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Vier Länder gemeinsam gegen China
Aus Echo der Zeit vom 12.03.2021.
abspielen. Laufzeit 03:18 Minuten.
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Erstes Gipfeltreffen «Quad»: Ein anti-chinesischer Schulterschluss

Die Begegnung per Video mit den Regierungschefs von Indien, Japan und Australien war US-Präsident Joe Bidens allererstes Gipfeltreffen. Das ist nicht dem Zufall der weltpolitischen Agenda geschuldet. Vielmehr sendet das Weisse Haus damit ein Signal aus. Und zwar an die Adresse Pekings. Die Botschaft: Wir schaffen ein Gegengewicht zur dominierenden Macht in Asien und nehmen Chinas forsches bis aggressives Verhalten nicht einfach hin.

Schulterschluss gegen China

Bislang setzten die vier Quad-Staaten diesem Verhalten nicht viel mehr entgegen als Worte. Und hie und da ein militärisches Seemanöver. Inzwischen jedoch wächst in Japan, Australien und selbst im bisher zögerlichen Indien das Bedürfnis nach einem Schulterschluss mit den USA. Die Länder eint ein gemeinsames Problem: China.

Der angesehene Ex-Viersternegeneral und spätere US-Verteidigungsminister James Mattis bezeichnet es gar als wichtigste sicherheitspolitische Aufgabe von Joe Biden, die vor eineinhalb Jahrzehnten gegründete Quad-Gruppe endlich mit Substanz und Leben zu füllen.

Das passiert zunächst mit einer gemeinsamen Offensive zur massiven Erhöhung der Impfstoffproduktion für die Länder in Ost-, Südost- und Südasien. Stattfinden soll sie in Indien. Was nach Gesundheitspolitik klingt, ist natürlich Machtpolitik. Es geht darum, Chinas Corona- und Impfdiplomatie erstmals etwas entgegenzuhalten.

Dasselbe gilt beim Gipfelbeschluss, zusammen eine sichere Versorgung mit «seltenen Erden» aufzubauen. Sie sind in der Elektronikindustrie unverzichtbar. Vorläufig dominiert hier China als Anbieter und verfügt entsprechend über einiges Erpressungspotenzial.

Gegen Chinas Präsenz zur See

Nicht zuletzt wollen die vier Länder verstärkt militärisch kooperieren, in erster Linie zur See. Ihnen scheint die Freiheit der Navigation gefährdet durch Chinas Ansprüche auf ganze Meeresgebiete. Indien etwa ist höchst irritiert wegen der Präsenz chinesischer Kriegsschiffe im Indischen Ozean. Deshalb steigt nun auch das indische Interesse an der Quad-Allianz.

Auf dem Gipfel sprach Australiens Premier Scott Morrison gar von der «Morgendämmerung einer neuen Ära». Indiens Regierungschef Narendra Modi sieht die Quad-Allianz als «Anker der Stabilität». Ähnlich äussert sich sein japanischer Amtskollege Yoshihide Suga. Das sind neue Töne.

Und offenkundig geniesst China im aussenpolitischen Denken von Joe Biden höchste Priorität. Anders als Amtsvorgänger Donald Trump setzt er aber nicht auf Kampfrhetorik, Zölle und Sanktionen, sondern auf einen Schulterschluss mit Gleichgesinnten. Vorstellungen, dass die Quad-Allianz zu einer indopazifischen Nato werden könnte, sind zwar illusorisch. Selbst wenn die Viermächtegruppe wächst und weitere demokratische Länder in der Weltregion aufnimmt: Südkorea etwa oder Neuseeland.

Realistisch ist indes, dass Chinas wirtschaftlicher und militärischer Druck von nun an auf mehr Gegendruck stösst.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Echo der Zeit, 12.03.2021, 18 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Gut so! Die EU Sollte sich dessen anschliessen. China muss international isoliert werden. Taiwan muss als Staat anerkannt werden. Mit China muss wie mit Nordkorea umgegangen werden.
    1. Antwort von Daniel Meier  (Danimeier)
      Vielleicht würde es sinnvoll sein in der Zukunft mal den Westen zu isolieren. Was dieser in den letzten 100 Jahren angerichtet hat ist kaum mehr zu überbieten. Aber ja China, welches sich nun seit dem Einmarsch der Engländer ruhig verhält und mehreren hundert Millionen Menschen aus der Armut geholfen hat soll jetzt das Böse sein.
    2. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Meier: Man kann die Augen vor Chinas Verbrechen verschliessen und deren Staatspropaganda glauben, klar. Aber das bringt die Menschheit nicht weiter.
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Für den indo-pazifischen Raum ist dieser "Quad" sehr wichtig, um der Dominanz der VR China etwas entgegen zu halten. Die USA, Australien, Japan und Indien sind demokratische Staaten, welche alle auch Rechtstaatlichkeit und Transparenz in ihren Institutionen kennen, ganz im Gegensatz zur VR China. Viele kleinere Staaten in diesem riesigen Raum sind nicht alleine in der Lage, sich gegen die heimliche und unheimliche Macht und Einflussnahme aus der VR China zu erwehren.
    1. Antwort von Daniel Meier  (Danimeier)
      Ja besonders in der Schweiz kennen wir die Transparenz Herr Koller. Aber immer schön auf die Anderen zeigen.
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Es ist gut, dass ein Gegengewicht zu China entsteht.
    Es ist schlecht, dass sich damit das Konfliktpotenzial weiter erhöht.
    Es ist gut, dass das unberechenbare Element Trump nicht mehr in diesem Pulverfass zünselt.
    Es ist gefährlich, dem sehr starken indischen Nationalisten Narendra Modi den roten Teppich auszurollen.
    Es ist beschämend, dass man sich immer nur dann zusammentut, wenn es um Macht, Einfluss und Geld geht.
    1. Antwort von René Svhönauer  (RSch)
      Das ist nicht beschämend, sondern schlichtwegs Realpolitik. Es gibt nicht Freunde sondern Partner mit gleichen Interessen. Vielleicht kommen auch "unsere" Protagonisten zur Einsicht im Bezug auf die anstehenden Entscheidungen zum Wirtschaftspartner auf unserem Kontinent.