft gezogen – nach dem Einsturz eines Wohnblocks in Adana, bei dem 96 Menschen starben. Dort wurde der Erbauer eines Wohnblocks, in dem 96 Menschen starben, zu vielfach lebenslanger Haft verurteilt.

Für viele Opferfamilien bleibt das ein zu spätes Signal der Justiz. Unterdessen errichtet das staatliche Wohnungsbauamt am Stadtrand von Adiyaman erdbebensichere Wohnungen für 100'000 Menschen. Ob sie im Ernstfall halten, wird die Zukunft zeigen.

SRF 4 News, 6.2.26, 6:09 Uhr ; 

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