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Erste offizielle Hochrechnung Mexiko hat einen neuen Präsidenten

Legende: Video Ein Land sehnt sich nach Wandel abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.07.2018.
  • Andrés Manuel López Obrador ist als neuer Präsident Mexikos gewählt.
  • Nach einer ersten offiziellen Hochrechnung erhielt er zwischen 53 und 53,8 Prozent der Stimmen, wie der Wahlrat bekannt gegeben hat.
  • Damit wird Mexiko erstmals von einem Regierungschef einer linken Partei geführt.
Es sei ein historischer Tag, sagte Obrador bei einer Feier nach der Wahl.
Legende: Es sei ein historischer Tag, sagte López Obrador bei einer Feier nach der Wahl. Reuters

Bei seinem dritten Versuch hat es Andrés Manuel López Obrador geschafft: Der 64-jährige Links-Nationalist gewinnt die Präsidentenwahl in Mexiko.

Nach einer ersten offiziellen Hochrechnung erhielt er zwischen 53 und 53,8 Prozent der Stimmen, wie der Wahlrat am Sonntagabend (Ortszeit) nach der Auszählung von rund 7800 repräsentativen Wahlzentren mitteilte. Damit hat er seine Konkurrenten mit grossem Abstand zurückgelassen.

Gratulation vom Amtsinhaber

Für den Kandidaten der Regierungspartei PRI, José Antonio Meade, gaben nach Angaben des Wahlamts zwischen 15,7 bis 16,3 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Ricardo Anaya von der PAN-Partei erhielt zwischen 22,1 und 22,8 Prozent.

Anaya und Meade gestanden ihre Niederlage kurz nach Bekanntgabe der ersten Prognosen ein. Derweil gratulierte der Amtsinhaber Enrique Peña Nieto seinem Nachfolger und wünschte diesem eine «erfolgreiche Amtsführung». López Obrador wird den Posten im Dezember antreten.

Auf der Plaza de la Constitución – dem zentralen Platz in Mexiko-Stadt, der auch Zócalo genannt wird – liess sich der Neugewählte von seinen Anhängern feiern, wie SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen twittert.

Glückwünsche aus Nord- und Südamerika

Auch US-Präsident Donald Trump beglückwünschte AMLO auf Twitter zum Wahlsieg. «Ich freue mich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten. Es gibt viel zu tun, wovon die USA und Mexiko profitieren werden», schrieb Trump.

Boliviens sozialistischer Präsident Evo Morales schickte ebenfalls Glückwünsche via Twitter: «Wir sind uns sicher, dass seine Regierung eine neue Seite in der Geschichte der lateinamerikanischen Würde und Souveränität schreiben wird.» Schliesslich gratulierte Venezuelas umstrittener Präsident Nicolás Maduro dem Brudervolk Mexikos in einem Tweet.

Glückwunsch dem Brudervolk

Rund 89 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Nach einer ersten Schätzung des Wahlrats lag die Wahlbeteiligung bei rund 61 Prozent. Auch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt konnte sich die Partei von López Obrador durchsetzen. Nach ersten Auszählungen wurde dort Claudia Sheinbaum zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Sheinbaum ist die erste Frau, die in das Amt gewählt wurde.

Wahl ohne Zwischenfälle – viele Tote im Wahlkampf

Die Wahl verlief nach Angaben von Beobachtern ohne grössere Zwischenfälle. In manchen Sonder-Wahlzentren fehlten jedoch Berichten zufolge Stimmzettel. Das mexikanische TV zeigte Videos von Menschen, die vor den Wahllokalen warteten, weil die Stimmzettel ausgegangen waren. In den speziellen Wahlzentren konnten Mexikaner wählen, die am Tag der Abstimmung nicht in ihrem Stimmkreis waren.

Im ganzen Land waren mehr als 157'000 Wahlzentren geöffnet. Der Wahlkampf in Mexiko wurde von Gewalt gegen Politiker überschattet. In den vergangenen zehn Monaten wurden 135 Politiker umgebracht, 48 von ihnen waren Kandidaten für mehrheitlich kommunale Ämter.

López Obrador will «radikale Veränderungen»

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Im Wahlkampf hatte López Obrador die herrschende Klasse eine «Mafia der Macht» genannt, die er vertreiben wolle. Er versprach einen grundlegenden Wandel. «Ich strebe eine wahre Demokratie an, keine Diktatur. Die Veränderungen werden tiefgreifend sein, aber im legalen Rahmen. Es wird unternehmerische Freiheit geben, Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit.»

Damit kontert er Gegner, die ihm unterstellen, er wolle einen desaströsen Sozialismus wie in Venezuela errichten. Davon aber ist er weit entfernt, auch wenn er seine eigenen Präferenzen haben wird. «Wir werden allen zuhören, alle empfangen und respektieren. Aber Vorrang haben die einfachen und die vergessenen Leute.» Damit meint er jene Mexikaner, die in Armut leben.

Und er nennt ausdrücklich die Indigenen. Sie machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Seine eigenen Ambitionen packt López Obrador in einen Satz: Er wolle als guter Präsident von Mexiko in die Geschichte eingehen. (casm)

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13 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Korruption, Gewalt und wenig Hoffnung. Was die Leute brauchen, ist jetzt eine Verbesserung der Situation. Wieder auf die Strassen gehen können und wissen, ich komme abends wieder nach Hause. Das kann kein Präsident und kann keine Regierung alleine machen.Und ich denke, da muss auch von aussen, von der internationalen Gemeinschaft einiges an Druck aber auch an Hilfe und Unterstützung kommen, damit das passiert. Ich wünsche den Mexikaner, dass ihre Träume erfüllt werden, Frieden und weniger Armut.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Dass Mexiko eines der korruptesten Länder auf der Welt ist, bezweifelt niemand, der sich seit Jahren über das Land etwas informiert! Nur, ein linker Kandidat, wird ohne das Geld der "guten Steuerzahler(innen)" (Wirtschaft, Gewerbetreibende, Banken, usw.) das Land kaum regieren können! Unter den 53% Links-Wähler(innen), sind die meisten arbeitslose oder unausgebildete Leute, die kaum Mexiko auf einen finanziellen, guten Kurs schwenken können! Obrador wird ein schweres Erbe antreten!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Mit dem üblichen links-rechts Muster können sie dort nichts bewirken. Vordergründig muss die Korruption überwunden werden und die Macht der Drogenkartelle eingedämmt werden.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Kleinere und mittlere Volten, die da überall geschehen. Gut. Da kann man nun sagen, dass das Volk sehr stark mobilisiert hat. Eine Ermutigung, ein Signal, dass auch wir hier in Europa zu Herzen nehmen sollten. In Mexiko ist es wohl eine Antwort auf das imperiale amerikanische Gehabe. Doch es geht global, darum, dass die Ungerechtigkeiten zwischen, denen, die sich Alles nehmen und denen, die fast Alles geben immer stossender, ja beschämender wird für uns Mneschen des 21. Jahrhunderts.
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    1. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Frau Kunz, ich frage mich nur, warum dann frühere, sozialistische Regierungen in südamerikanischen Ländern auch nichts zu Stande brachten oder teilweise gar diktatorisch wurden... Das Ganze hat nichts mit Links und Rechts zu tun. Ihr Extremes schwarz-weiss Argumentieren greift zu kurz.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Herr Imber vielleicht hilft da etwas Geschichte über den grossen Nachbarn die USA, respektive deren sogenannten Eliten, die mag, mochte Diktatoren aller Art und hilft und half fleissig mit,(ja auch in WWII auch Hitler war von Leuten wie Ford und Co verehrt und wurde unterstützt), dass diese Fuss fassen konnten. Es gibt so manche unrühmliche Kapitel in der Einmischungsgeschichte der USA. Die Liste ist lang. Zudem finde ich es eine Unterstellung, das mit schwarz weiss ... als Frau mag ich rot.
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    3. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Frau Kunz, und die Aggressionspolitik von Russland in Osteuropa nach WWII war besser? Wieviele Länder wurden da unterdrückt und Menschen getötet oder in Gefängnisse geworfen? Überlasse es Ihnen zu urteilen, wer mehr und länger anhaltende Aggressionspolitik mit Gewalt betrieben hat.
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    4. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Und geschichtlicher Fakt ist, Frau Kunz, dass die USA im WW II Europa halfen, sich vom Hitler-Regime zu befreien, ohne danach ein Land auf dem Kontinent besetzt und unfrei zu halten. Russland besetzte daraufhin rund 15 Länder während über vierzig Jahren. Soviel zu Blick in die Geschichte...
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    5. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Fragen Sie sich doch mal, warum die USA so lange gezögert hat, sich in den Krieg 'einzumischen'? Es brauchte das Debakel, ist sehr untertrieben, von Stalingrad und die russische Armee, die sich Richtung Westen bewegte .... Erst da wollten die Amis ja nicht, dass die russische Armee vor ihnen in Berlin einzog oder sogar Frankreich befreite. Nein, die Eliten, bevorzugten ganz klar den Faschismus .... Erst als ds Blatt sich definitv zu ungunsten der deutschen Armee wendete kamen sie zu Hilfe ...
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    6. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Auch scheint es mir nicht ganz korrekt, dass es die USA war, die Europa vom Hitlerregime befreite .... Ich würde mal behaupten, dass da das stalinistische Russland so einiges zur Defaite beigetragen hat .... wie viele Russen sind gefallen? .... also auch da etwas mehr Präsizion ....Und den Teufel mit dem Belzebub zu vergleichen, Stalin, Hitler .... ich jongliere nicht mit Schrecklichkeiten, woher sie auch kommen .... das eine sind die Oberen, das andere sind die ewigen Baueropfer, die Menschen.
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    7. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      ...ein letztes noch, es gab eine Phase im Krieg, da war Churchill, die UK ziemlich alleingelassen im Willen, sich dem Nazideutschland NICHT kampflos zu beugen .... Südlich von ihnen das Vichy-Frankreich, noch heute eine Schmach, die USA, die zögerte....
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