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Femizid – die Schande Südafrikas
Aus Tagesschau vom 09.08.2020.
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Eine Tote alle drei Stunden Der schwierige Kampf gegen die «Schande Südafrikas»

Femizid, die Tötung einer Frau, wird in Südafrika mit Covid-19 verglichen. Einer Pandemie, die die ganze Gesellschaft im Griff hat – und schwer zu bekämpfen ist. Alle wissen darum, doch wenige kämpfen dagegen. Und die meisten Männer weigern sich, Verantwortung zu übernehmen.

Given Sigauqwe ist der Sprecher der Organisation Sonke, die geschlechtsspezifische Gewalt bekämpft. Er sagt, als Mann habe er nicht länger zuschauen können, er habe etwas machen müssen.

Portrait von Given Sigauqwe an einem Tisch.
Legende: Given Sigauqwe kämpft gegen Gewalt an Frauen. Cristina Karrer

«Wir alle haben eine Mutter, eine Schwester, eine Freundin. Wir wissen nie, ob sie lebend nach Hause kommen. Das ist meine Angst. Die Angst der Frauen ist damit verglichen viel grösser.»

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Frauenmorde in Südafrika - eine Frau berichtet
Aus Tagesschau vom 09.08.2020.
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Männer würden ihm als Mann eher zuhören, sagt Given Sigauqwe. «Doch die meisten südafrikanischen Männer sind immer noch tief in ihren jeweiligen Kulturen verwurzelt. Kulturen, in denen eine Frau kniet, wenn sie ihrem Mann das Essen bringt. Kulturen, wo Frauen quasi den Männern gehören.

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Frauenmorde in Südafrika - es geht um Identität
Aus Tagesschau vom 09.08.2020.
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«Hinterfragen wir das, hinterfragen wir die Identität», erklärt er. Es sei ein schwieriger Kampf, viele Männer wollten nicht zuhören und zeigten wenig Einsicht. «Sie schieben die Schuld stets auf die Frauen. Was haben sie getragen, was haben sie gemacht und so weiter.»

Man vermeidet Konflikte aus Angst

Das bestätigt Boipelo Mokoena, deren Schwester, Karabo Mokoena, vor drei Jahren von ihrem eigenen Freund brutal ermordet worden ist. «Männer nehmen automatisch an, dass es die Schuld meiner Schwester war. Doch was hätte sie tun können, um mit dem Tod zu büssen?», fragt sie.

Boipelo Mokoena, die Schwester einer Ermordeten, sitzt auf einem Stuhl.
Legende: Boipelo Mokoena's Schwester wurde brutal ermordet. Cristina Karrer

Der Mord an Karabo hat sie für immer verändert. Sie sei vorsichtig geworden in ihren eigenen Beziehungen, vermeide Konflikte. Denn man wisse nie, wie diese enden würden.

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Frauenmorde in Südafrika - es trifft auch Kinder
Aus Tagesschau vom 09.08.2020.
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Die Ermordung Karabos hat vor drei Jahren landesweite Protesten ausgelöst, doch bewirkt haben diese wenig. Vor einem Jahr rollte wieder eine Frauendemonstrationswelle durch die Städte und die Regierung versprach, einen Aktionsplan aufzustellen.

Seit der Lockerung des harten Lockdowns wegen Covid-19 haben die Morde an Frauen erneut zugenommen. «Die Morde werden immer brutaler,» beobachtet Given Sigauqwe, «es scheint eine Art Wettbewerb zu sein, gerade kürzlich wurde eine schwangere Frau in einem öffentlichen Park erhängt.»

Fünf Frauen sitzen im Kreis an einer Wand in Südafrika.
Legende: Jede Frau in Südafrika hat Angst. Cristina Karrer

Wer mit Menschen auf den Strassen spricht, hört immer das Gleiche: Alle Frauen, egal welchen Alters, haben Angst. Nicht unbedingt vor dem fremden Mann, der in einer düsteren Allee lauert, sondern vor dem eigenen Mann oder Freund. «Ich kann ja gar nicht mehr mit einem Mann ausgehen, es ist wirklich riskant geworden», sagt eine Studentin.

Nicht nur die Regierung muss handeln

Die landesweite Angst von Südafrikas Frauen wird wenigstens von der Regierung endlich ernst genommen. Präsident Cyril Ramaphosa nannte in einer seiner Covid-19-Ansprachen an die Nation den Femizid «die Schande Südafrikas». Der vor einem Jahr versprochene Aktionsplan wurde ausgearbeitet, bewilligt und soll nun ausgerollt werden.

Präsident Cyril Ramaphosa startet Aktionsplan

Organisationen wie Sonke begrüssen den Aktionsplan und werden dabei eine wesentliche Rolle spielen. «Gesetzliche Massnahmen sind wichtig, ja, doch noch zentraler finde ich, dass wir als Gesellschaft die Verantwortung nicht nur der Regierung zuschieben, sondern bei uns selbst anfangen», betont Given Sigauqwe von Sonke.

Das Patriarchat ist in Südafrika tief verankert, doch das schreckt mich nicht ab.
Autor: Given SigauqweSprecher von Sonke

Nebst dem Ausbau von Zentren für Opfer von Gewalt setzt der Aktionsplan genau da an: Aufklärung wird eine zentrale Rolle spielen. «Vor uns liegt ein langer Weg», betont Sigauqwe. «Das Patriarchat ist in Südafrika tief verankert, doch das schreckt mich nicht ab. Es darf doch nicht sein, dass die Frauen dieses Landes um ihr Leben fürchten müssen.»

Tagesschau 9.8.2020, 19:30 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Wishbone Ash)
    Herr Nanni, verstehe ich Sie richtig?
    Sie haben für 30.000 Rand eine afrikanische Frau gekauft und finden es nicht nur richtig, dass einem die Frau dann auch "gehört", sondern glauben, man müsse sich wegen der finanziellen Belastung der Männer über Femizid nicht wundern?
    Und Sie erhalten von Schweizer Lesern 120 zustimmende Stimmen?
    Ich hoffe, Sie erklären das als Missverständnis, sonst verstehe ich nicht, wieso Sie sich über das kulturelle Niveau anderer beschweren können.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Man muss auch zK nehmen dass auf Vergewaltigung sehr hohe Strafen ausgesetzt sind.. 20 Jahre oder so nicht ungewoehnlich... da ist es fuer den Vergewaltiger doch fast logisch, sein Opfer zum Schweigen zu bringen...
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  • Kommentar von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
    Zwischen 2010 und 2015 war die Mordrate an Männer 3x so hoch wie bei den Frauen.

    Warum war das nicht eine Schande? Warum ist nicht jedes Leben das so erlöscht eine Schande? Warum immer die blinde Fokussierung auf Frauen, wenn wir doch alle gleich sein sollen.....
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Shane O'Neill Bei diesen Tötungszahlen geht es um ausgewiesene "Femizide". Laut WHO sind dies Tötungsdelikte die aus sexuellen, aus geschlechter-motivierten oder aus familiären Gründen von Männern an Frauen verübt worden sind. Diese Zahlen sind nicht direkt mit den Gesamt-Tötungsdelikten an Männern vergleichbar, wenngleich die hohe Zahl an getöteten Männern durchaus ebenfalls Anlass für Mitgefühl bietet.
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    2. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Wäre ein guter Grund, gegen gewaltätige Männer generell aufzustehen, die Frauen UND Männer töten, statt Femizid relativieren und damit verharmlosen zu wollen.
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    3. Antwort von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
      Ich verharmlose gar nichts. Ganz im Gegenteil. Solche Artikel verharmlosen alle Morde die nicht als "Femizid" ausgewiesen sind.

      Und Frau Werle. Nein ich stehe sicherlich NICHT "gegen gewalttätiger Männer generell" auf. Ich stehe auf gegen gewalttätige Personen. Geschlecht egal. Hautfarbe egal. Religion egal. Sozialer Umfeld egal. Ihr Antwort dagegen ist sexistisch.
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    4. Antwort von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
      WHO Link von dieser Artikel zeigt folgendes:

      Global gesehen für das Jahr 2016

      476,898 Todesfälle durch "Interpersonal violence"
      381,829 Opfer waren Männlich
      95,069 Opfer waren Weiblich
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    5. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Und ihr Sexismus-Vorwurf tangiert mich nicht.
      Erstens weiss ich, mit welcher Haltung ich lebe und zweitens habe ich ausschliesslich von gewalttätigen Männern gesprochen, die töten, nicht von Männern generell. Sie müssen sich also nicht angesprochen fühlen.
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