Der Stabschef des britischen Premierministers Keir Starmer ist am Sonntag zurückgetreten. Morgan McSweeney zieht damit die Konsequenzen aus der Affäre um die umstrittene Ernennung von Peter Mandelson zum Botschafter in den USA. Starmer, der McSweeney noch in der vergangenen Woche verteidigt hatte, sagte am Sonntag, es sei ihm eine Ehre gewesen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Was das Ganze für Keir Starmer als Premierminister bedeutet, sagt SRF-Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser.
Warum muss Stabschef Morgan McSweeney gehen?
Er schreibt in seinem Rücktrittsschreiben, er ziehe die Konsequenzen, weil er den Premierminister falsch beraten habe. Es geht dabei um den Rat an Starmer, den Epstein-Freund Lord Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA zu ernennen. McSweeney hat Starmer damit tatsächlich falsch beraten. Aber entschieden hat am Ende der Premierminister. Aber der politische Druck wurde so gross, dass jemand geopfert werden musste. Und das ist fürs Erste der Stabschef.
Wie schwer wiegt der Abgang von Morgan McSweeney?
McSweeney war Starmers politische rechte Hand. Er war der Wahlkampfstratege für den erdrutschartigen Wahlsieg von Labour im Sommer 2024. Und er war der Mann, der bis heute die Fäden für einen Premierminister gezogen hat, der selbst politisch oft über wenig Charisma verfügt. Aber McSweeney war ebenso der politische Ziehsohn von Peter Mandelson. Diese Nähe hat ihm jetzt das Genick gebrochen.
Wie gross ist diese Regierungskrise in Grossbritannien?
Diese Krise ist nicht zu unterschätzen. Keir Starmer durchlebt wohl gerade die schlimmste Krise seiner Regierungszeit und da gibt es ja schon eine Reihe davon. Einen engen Freund von Epstein für den wichtigsten Botschafterposten zu befördern, liess vergangene Woche an der Urteilskraft des Premierministers zweifeln. Aber mittlerweile wissen wir, dass Peter Mandelson sensible Regierungsdokumente, also geheime Dokumente, an Epstein weitergeleitet hat. Damit wurde die Geschichte für Starmer zu einer Staatsaffäre.
Wird dieser Abgang Keir Starmers Amt retten?
Die Luft bleibt sehr dünn. Soweit ich das beurteilen kann, wird er weder heute noch morgen zurücktreten. Aber hinter den Kulissen ist hörbar, dass in der eigenen Partei bereits die Messer gewetzt werden. Mit dem Abgang von McSweeney könnte der nächste Dolchstoss Starmer direkt treffen. Der «Daily Telegraph» schreibt heute: «Starmer hat seine letzte Karte gespielt.»