Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Erstmals seit zwei Monaten Wie ist es zu dieser neuen Eskalation gekommen?

Erstmals seit dem 8. April beschiesst der Iran Israel – und Israel antwortet mit Gegenschlägen. Wie ist es dazu gekommen?

Erstmals seit dem 8. April greifen sich der Iran und Israel gegenseitig an. Zuerst hat am Sonntagabend der Iran Raketen auf Israel geschossen, die israelische Luftabwehr hat die Raketen laut eigenen Angaben abgefangen. Anschliessend hat Israel selbst mit Gegenschlägen reagiert und militärische Infrastruktur im Iran angegriffen. Dann hat der Iran erneut Raketen abgeschossen. Wie ist es zu diesem Schusswechsel gekommen? Die Einschätzung unseres Nahostkorrespondenten Thomas Gutersohn.

Thomas Gutersohn

Nahost-Korrespondent

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hat er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

Wie ist es zu dieser neuen Eskalation gekommen?

Hintergrund ist die Lage im Libanon – genauer gesagt die israelischen Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut. Die israelische Armee hat dort laut eigenen Angaben ein Hisbollah-Hauptquartier getroffen. Damit hat Israel in den Augen Teherans eine rote Linie überschritten. Der Iran fordert, dass die seit April geltende Waffenruhe mit den USA auch für den Libanon gilt. Israels Armee – aber auch die Hisbollah – haben seitdem jedoch weiter gekämpft, Israel ist vorgerückt im Süden Libanons. Die Botschaft der iranischen Raketen geht also auch Richtung Washington: Der Iran will Druck machen, dass der Libanon in die Waffenruhe einbezogen wird.

Wie schwer war der israelische Gegenschlag?

Nach iranischen Angaben hat Israel vor allem militärische Ziele angegriffen, unter anderem in Teheran, in Isfahan und Täbris. Die urbanen Zentren seien nicht getroffen worden. Im Iran, im Irak und in Syrien sind die Lufträume für den Moment geschlossen. Währenddessen ist unklar, ob es bei diesem Schlagabtausch bleibt. Am frühen Montagmorgen hat Teheran jedenfalls wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Auch aus dem Jemen meldet Israel Beschuss, die Bevölkerung soll sich in Schutzräume begeben. Die Schusswechsel scheinen also noch nicht ganz ausgestanden zu sein.

Laut Medienberichten hat der US-Präsident versucht, Israel von einem Gegenschlag abzuhalten. Warum ist Israel darauf nicht eingegangen?

Der Gegenschlag scheint nicht mit den USA abgesprochen worden zu sein: Zwischen den Präsidenten Trump und Netanjahu gab es offenbar eine Meinungsverschiedenheit. Es wäre nicht das erste Mal. US-Präsident Donald Trump will auf keinen Fall die Waffenruhe mit dem Iran gefährden. Er hofft, ein längerfristiges Abkommen auszuhandeln und die Strasse von Hormus zu öffnen. Die israelische Regierung auf der anderen Seite will so ein Abkommen eher verhindern – weil sie befürchtet, dass es nicht weit genug gehen würde. Israel will weiterhin einen Regimewechsel im Iran und die Hisbollah im Libanon vernichten.

Was bedeutet diese neue Eskalation für die Lage im Nahen Osten?

Das hängt vor allem davon ab, wie sich die Lage im Libanon entwickelt. Wenn die israelische Armee die Kampfhandlungen dort einstellt – oder zumindest stark einschränkt – dürfte es mit dem Iran bei einem kurzen Schlagabtausch bleiben. Wenn Israel weiter Ziele in Beirut angreift und die Bodeninvasion im Südlibanon ausweitet, dann kann der Krieg mit dem Iran aber wieder eskalieren. Ohnehin fliegen die USA immer wieder Angriffe auf iranische Ziele, und Teheran übt Vergeltung mit Angriffen auf die Golfstaaten, zuletzt auf den Flughafen von Kuwait. Die Waffenruhe bleibt also eine fragile Angelegenheit.

SRF 4 News, 08.06.2026, 06:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel