Hartes Regime auf Philippinen Eine Kehrtwende im Drogenkrieg?

  • Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte führt seit seinem Amtsantritt einen brutalen Drogenkrieg.
  • Nun kündigt sein Polizeichef an, alle Einsätze gegen Drogendealer und -konsumenten würden gestoppt.
  • Grund für die Kehrtwende ist die offensichtliche Korruption bei der Polizei, die sich nicht mehr verschweigen lässt.
  • Die Polizei führt den Drogenkrieg nicht nur aus, sondern profitiert auch von ihm.

«Wir werden unsere Ränge säubern, bevor wir den Krieg gegen Drogen wieder aufnehmen werden». Das hat der philippinische Polizeichef Ronald dela Rosa am Montag verkündet. Alle Einsätze der Polizei im Drogenkrieg würden ab sofort und bis auf weiteres gestoppt.

Das mag auf den ersten Blick erstaunen, denn es war Präsident Rodrigo Duterte selbst, der die Polizei bei seinem Amtsantritt im vergangenen Juni dazu aufgefordert hatte, mit aller Härte gegen Drogendealer und Drogenkonsumenten vorzugehen. Doch nun sagt er: «Die Polizei ist korrupt bis ins Mark.»

Zwei Polizisten beugen sich im Dunkeln über einen erschossenen mutmasslichen Drogendelinquenten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Vollstrecker von Dutertes Drogenkrieg gehen mit äusserster Brutalität vor. Getty Images

Polizei will eigene Reihen säubern

Die Polizei führt den Drogenkrieg nicht nur aus, sie profitiert auch von ihm: Das war zwar schon längst offensichtlich, jetzt lässt es sich aber nicht mehr verschweigen.

Deutlich wurde das nach der Ermordung eines südkoreanischen Geschäftsmanns, der vor drei Monaten von korrupten Polizisten entführt, erpresst und in einer Polizeistation in Manila getötet worden war.

«  Der Stopp der Polizeieinsätze bedeutet wenig mehr als eine gelungene PR-Aktion. »

Nun ist das Image der Polizei zu offensichtlich beschädigt. Polizeichef dela Rosa kündigte deshalb eine interne Säuberung an. Erst danach könne die Polizei den Kampf gegen die Drogen wieder aufnehmen.

7000 Mordfälle werden nicht untersucht

Die mehr als 7000 Morde, die in den vergangen Monaten unter dem Deckmantel der Drogenbekämpfung verübt wurden, will er jedoch nicht untersuchen lassen. Dabei wurde laut offiziellen Angaben ein Drittel der Opfer von der Polizei ermordet, die anderen von Auftragsmördern und Unbekannten.

«  Ein Drittel der Opfer wurde von der Polizei ermordet. »

Diese angeheuerten Killer werden der angekündigten Säuberungsaktion in der Polizei nicht zum Opfer fallen – auch wenn sie, wie Menschenrechtsorganisationen vermuten ihre Aufträge direkt von der Polizei erhalten haben.

Ein Stopp der Polizeieinsätze bedeutet deshalb wenig mehr als eine kurze Waffenruhe und eine gelungene PR-Aktion. Das Ende des brutalen Drogenkriegs ist es nicht.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Drogenkrieg auf den Philippinen

    Aus Echo der Zeit vom 15.12.2016

    Morde gehören zum Alltag, seit Rodrigo Duterte philippinischer Präsident ist. Drogenabhängige sind für Duterte keine Menschen, Drogenhändler hat er zum Abschuss freigegeben.

    Mehr als 6000 Personen sind bereits umgebracht worden, ein Drittel von der Polizei, der Rest von unbekannten Erschiessungskommandos. Die Reportage aus Davao, der Stadt, in der Präsident Duterte jahrzehntelang Bürgermeister war.

    Karin Wenger

  • Drogenmorde in den Philippinen

    Aus Tagesschau vom 23.9.2016

    In den Philippinen wurden in den letzten zwei Monaten im Krieg gegen Drogen über 2000 Menschen getötet. Ein grosser Teil dieser Tötungen geht auf das Konto von Bürgerwehren, denen Präsident Rodrigo Duterte freie Hand lässt.