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Legende: Audio Genf: UNO-Generaldirektorin zerstreut einige Bedenken abspielen. Laufzeit 04:33 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 29.08.2019.
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Erster Medienauftritt in Genf UNO-Generaldirektorin Valovaya lässt aufhorchen

Die neue Herrin im Palais des Nations will die Arbeit ihres Vorgängers fortführen. Sie betont ihr journalistisches Blut.

Vorschusslorbeeren erhielt die 61-jährige Tatiana Valovaya kaum. Sie war jahrzehntelang eine russische Funktionärin und Diplomatin. Zuletzt acht Jahre lang bei der Eurasischen Wirtschaftskommission, wo sie zwar nicht mehr direkt in den Diensten des Kremls stand, aber wo Moskau die Schlüsselrolle spielt.

Sie beerbt den Dänen Michael Möller, der für sein starkes Engagement für den Genfer UNO-Sitz und für die Pressefreiheit geschätzt wurde. Valovaya hat also zunächst einen schweren Stand. Das Misstrauen ihr gegenüber gründet auch darin, dass Moskau, das den UNO-Chefposten Ende des 20. Jahrunderts lange besetzte, stark lobbyierte.

Stolze Journalistin und Ökonomin

Entsprechend gross war nun der Medienaufmarsch, als sich Tatiana Volovoya erstmals gegenüber den Medien äusserte und Bedenken zu zerstreuen versuchte. Gleich eingangs betonte sie, dass sie ursprünglich Journalistin, Spezialistin für Währungsfragen, war, und journalistisches Blut in ihren Adern fliesse. Schon ihr Vater sei ein bekannter Journalist gewesen. Stolz ist sie aber vor allem auf ihren Ruf als Ökonomin.

Sie erklärte von sich aus auch, sie wisse sehr wohl, dass sie als UNO-Chefin in Genf der UNO und nicht Russland verpflichtet sei. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, dessen Statthalterin in Genf sie nun ist, habe ihr ausdrücklich aufgetragen, die UNO solle besser kommunizieren, deutlicher zeigen, was sie auf ganz vielen Feldern tue.

Als erste Frau im Amt

Besonders stolz ist sie, als erste Frau diesen UNO-Schlüsselposten anzutreten. Das verpflichte sie zugleich. Eine Umfrage ergab neulich, dass am UNO-Sitz in Genf sexuelle Belästigungen durchaus verbreitet sind. Valovaya betonte: «Die UNO muss ein Vorbild in Sachen Gendergerechtigkeit sein.»

Die UNO muss ein Vorbild in Sachen Gendergerechtigkeit sein.
Autor: Tatiana ValovayaUNO-Generaldirektorin, Genf

Nichts Näheres zum Thema Menschenrechte

Einen Heiterkeitserfolg erntete sie, als sie sich zum neuen Nebenamt als Generalsekretärin der UNO-Abrüstungskonferenz äusserte. Diese wird seit Jahren von den USA, China und nicht zuletzt auch von Russland blockiert. Die Lage dort sei stabil – und zwar in dem Sinne, dass sich rein gar nichts bewege, stellte Valovaya fest und ergänzte: «Die Männer rüsten auf, die Frauen versuchen abzurüsten». Damit griff sie den Umstand auf, dass momentan die wichtigsten Abrüstungsposten bei der UNO in Genf in Frauenhand sind.

Was auffällt: Während Valovaya den Klimaschutz, den Frieden oder die UNO-Nachhaltigkeitsziele als Prioritäten definierte, sagte sie zu einem weiteren Kernthema der UNO in Genf so gut wie nichts: zu den Menschenrechten.

Vielversprechende Aussagen

Dennoch zerstreute Valovaya einige Bedenken. Sie präsentierte sich als zupackende, muntere, zugängliche Person. Sie unterstrich, die Arbeit ihres Vorgängers Möller fortführen zu wollen. Das ist aus Schweizer Sicht so wichtig wie nie zuvor. Zum einen steht jetzt die überfällige und erste Grossrenovierung des Palais des Nations an. Zum anderen versuchen immer mehr Konkurrenzstädte, Genf UNO-Organe abspenstig zu machen. Deshalb ist die Schweiz darauf angewiesen, dass sich die UNO-Chefin für die Rhonestadt einsetzt.

Das Palais des Nations in Genf.
Legende: Das Palais des Nations in Genf. Keystone/Archiv

Auch zu heiklen Fragen äussert sich Tatiana Valovaya durchaus pointiert. Allerdings vorläufig nur bei ausgeschalteten Mikrophonen. Sie wolle, so sagt sie, nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Denkbar also, dass künftig von der neuen Herrin im Palais mehr zu hören ist.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Eine seriöse Person und gute Wahl. Viel Freude und Erfolg !
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Ich achte die UNO sehr, trotz Schwächen, die zumeist von mächtigen Egoisten herrühren. Aber es ist die einzig übriggebliebene Instanz, die je nach dem "die Herren der Welt" ermahnen kann, z. B. Menschenrechte besser einzuhalten. Albert Einstein sprach davon, es müsse ein Art Friedens-Weltregierung geben; guter Ansatz!.Wir sind "nur" Gast auf Erden und haben für diese Verantwortung mitzutragen: Anti-Krieg, Umweltschutz.Das gilt auch für jene u.a. Schweizer, die sich hier darum futieren wollen.
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  • Kommentar von Marc Lüthi  (Marc Lüthi)
    ..und ranghohe Uno Mitglieder vergewaltigen Kinder und feiern pädo partys bei Eppstein...ganz tolle Organisation...die Schweiz sollte da sofort raus!
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    1. Antwort von Christine Thöeni  (ChTDM)
      Dürfte ich dazu ihre Quellen haben, damit ich das nachlesen kann? Ich kann diese Information nicht finden. Der einzige Name, der fällt ist der von Clintons UN-Botschafter Bill Richardson. Wenn es keine weiteren Namen dazu gibt, muss ich Sie fragen: Wollen Sie damit sagen, dass wenn ein Pädophiler an ihrem oder meinem Arbeitsplatz aufgedeckt wird, wir dann durch unsere Arbeitsverbindung automatisch mitschuldig sind?
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    2. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Dann muss die Schweiz norfallmässig raus aus der katholischen Kirche. Raus aus jedem Fussballverein und allen Jugendengagements usw, usw, usw. Eigentlich muss sich die Schweiz auflösen.
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