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Deutschland beschliesst Kohleausstieg
Aus Tagesschau vom 16.01.2020.
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Energiewende in Deutschland «Theoretisch wäre ein Kohleausstieg schon früher möglich»

Bundesregierung, Länder und Betreiber haben konkretisiert, wie sie bis spätestens 2038 aus der Kohleproduktion aussteigen wollen. In Berlin ist die Rede von einem «Durchbruch». Klaus Ammann von der SRF-Wirtschaftsredaktion hält das gesteckte Ziel aber für ungenügend.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

SRF News: Umweltministerin Svenja Schulze sieht Deutschland als Vorreiterland in Sachen Kohleausstieg. Ist ihr Stolz berechtigt?

Klaus Ammann: Nein, das ich finde nicht. Man kann natürlich sagen, es ist fortschrittlich, dass Deutschland als erstes Land tatsächlich verbindliche Pläne hat, wie man sowohl aus der Atom- als auch aus Kohleenergie aussteigen will. Die Pläne selbst aber sind zum Beispiel aus Klimasicht völlig ungenügend.

Deutschland müsste spätestens 2030 definitiv aus der Kohle aussteigen.

Deutschland hat das Klimaziel 2020 verfehlt und wird das Klimaziel 2030 nur eventuell erreichen. Kurz: Wenn man die Pariser Klimaziele, das angestrebte 1.5-Grad-Ziel bei der Erwärmung, erreichen will, dann müsste Deutschland spätestens 2030 definitiv aus der Kohle aussteigen, und nicht erst 2038.

Auch die Atomkraftwerke in Deutschland sollen schrittweise abgestellt werden. Woher soll der Strom stattdessen kommen?

Einerseits aus erneuerbaren Energien. Sonne, Wind und Wasser liefern heute bereits 43 Prozent des deutschen Stroms. Bis 2030 sollen es 65 Prozent sein. Es ist also ein massiver Ausbau vorgesehen. Ob dieser so kommt, ist allerdings ungewiss. Auch in Deutschland stossen Windräder auf wachsenden Widerstand. Dann sind aber auch neue Gaskraftwerke geplant. Und Deutschland wird zumindest zeitweise mehr Strom importieren müssen.

Auch die Schweiz schwenkt immer mehr auf erneuerbare Energien um. Auch hier decken diese den Bedarf nicht. Wie soll das aufgehen?

Theoretisch geht das schon auf. Es gibt Berechnungen, die zeigen, dass genügend Strom aus Wind, Sonne und Wasser produziert werden kann, um ganz Europa mit Strom zu versorgen. Dieser Strom muss aber erstens verteilt werden können – dazu braucht es neue Infrastrukturen. Es braucht intelligente Netze, die schnell auf Schwankungen reagieren können.

Das ist noch nicht gegeben. Aber das ist machbar. Schwieriger wird die Speicherung: Es gibt zurzeit einfach noch zu wenig Kapazitäten, um Strom über längere Zeit zu speichern, sodass nach einer längeren sonnigen Phase auch ein zweiwöchiger Dauerregen in Europa überstanden werden kann.

Aber Sie sind zuversichtlich, dass uns der Strom nicht ausgeht?

Ja, eigentlich schon. Wenn die Weichen richtig gestellt werden, wird das System natürlich komplexer und damit zeitweise wohl auch anfälliger. Aber das Potenzial der erneuerbaren Energien ist enorm und wir haben auch noch viel Luft nach oben, um effizienter zu werden. Zumindest theoretisch wäre ein Kohleausstieg in Deutschland sogar noch früher möglich als vorgesehen.

Das Gespräch führte Patrick Seiler.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Ist gut gemeint und würde theoretisch in die richtige Richtung weisen. Leider sieht die Realität anders aus: 1. Trotz neuen stromsparenden Technologien wird der Stromverbrauch extrem zunehmen, indem die ganze Mobilität auf der Strasse von fossilen Energieträgern auf Strom umgestellt wird. 2. Muss Deutschland, ja ganz Europa, darauf achten, dass ihnen nicht nur die Energie, sondern auch das Geld ausgeht. 3. Die grossen der Welt setzen ihre Prioritäten auf Macht. Der Kampf in der Arktis steht an!
  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    Was in der Theorie so alles möglich wäre. Aber eben es ist Theorie.
  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Deutschland macht wenigstens etwas; auf die 8 Jahre kommt es nicht an. Man stelle sich vor, die USA, Russland und China würden solche Schritte bis 2038 unternehmen!
    1. Antwort von Hans Meier  (CO2-HAHA)
      China hat Kohle Reserven für ca. 300 Jahre eingekauft, das werden sie sicher nicht einfach so wegschmeissen!!
    2. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Schauen Sie sich mal den Kohleverbrauch der USA an, jährliche Reduktion von 100-150mio Tonnen und dass im sechsten Jahr in Folge.
      In Deutschland nimmt der Verbrauch sogar noch zu.
    3. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Urs Petermann - "Deutschland macht wenigstens etwas" - Genau. Augenwischerei im Vorwahlkampf. DAS ist es was "Deutschland macht".
    4. Antwort von roland goetschi  (pandabiss)
      @Petermann. Eigentlich sind es 18 nicht 8Jahre.
    5. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @Meier. "China hat Kohle Reserven für ca. 300 Jahre eingekauft." Wo steht das??
    6. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @Petermann
      Es mag durchaus so sein, dass der Umstieg auf Erdgaskraftwerke nicht das gelbe vom Ei ist, allerdings übertreffen die USA im Co2 Abbau in der Energieproduktion seit geraumer Zeit Deutschland und mit dem vorliegenden Plan, wird das in Zukunft auch nicht anders sein! Ihre Aussage zeigt eigentlich nur, dass offensichtlich Wahrnehmung und Realität nicht dasselbe sein müssen! Das Politmarketing und die Vernebelung der Tatsachen durch Spindoctors hat Konsequenzen!