Entwerten die Sanktionen den Rubel?

Der Rubel verliert gegenüber anderen Währungen an Wert. Das verteuert die Preise in Russland. Diese Entwicklung ist vor allem auf die Unsicherheit an den Märkten zurückzuführen, analysiert ein Wirtschaftsbeobachter aus Moskau.

Russland braucht Strukturreformen.

4:32 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.09.2014

Der russische Rubel verliert stark an Wert. Am Dienstag erreichte er im Handel mit dem US-Dollar ein neues Rekordtief, es mussten für einen Dollar 38,81 Rubel bezahlt werden und damit so viel wie noch nie. Mittlerweile hat er sich leicht gefangen. Die langjährigen Vergleichswerte liegen ungefähr bei 30 Rubel pro Dollar, sagt der NZZ-Wirtschaftskorrespondent in Moskau, Benjamin Triebe, gegenüber SRF.

Es sei nicht direkt der wirtschaftliche Schaden, der durch die Sanktionen entstehe, der den Wertverlust verursache, sagt Triebe weiter. «Der Schaden ist zwar da und er ist auch nicht gering. Aber er ist doch nicht so gross, dass er die russische Volkswirtschaft in den Abgrund stossen könnte. Es ist viel mehr die Unsicherheit.»

Noch vor dem Sommer habe man gedacht, dass sich die Krise wieder entspannen könnte. Der Westen habe gezögert, weitere Sanktionen zu verhängen. Doch nun haben Washington und Brüssel die Sanktionen nochmals verschärft. «Washington hat , wenn auch in geringem Masse, den russischen Erdgaskonzern Gazprom aufs Korn genommen, und einen privaten Erdölkonzern ebenfalls.» Die Folge davon sei, dass die Märkte nun wirklich nicht mehr wüssten, was als nächstes kommt. «Die Erwartungssicherheit ist sehr gering. Und das ist Gift an der Börse», sagt Triebe.

Schwacher Rubel schädigt die Wirtschaft

Die russische Wirtschaft sei sehr abhängig von Importen, sagt der Korrespondent. Trotz des Lebensmittelembargos blieben viele andere Produkte übrig, die importiert werden müssten. Auch Vorleistungen für Produkte, die in Russland hergestellt werden, müssen importiert werden, zum Beispiel Teile für die Automobilfertigung. «Damit verteuern sich im Inland die Preise.» Die Inflation nähere sich in Russland auf Jahressicht gesehen schon 8 Prozent, eigentlich seien 6 Prozent angestrebt worden.

Damit sich der Rubel wieder erholen könnte, brauche es nicht nur die Aufhebung der Sanktionen. «Es bräuchte an den Märkten vor allem Sicherheit, Erwartungssicherheit. Märkte können sich auch auf negative Szenarien einstellen.»

Im Moment sei die geopolitische Entwicklung kaum vorherzusagen und seien damit auch die Faktoren, die den Rubel beeinflussen, nicht prognostizierbar. Deshalb bräuchte es für eine Stabilisierung an erster Stelle eine politische Entspannung in der Ukraine-Krise. Und damit auch die Abwesenheit der Furcht vor neuen Sanktionen, denn nur mit einer politischen Entspannung kann man erwarten, dass auch die Sanktionen nicht weiter verschärft werden.

Strukturreform nötig

«Aber damit der Rubel wirklich mal auf dieses Niveau zurückkehren kann, mit denen wir in den vergangenen Jahren immer geplant haben, braucht Russland einen Wirtschaftsaufschwung.» Dafür brauche es Strukturreformen. Der Wirtschaftskorrespondent sagt dazu: «Ich sehe nicht, dass das innerhalb des nächsten halben Jahres wirklich passieren wird, denn Russland fährt im Moment den entgegengesetzten Kurs zur Strukturreform.»