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Wahlen in Mexiko Ein politisches Erdbeben, das Mexiko umkrempeln wird

Legende: Audio Mexikaner vertrauen López Obrador abspielen. Laufzeit 1:36 Minuten.
1:36 min, aus HeuteMorgen vom 02.07.2018.

Für Andres Manuel López Obrador, kurz «AMLO», ist es ein Ergebnis, mit dem er in seinen kühnsten Träumen kaum gerechnet haben dürfte. Es ist mit gut 53 Prozent der Stimmen so deutlich ausgefallen, dass seine beiden Hauptgegner ihm schon vor der ersten offiziellen Hochrechnung gratulierten.

López Obrador hat davon profitiert, dass viele Mexikaner von vielem genug haben; von den Gewaltorgien im Land, den über 25'000 Morden im letzten Jahr und von der Korruption bis in höchste Ämter – in den letzten Monaten wurden 17 Ex-Gouverneure verhaftet oder gesucht. Genug haben sie von der politischen Klasse und der reichen Oberschicht, die die Armut hinnehmen.

Mit der Wahl bricht eine neue Ära an

62 Millionen Mexikaner leben in Armut. Neun Millionen davon in extremer Armut. Viele von ihnen hat López Obrador davon überzeugt, dass er für sie arbeiten wird. Auch wenn viele Fragen offen sind, da noch gezählt wird: Das Ergebnis ist zweifellos ein politisches Erdbeben, das Mexiko umkrempeln wird.

Denn mit López Obrador zieht nicht nur der Kandidat der Morena-Partei in den Präsidentenpalast ein. Mexiko-Stadt bekommt auch erstmals eine Bürgermeisterin, ebenfalls von der Morena-Partei. Die erst 2014 gegründete Bewegung der Nationalen Erneuerung wird nach der historischen Wahl auch das Parlament und den Senat beherrschen. Die jahrzehntelange Vorherrschaft der Institutionalisierten Revolutionspartei (PRI) geht damit abrupt zu Ende.

Und auch ihr langjähriger Hauptgegner, die konservative Partei der Nationalen Aktion (PAN), versinkt in einem tiefen Tal. Beide verlieren landesweit mehrere hundert lukrative Sitze und Ämter. Das bedeutet auch, dass die durch Korruption und gezielte Förderung gewachsene Verquickung von organisiertem Verbrechen und der Politik Löcher bekommt.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Natürlich, Frau Kunz, die USA sind immer und überall an allem schuld. Auch das Zutotetreten der Wirtschaft in den letzten Jahren durch die sozialistische Regierung in Venezuela geht einzig und alleine auf die USA zurück. Haben die USA in Ihren Augen auch schon mal etwas Gutes getan oder gehen alle Probleme in dieser Welt einzig und allein auf dieses Land zurück? Zum Glück haben wir Russland, das für alles Gute besorgt ist...
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Nicht an allem, Herr Imber, etwas mehr Differenziertheit, aber an vielem. Es sind ja die Amis, die eine weltweite pfadfindermässige Einmischungspolitik machten und machen und sich die Welt schon zu WWII Zeiten in Zonen eingeteilt haben....à la Zbigniew Brzezińskis...
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    2. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Und Russland hat 45 Jahre lang in Osteuropa weit über ein Duzend Länder mit ihren Menschen gewaltsam im Namen des Kommunismus und Sozialismus unterdrückt gehalten. Die vielen dabei getöteten und / oder in Gefanenschaft gehaltenen Menschen können nicht mehr über ihr Leid sprechen. Soviel zu den lieben russischen Machthabern.
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    3. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Herr Imber, ich spreche von den USA, das heisst aber nicht zwingend, dass ich für das Stalinistische oder heutige oligarchische Russland bin. Ich spiele auch nicht die einen Schrecklichkeiten der einen Eliten gegen die anderen Eliten und all den Mitläufern, Kollaborateuren und -Innen, und all denen die geschwiegen haben, gegeneinander auf ... Nein. Ich hatte mich auf die USA bzogen als imperalistischen Nachbarmacht zu Mexiko, die haben gemeinsame Grenzen, Geschichte ....
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    4. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      .... vielleicht noch eine Ergänzung, da Sie auf auf die Gräueltaten des Stalinismus hinweisen, wo situieren sie den 'Präzedenzfall', des Bombenabwurfs von Hiroshima und Nagasaki an? Der das menschliche Weltzerstörungspotential auf einen ganz neuen Level gehievt hat und der, wie mir auffällt häufig bei solchen Gräuellisten, wie Sie sie vorgenommen haben, schlicht und einfach irgend einem Phänomen kollektiver Amnesie unterworfen zu sein scheint. Der 06.08.1945 scheint mir ein point of no return.
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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Bin ja mal gespannt wie sie die Wirtschaft ankurbeln wollen. Sie würden mir wirklich leid tun, wenn sie damit den Weg von Venezuela besiegelt hätten!
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Die USA wird sicher alle Hebel in Bewegung setzen, dass es Zustände wie in Venezuela geben wird. Denn was die USA gar nicht mag, eigenständige, selbstbewusste Staaten. Schon gar nicht als Nachbarn. Staaten, die sie nicht weiter mit ihren Kabalen und militärischer Übermacht und all den Winkelzügen, die sie bisher zur Unterminierung von demokratischen Prozessen an den Tag gelget haben, erpressen und kleinhalten können.
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    2. Antwort von Pascal Beckmann (Pascalb)
      Man kann Mexiko nur die Daumen drücken. Der Kampf gegen die Korruption ist weltweit ein riesiges und leidvolles Problem, das nur langfristig zu lösen ist. Es steckt tief in den Institutionen, im bürokratischem Apparat und vor allem auch in den Köpfen. Und manche Lokapolitiker haben Angst vor der übermächtigen Drogenmafia, die mit Polizei und staatlichen Behörden eng verbunden ist. Es ist nicht leicht, gute Politik zu machen, wenn einem selbst und der eigenen Familie eine Kugel im Kopf droht...
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    "Die jahrzehntelange Vorherrschaft der Institutionalisierten Revolutionspartei (PRI) geht damit abrupt zu Ende." Auf der einen Seite, der neokapitalistische, Globaliserungstross nur noch reaktionär reagiernd, krampfhaft bemüht die Zitrone bis zum letzten Tropfen auszupressen und Alles zusammenzuraffen. Auf der anderen Seite, wo wir hinschauen diese grössen und mittleren Volten. Die Zeiten reifen nach ihren eigenen inhärenten Gesetzen, aber sie reifen und es wird immer dringlicher.
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