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Entscheid im Inselparadies Neukaledonien bleibt französisch

Legende: Video Neukaledonien bleibt französisch abspielen. Laufzeit 01:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.11.2018.
  • Frankreich darf sein Überseegebiet Neukaledonien auf der anderen Seite der Erdkugel behalten.
  • Gemäss dem definitiven Endergebnis sprachen sich 56,4 Prozent der Bevölkerung gegen die Unabhängigkeit aus.
  • An dem Referendum durften etwa 175'000 Neukaledonier teilnehmen.

Das Resultat fiel allerdings weniger deutlich aus wie von vielen erwartet. Umfragen hatten eine Ablehnung von mehr als 60 Prozent erwarten lassen. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei hohen 80 Prozent.

Ursprünglich hätte die Abstimmung bereits 1998 stattfinden sollen. Sie wurde aber immer wieder hinausgezögert. Das Ergebnis bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken – Neukaledoniens Ureinwohner – eine grosse Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat.

Die Niederlage bedeutet aber nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. Auf deutsch bedeutet Kanake Mensch.

Zwei Männer legen ihre Stimmzettel in die Wahlurnen.
Legende: Der ehemalige Chef der Unabhängigkeitspartei, Roch Wamytan, gibt seine Stimme ab. Keystone

Macron erfreut und stolz

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élyséepalast von einer «historischen Etappe». Er fügte hinzu: «Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat.»

Gleichzeitig rief er alle Beteiligten auf, eng miteinander im Gespräch zu bleiben. «Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog.» Er schloss seine Ansprache mit den Worten. «Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich.»

An diesem Montag wird Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Nouméas wurden in der Nacht Autos in Brand gesetzt.

Eine Milliarde Euro aus Paris

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280'000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonisten inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

Treibende Kraft der Unabhängigkeitsbewegung ist die FLNKS (Front de Libération Nationale Kanak et Socialiste). In den 1980er-Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. Es gab auch mehrere Dutzend Tote. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich beruhigt. Die FLNKS ist längst auch an der Inselregierung beteiligt.

Karte Neukaledonien
Legende: Auf der anderen Seite der Erdkugel: Neukaledonien liegt 18'000 Kilometer weit weg von Paris im Südpazifik. SRF

Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem wird aus den Kassen der EU auch die Infrastruktur auf der Inselgruppe mitfinanziert.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Morgenthaler (ChM)
    Sicher ein guter Entscheid für Neukaledonien, eine der allerschönsten Inseln der Welt. Auch die Ureinwohner leben dort auf annähernd dem selben Standard wie die Europäer. Das ist bei den Ländern die in die Unabhängigkeit gingen ganz anders. Dort geht es nur der jeweils herrschenden Elite gut, die grosse Masse versinkt im Elend.
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    1. Antwort von Samuel Müller (Samuel Müller)
      Wie wahr! In den meisten Ländern dieser Welt herrscht dieser Zustand ...
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    2. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      @ChM: Nur merkwürdig, dass sich gerade die Ureinwohner für Unabhängigkeit von Frankreich ausgesprochen haben. Sie stellen allerdings mit 40% nur eine Minderheit in ihrem eigenen Land. Obwohl in Neukaledonien die Sozialhilfe nach französischen Ansätzen ausbezahlt wird und viel Geld von Paris nach Neukaledonien bezahlt wird, haben sich 45% der Bevölkerung für die Unabhängikgeit ausgesprochen - das sollte zu denken geben.
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    3. Antwort von Charles Morgenthaler (ChM)
      @DE: wahrscheinlich weil die Ureinwohner fälschlicherweise glauben, ihr relativer Wohlstand würde in der Unabhängigkeit erhalten bleiben. Das ist aber reines Wunschdenken, die meisten Subventionen aus FR und der EU würden ausbleiben. Was danach folgt ist klar, die Insel würde nach und nach verarmen, manche Europäer nach FR zurückkehren.
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    4. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      @ChM Ganz offensichtlich möchten die Ureinwohner (Kanaken) wieder Selbstbestimmung. Sie haben denn auch für die Unabhängigkeit gestimmt auch wenn sie weniger Geld erhielten. Da sie aber die Minderheit im eigenen Land darstellen, sind sie mittlerweile auf verlorenem Posten. Die Zugeanderten Europäer haben anders entschieden. Das Ergebnis ist angesichts der hohen Transferzahlungen denkbar knapp. Vielleicht klappt es nächstes Mal.
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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Neukaledonien geht es als Teil von Frankreich viel besser, als wenn es ein eigener Staat wäre. Die Insel wäre heute ausserhalb von FR ziemlich verarmt. Zudem gibt es ja 2020 eine weitere Abstimmung darüber. Also geht Frankreich hier sehr demokratisch vor. Auch wichtig zu wissen, obwohl Teil von FR ist Neukaledonien nicht Teil der EU.
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    1. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      Frankreich geht nicht demokratisch vor. Es kauft die Stimmbürger mit Transferzahlungen in Milliardenhöhe.
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    2. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Herr Bücher, würde FR keine Zahlungen an Neukaledonien machen, würde FR vorgeworfen, die Insel verlottern zu lassen. Machen Sie Zahlungen heisst es, sie würden sich Stimmen kaufen. Waren Sie vor vierzig Jahren und kürzlich auf der Insel und haben Sie den grossen Fortschritt in der Infrastruktur gesehen, von dem alle profitieren? Ohne die Zahlungen von FR wäre dies nie und nimmer möglich gewesen. Ich sage nicht, dass alles gut ist, was FR dort macht. Aber vieles ist auch positiv.
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  • Kommentar von Thomas F. Koch (dopp.ex)
    Solange die Inselgruppe auf diese Milliarde Euro aus Paris angewiesen ist, ist ein eigener Staat wirtschaftlicher Suizid. Die Steuern müssten erhöht werden und der Lebensstandard der Bevölkerung würde sinken. Wie es sich entwickeln kann, sieht man an den Komoren. Den noch zu Frankreich gehörenden Inseln geht es gut - der Teil, der sich 1975 von Frankreich löste und unabhängig wurde ist Arm und darum auch politisch instabil.
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