Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Miss-Universe-Kandidatinnen sind die einzigen Touristinnen in Israel
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.12.2021.
abspielen. Laufzeit 6 Minuten 29 Sekunden.
Inhalt

Einreise trotz Einreiseverbot Warum ist Israel die Miss-Universe-Wahl so wichtig?

In der Nacht auf Montag wurde in Israel ein Einreiseverbot für Ausländerinnen und Ausländer bis zum 22. Dezember verlängert. Trotzdem wurde am Sonntag in der südisraelischen Küstenstadt Eilat die Miss Universe gekürt. Auch SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner kann momentan nicht nach Israel einreisen. Sie erklärt, warum die Wahl trotz der aktuellen Umstände durchgeführt wurde.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Susanne Brunner ist seit 2018 Nahostkorrespondentin für Radio SRF. Zuvor hatte sie zwölf Jahre lang die Sendung «Tagesgespräch» moderiert.

SRF News: Als Miss-Universe-Kandidatin kommt man momentan einfacher nach Israel als wenn man Journalistin ist?

Susanne Brunner: Praktisch alle Ausländerinnen und Ausländer kommen weniger einfach nach Israel als eine Miss-Universe-Kandidatin. Und sie kommen einfacher aus Israel raus als Israelis selbst. Die 80 Kandidatinnen des Schönheitswettbewerbs mussten allerdings alle 48 Stunden testen. Miss France testete sogar positiv und musste in Quarantäne, konnte aber rechtzeitig raus. Die anderen Kandidatinnen reisten unter der Leitung von Miss Israel durchs Land.

Miss Argentina Julieta Garcia lässt sich von Miss Costa Rica Valeria Rees fotografieren.
Legende: Die Missen liessen sich ablichten vor der Klagemauer, in Geländewagen in der Wüste und bei der Besichtigung anderer touristischer Attraktionen im Land (Miss Argentina Julieta Garcia (l.) und Miss Costa Rica Valeria Rees (r.)). Keystone

Wie kommt diese Ausnahmeregelung inmitten verschärfter Corona-Massnahmen in Israel an?

Als die Veranstaltung geplant wurde, rechnete man in Israel mit offenen Grenzen. Doch die Grenzen sind wieder dicht. Einige Israelis haben seit zwei Jahren ihre Verwandten in aller Welt nicht mehr sehen dürfen. Kein Wunder gab es eine Kontroverse, als bekannt wurde, die Miss-Universe-Show in Eilat werde trotzdem durchgeführt.

Sie wurden geimpft, als Impfstoffe noch gar nicht offiziell zugelassen waren.
Autor:

Das ärgerte Israelis besonders, weil sie als Vorbild in Sachen Impfen gelten: Sie wurden geimpft, als Impfstoffe noch gar nicht offiziell zugelassen waren. Sie riskierten viel. Dafür wurde ihnen die Rückkehr in ein «normales» Leben versprochen. Dass es da bitter ist, wenn Missen vergnügt einreisen, während dem sie selbst weiterhin auf Reisen und Besuch verzichten müssen, ist verständlich. Zudem flogen die Frau und Kinder des Premierministers in die Ferien, während Premierminister Naftali Bennett sein Volk bat, auf Auslandsreisen zu verzichten.

Ein israelischer Mann lässt sich impfen.
Legende: «Impfweltmeister» – und trotzdem hält Israel seine Grenzen seit März 2020 praktisch dicht. Sie wurden am 1. November 2021 wieder für Touristinnen und Touristen geöffnet. Knapp einen Monat später sind die Grenzen wieder zu. Keystone

Gibt es auch von den Herkunftsländern der Kandidatinnen Misstöne?

Internationale Grossveranstaltungen in Israel sind immer umstritten. Denn es gibt Länder, die Israel boykottieren, weil Israel für sie eine Besatzungsmacht ist, die die palästinensische Bevölkerung brutal unterdrückt. Zu diesen Ländern gehört beispielsweise Südafrika. Seine Miss-Universe-Kandidatin weigerte sich jedoch, die Veranstaltung zu boykottieren – dafür boykottierte Südafrika seine Kandidatin.

Nach fast zwei Jahren ohne Tourismus liegt die Branche praktisch am Boden.
Autor:

Warum hat Israel auf eine Durchführung beharrt, obwohl sie sich mit den geltenden Corona-Massnahmen nicht vereinen lässt?

Immerhin 600 Millionen Menschen in über 170 Ländern schauen jeweils die Miss-Universe-Ausmarchung am Fernsehen. Für Israel eine Gelegenheit, um auf seine eigenen Schönheiten aufmerksam zu machen – denn nach fast zwei Jahren ohne Tourismus liegt die Branche praktisch am Boden.

Kommt dazu: Erstmals, seitdem Israel Normalisierungsabkommen mit einigen arabischen Staaten abgeschlossen hat, nahmen auch Kandidatinnen aus Bahrein und Marokko teil. Eine gute Werbung für Israel, das damit der Welt auch zeigen wollte, selbst arabische Staaten boykottieren Israel nicht mehr wegen des Nahost-Konflikts. Diese Gründe führten dazu, dass die Miss-Universe-Show am Sonntagabend trotz Covid und Kontroversen stattfand.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 13.12.2021, 07:45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen