Zum Inhalt springen
Inhalt

Eisberg voraus Warum nach Obama so jemand wie Trump möglich wurde

Der US-Journalist Thomas Frank geht mit den Demokraten hart ins Gericht. Sie hätten zum Erfolg von Trump beigetragen.

Legende: Audio «Bei den Linken in den USA herrscht Untergangsstimmung» abspielen. Laufzeit 05:08 Minuten.
05:08 min, aus Echo der Zeit vom 20.01.2019.

Seit zwei Jahren ist US-Präsident Donald Trump im Amt – und noch immer reiben sich viele Demokraten und Linke die Augen und fragen sich: Wie war das möglich? Der bekannte US-Journalist Thomas Frank versucht diese Frage in seinem neuesten Buch zu beantworten.

«Americanic» heisst das Werk. Auf dem Titelblatt: ein sinkendes Schiff, das der Titanic gleicht. Ein Sinnbild für den Zustand der USA? Niemand ertrinke, das Titelblatt sei symbolisch zu verstehen, erklärt Frank.

Buchdeckel
Legende: Das Buch von Thomas Frank enthält eine Sammlung der besten Artikel, die Frank in den letzten Jahren geschrieben hat. Verlag Antje Kunstmann

«In linken Kreisen herrscht Untergangsstimmung»

Frank habe das Gefühl, die Welt, in der er aufgewachsen sei, komme zu einem Ende. Er meint die Welt, die war, bevor Präsident Donald Trump gewählt wurde. Früher war Frank ein Republikaner, heute ist er Demokrat. In linken Kreisen, sagt er, herrsche Untergangsstimmung. Fast wie auf der Titanic. Und Trump – ist er der Eisberg?

«Ja, der Präsident ist einer der Eisberge», sagt Frank – wobei man das Bild nicht überstrapazieren dürfe. Denn Trump sei nur das vorläufige Ende einer längeren Entwicklung.

Mitte der 1990er Jahre beschrieb Frank im Beststeller «Was ist mit Kansas los?», warum die Arbeiter- und Mittelschicht im US-Bundesstaat Kansas eine Politik unterstützt, die vor allem den Reichen zugutekommt. Ein populistischer Konservativismus und eine Bewegung gegen die Eliten ermöglichten damals Steuergeschenke für Wohlhabende – und das zu Lasten von Schulen und Spitälern.

Thomas Frank

Thomas Frank
Legende:Verlag Antje Kunstmann

Der Politikberater, Historiker und Journalist Thomas Frank schreibt regelmässig Kolumnen für das «Wall Street Journal», «Harpers Magazine» und «The Guardian». Er ist Mitbegründer von «The Baffler». Frank analysiert und kommentiert Trends der US-Wahlen, der Propaganda des Mainstream-Journalismus und der Ökonomie.

«Ich wollte die Linke mit dem Buch warnen. Schaut her: Die Arbeiterklasse stimmt nicht mehr für die Demokraten, weil sie sich von ihnen nicht mehr vertreten fühlt. Das war damals in Kansas so. Heute ist das Phänomen im ganzen Land zu sehen», erklärt Frank.

Wähler ohne politische Heimat

Mit anderen Worten: Trump wurde auch möglich, weil die Demokraten ihre traditionelle Wählerschaft aus den Augen verloren haben. Die Anliegen der Arbeiter wurden für die Partei weniger wichtig als die der Bildungsbürger, also der Lehrer, der Akademiker, der Beamten. Die traditionellen Wähler der Demokraten wurden politisch heimatlos.

Die Finanzkrise 2008 habe diese Entwicklung noch beschleunigt: «Die Finanzkrise brachte an den Tag, dass alle, die am Immobiliengeschäft verdienten, mit gezinkten Karten spielten. Dass Präsident Barack Obama dann nie durchgegriffen hat und dass er die Verantwortlichen für diese Krise nie zur Kasse bat, hat die Arbeiterschicht nicht verstanden. Das war Obamas grösster Fehler und erklärt, warum nach Obama jemand wie Trump möglich wurde.»

Seit der Wahl Trumps sind zwei Jahre vergangen. Die Demokraten haben in der grossen Parlamentskammer seit den Zwischenwahlen zwar die Mehrheit. Aber richtig in sich gegangen sei die Partei nie, kritisiert Frank.

Trump bei der Vereidiung
Legende: Am 20. Januar 2017 wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA vereidigt. Keystone

«Die Demokraten haben bis jetzt wenig unternommen, um ihre Fehler zu erkennen. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon: Bill und Hillary Clinton sowie Obama werden noch immer als Helden betrachtet. Das macht einen Neubeginn schwierig. Die Partei steckt fest.»

Es gibt keinen Plan, wie die Wähler zurückgewonnen werden können. Zudem läuft in den USA die Wirtschaft rund. Es gibt zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Lohnerhöhungen – vor allem auch für einfache Arbeit. Und das könnte Trump seine zweite Amtszeit sichern.

«Bleibt die Arbeitslosigkeit tief und steigen die Löhne, wird Trump für die Arbeiterklasse zum Helden», sagt Frank. Dann würde unter den Demokraten wohl tatsächlich Panik ausbrechen – auf der «Americanic».

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

68 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Wolfgang Bortsch (a2b3c4d5)
    Ja , Geld , wie überall auf der Welt , ist in den Vereinigten Staaten das Wichtigste . Man wird an der “Fülle“ der “Geldtasche“ gemessen . Ein Präsident , der dies nicht so ganz genau nimmt und politische Entscheidungen trifft , die dieser “Anschauung“ etwas zuwider laufen , ist , wie man gesehen hat , bei der nächsten Wahl schon in keiner “günstigen“ Position mehr .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Weil wir rechten es satt haben, dass Kriminelle verschont werden, dass unsere intelligenten Kinder gebremst werden, dass "Unintelligente" ihre Ansichten aufzwingen wollen +vieles mehr. Ich weiss, dass Trump für das Volk arbeitet, er macht dauernd Umfragen an seine Leute um zu erfahren, was ihnen wichtig ist. Wenn die Zukunft Amerikas so aussehen würde wie "Nancy +Schumer" dann würde Amerika ein "Klon" vom leblosen Europa. Viele wissen leider nicht, was Trump meint mit: make Amerika great again!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Und Ihr Kommentar finden Sie einen „inteligenten“ Beitrag? Voll am Thema vorbei... Zum Thema: Es wäre mir neu, das die Linken Amerika abgewickelt hätten. Aber wir wissen es ja, die Rechten wollen keine Verantwortung für das eigene Tun übernehmen. Besser den andern in die Schuhe schieben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Vom eigenen Chaos ablenken und in die USA schauen, klever!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen