Tillerson in Moskau «Ein für Russland sehr ernüchterndes Treffen»

Das Treffen der Aussenminister Russlands und der USA in Moskau brachte keine Entspannung in den Beziehungen, wie SRF-Korrespondent David Nauer ausführt.

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«Lawrow wurde zuweilen sehr energisch»

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David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF News: Hat der Besuch von US-Aussenminister Rex Tillerson in Moskau etwas gebracht?

David Nauer: Es ist ziemlich wenig Konkretes herausgekommen. Beide Seiten haben die Einsetzung einer Arbeitsgruppe vereinbart, die sich um die Probleme zwischen Russland und den USA kümmern soll. Tillerson sagte, es gehe darum, eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zu verhindern. Das ist schon sehr wenig.

Tillerson vertrat die bekannte Position der USA und der G7, wonach Russland Baschar al-Assad in Syrien nicht länger unterstützen dürfe. Wie hat Moskau auf diese Forderung reagiert?

Russland hält an seiner Syrienpolitik und an Assad als Bündnispartner fest. Die ultimativ vorgetragene Forderung der Amerikaner hat die Russen richtiggehend empört. Moskau hat einmal mehr das Gefühl, der Westen wolle Russland etwas diktieren. Die Haltung, man müsse sich gegen ein westliches Diktat wehren, ist schon zu so etwas wie einer Leitlinie in der russischen Aussenpolitik geworden. Entsprechend heftig sind jeweils die Abwehrreaktionen des Kremls auf solche Forderungen. Allerdings blieb auch Tillerson hart und machte klar, dass Assad weg müsse. In dieser Frage scheinen die Differenzen im Moment unüberwindbar.

«  In der Frage um die Zukunft Assads scheinen die Differenzen unüberbrückbar. »

Ist das Eis zwischen dem russischen AussenministerSergej Lawrow und Tillerson wenigstens auf persönlicher Ebene ein bisschen geschmolzen?

Man hat gespürt, dass die beiden Männer sehr ernsthaft miteinander gesprochen haben und sich auch bemüht haben, einander zu verstehen. Lawrow sprach seinen US-Kollegen vertraulich mit seinem Vornamen Rex an. Doch ansonsten war das Klima ziemlich eisig, Lawrow wurde an der Medienkonferenz zuweilen sehr energisch, um nicht zu sagen wütend. Er machte den USA massive Vorwürfe, was eher ungewöhnlich für ein diplomatisches Treffen ist. Dies zeigt, wie tief der Graben und wie gross das Misstrauen zwischen Russland und den USA sind.

Tillerson hatte als Geschäftsmann enge Beziehungen zu Russland gepflegt, er soll ein freundschaftliches Verhältnis zu Putin haben. Andererseits hat der neue US-Aussenminister keinerlei diplomatische Erfahrung. Welchen Eindruck hat er bei Ihnen hinterlassen?

Tillerson hatte einen schweren Einstand in Moskau. Lawrow ist einer der erfahrensten Diplomaten und Aussenminister der Welt, er ist ein Vollprofi der Diplomatie. Im Vergleich zu Lawrow hat Tillerson denn auch eher schwach und zuweilen etwas überrumpelt gewirkt. Er hat auf Vorwürfe Lawrows kaum reagiert, er ist dann einfach schweigend dagesessen. Man hatte auch nicht den Eindruck, dass seine guten Beziehungen zu Russland bei diesem Treffen zum Tragen gekommen wären. Bei allen strittigen Fragen vertrat der US-Aussenminister die klassische amerikanische Position – eine Position, die den Russen jeweils nicht gefällt.

«  Die Russen hatten unter Trump auf bessere Beziehungen zu den USA gehofft – nun ist das Gegenteil eingetreten. »

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1:22 min, aus Tagesschau Nacht vom 12.4.2017

Was heisst das für die künftigen Beziehungen zwischen den USA und Russland?

Eine baldige Verbesserung der Beziehungen ist eher nicht zu erwarten. Die Russen und die Amerikaner liegen ja nicht nur beim Thema Syrien über Kreuz, auch der Konflikt in der Ukraine belastet die Beziehungen schwer. So sagte Tillerson, es könne keine Normalisierung der russisch-amerikanischen Beziehungen geben, solange dieser Konflikt nicht gelöst sei. Das sind schon harte Worte, denn Moskau ist in der Ukraine-Frage zu keinerlei Zugeständnissen bereit, wie sich erneut gezeigt hat. Insgesamt ist das alles sehr ernüchternd: Die Russen hatten gehofft, dass sich die Beziehungen zu den USA mit Präsident Donald Trump schlagartig verbessern würden. Nun stellt sich heraus, dass sie noch schlechter sind, als unter Präsident Barack Obama. Und die Aussichten sind auch nicht besonders gut.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.