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Israel steht vor einem erneuten Lockdown
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.08.2021.
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10'000 Neuinfektionen pro Tag Israel: Vom Impfweltmeister zum Sorgenkind

Zum ersten Mal seit Januar hat Israel diese Woche wieder über 10'000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Und dies bei einer Bevölkerungszahl, die ungefähr gleich ist wie diejenige der Schweiz. Das könnte Konsequenzen haben: Die Regierung droht damit, die Freiheiten wieder einzuschränken. SRF-Nahost-Korrespondentin Susanne Brunner schildert, wie die israelische Bevölkerung das Corona-Management ihres Landes wahrnimmt.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahost-Korrespondentin

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Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 als Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus. Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» Fernseherfahrung gesammelt.

SRF News: In Israel wird von einem erneuten Lockdown gesprochen – dies trotz einer der höchsten Impfraten der Welt. Was ist da passiert?

Susanne Brunner: Das fragen sich die Israelis auch. Fast sechs Millionen von ihnen wurden geimpft. Das sind fast 80 Prozent aller, die sogenannt «impffähig» sind – die also zum Beispiel nicht zu jung sind, um geimpft werden zu können. Man hat ihnen gesagt: Impft euch, dann wird das Leben wieder normal. Vor einigen Monaten sah das Leben auch schon fast wieder normal aus. Nicht einmal mehr Masken waren Pflicht. Nun droht die Regierung mit einem neuen Lockdown und bringt viele Restriktionen zurück. Viele fragen sich deshalb: «Erst noch waren wir das Impfvorbild der Welt – nun haben wir wieder Tausende von Ansteckungen. Was ist da los?»

Wie reagieren die Israelis auf diese neuen Ankündigungen?

Mit Frustration und Überdruss. Einen vierten Lockdown will niemand und es wird auch heftig darüber diskutiert. Die Regierung macht Druck, dass die Leute sich zum dritten Mal in weniger als einem Jahr impfen lassen. Einige fragen sich: «Nützt das jetzt uns oder der Pharmaindustrie?» Ich habe mit Menschen diskutiert, die finden: «Wir sind Versuchskaninchen.»

Vor einigen Monaten sah das Leben auch schon fast wieder normal aus: Nicht einmal mehr Masken waren Pflicht.
Autor:

Und wieder andere geben den Ungeimpften die Schuld. Mehr als eine Million Menschen sind das in Israel. Wobei man sagen muss: Viele von ihnen hat die Impfkampagne schlicht nicht erreicht. Das sind Leute aus ärmeren Gesellschaftsschichten, ausländische Gastarbeiter zum Beispiel, oder Bevölkerungsgruppen, die anfangs von der Impfkampagne vernachlässigt wurden. Also arabische Israelis, palästinensische Bewohner Jerusalems, die weder ein israelisches Bürgerrecht noch eine palästinensische Identitätskarte haben. Auch in der jüdisch-ultraorthodoxen Gemeinschaft – das sind rund eine Million Menschen – ist die Impfquote noch tief. Erst etwas mehr als 300'000 haben eine erste Impfdosis bekommen, also rund ein Drittel.

Video
In Israel steigen die Fälle trotz hoher Impfquote
Aus Tagesschau vom 26.08.2021.
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Lockerungen sind vorerst nicht in Sicht. Tragen diese Einschränkungen auch zum Frust bei?

Ja. Die Einreisebestimmungen wurden vor einigen Tagen sogar wieder verschärft, sogar für vollständig Geimpfte. Nur aus wenigen Ländern darf man nach Israel ohne Quarantäne einreisen. Viele haben ihre Kinder, Eltern, Grosseltern seit bald zwei Jahren nicht mehr gesehen, denn Israel ist ein klassisches Einwandererland. Natürlich frustriert das – wer könnte das nicht nachvollziehen? Viele religiöse Feste, an denen sich die Familie trifft, fanden nicht statt. Und nun droht auch Sukkot – das Laubhüttenfest im September – quasi auszufallen. Nicht nur, wenn ein Lockdown kommen sollte, sondern auch, weil Verwandte und Familie nicht zueinander reisen können – oder nur, wenn sie Quarantäne in Kauf nehmen, auch wenn sie geimpft sind.

Es gibt keine Touristen derzeit und damit auch kein Einkommen für viele.
Autor:

Der Frust ist natürlich auch gross für die, die vom Tourismus leben. Die Altstadt von Jerusalem zum Beispiel ist fast menschenleer. Es gibt keine Touristen derzeit und damit auch kein Einkommen für viele, und das seit Beginn der Pandemie.  

Vergleich Schweiz und Israel

 Das Gespräch führte Raphael Günther.

SRF 4 News, 26.08.2021, 06:45 Uhr;

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162 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Es war immer klar, dass auch Geimpfte das Virus aufnehmen und weitergeben. Genauso klar sind die anderen Zahlen heute die bestätigen, dass fast ausschliesslich Ungeimpfte im Spital liegen und das Gesundheitswesen dadurch wieder an den Rand der Einsatzfähigkeit für alle bringt.
    Fazit: Die Politik von Herr Berset ist ist die richtige: Impfempfehlung, Maskenpflicht und Zertifikatsweg. Es müssten jetzt dringend noch eine stringente Testpflicht sowie weiterführende Gruppenreduzierungen dazu kommen.
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    SRF: Zu diesem Artikel gehört wie viel % in der Schweiz mit Pfizer, Moderna, anderem geipft wurde und wie das im Verhältnis zu Israel steht.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Samuel Müller Lieber Herr Müller, vielen Dank für den Input. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Max Schmied  (Max Schmied)
    Die Impfungen halten eindeutig nicht das, was die Impfhersteller versprochen haben. Es war naiv, die von der Pharmaindustrie in eigenen Studien herausgefundenen Zahlen zur Wirksamkeit der Impfungen völlig unkritisch zu glauben.
    1. Antwort von Tim Berger  (11x)
      Schauen Sie sich bitte die Grafik bezüglich Hospitalisationen von Geimpften gegenüber Ungeimpften unter https://www.srf.ch/news/schweiz/taeglich-aktualisierte-grafiken-so-entwickeln-sich-die-corona-zahlen-in-der-schweiz#ch-hosp-share-vac an und dann sagen Sie mir, ob die Impfung etwas bringt, oder nicht. Vielen Dank.
    2. Antwort von Benedikt Walchli  (Baenzi)
      @TB: Wenn es nicht sein darf, wird alles zurecht gebogen bis es den Anschein macht. Die Pharmas haben zu viel darin investiert?
    3. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Schmied: Die Anzahl Ungeimpfter die jetzt in dieser 4. und fahrlässig verursachten Welle täglich in den Spital müssen spricht eine andere Sprache. Die Zahl der Verstorbenen in den Südstaaten der USA unterstreicht diese Sprache noch signifikant.
    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Die grösste Gefahr liegt wohl darin, dass schon nur ganz wenige
      Infizierte, ob geimpft oder Ungeimpf das Virus rasant
      Weiterverbreiten. Es wird uns in nächster Zeit nicht gelingen, es völlig
      zu eliminieren. Es wird nur gelingen, den Ausbruch so ungefährlich wie
      nur möglich durch eine Impfung zu reduzieren. Wir werden mit dieser
      Situation leben müssen. Bis ein Medikament bei einer Erkrankung
      eingesetzt werden kann und zusätzlich hilft, die Folgen zu reduzieren.