«Es war eine starke, klare, direkte Rede»

US-Präsident Obamas Rede zur Strategie seines Landes gegen die Terrormiliz IS löst in den USA positive Reaktionen aus – auch von Seiten der Konservativen. Allerdings liess Obama auch Punkte offen, wie SRF-Korrespondent Beat Soltermann in Washington erklärt.

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Obamas Rede an die Nation (unkomm.)

1:00 min, vom 11.9.2014

SRF: Beat Soltermann in Washington; Barack Obama hat nur eine knappe Viertelstunde geredet, aber es war wohl eine der wichtigsten Reden, die er je im Weissen Haus gehalten hat. Wie ist sie rübergekommen?

Beat Soltermann: Es war eine starke, klare, direkte Rede. Obama sagte das, was man von ihm erwarten durfte. Die ersten Reaktionen hier in den USA sind positiv, sogar beim konservativen Sender Fox News – mit einer kleinen Einschränkung: Es hiess, man hätte so etwas von Obama schon vor einem Monat hören wollen.

Sie sagen, es war eine starke Rede. Hat Obama auch Punkte offen gelassen?

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US-Luftangriffe

Zwei Männer tragen eine Bombe auf ihren Schultern zu einem US-Militärjet.

Reuters

Seit dem Beginn ihrer Luftangriffe im Irak am 8. August haben die USA mindestens 154 Stellungen der IS-Terrormiliz bombardiert. Nach Angaben des Pentagon wurden dabei 212 Ziele der Dschihadisten beschädigt oder zerstört.

Zwei Informationen habe ich besonders vermisst. Erstens liess Obama offen, ab wann genau mit diesen Massnahmen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu rechnen ist. Hier wollte Obama vielleicht auch nicht zu viel verraten, denn der Feind hört schliesslich mit. Zweitens blieb unklar, wer in Syrien die Partner am Boden sind. Das ist eine der heikelsten Fragen in der US-Strategie gegen IS.

Obama hat gesagt, er wolle keinen Alleingang der USA, sondern eine breit abgestützte Allianz. Abgesehen von den Partnern am Boden, die man noch nicht kennt: Wie stellt er sich diese Allianz vor?

Das amerikanische Aussenministerium hat soeben eine dicke Dokumentation verschickt. Dort sind 38 Länder aufgeführt und was diese genau beitragen wollen. Die Liste macht einen etwas improvisierten Eindruck. Von Waffenlieferungen über Training für Oppositionelle bis hin zu humanitärer Hilfe ist dort alles zu finden. Humanitäre Hilfe ist übrigens das, was gemäss der Liste die Schweiz anbietet.

Historische Rede

Obama hatte in der Rede zur Nation angekündigt, dass er Luftangriffe auf Islamisten auch auf syrischem Boden fliegen werde. Das bedeutet eine Kehrtwende in der US-Politik. Wann die ersten Angriffe geflogen werden, sagte der US-Präsident nicht. Zugleich macht er deutlich, wie stark die Regierung in Washington die Extremistengruppe auch als Bedrohung für die eigene Sicherheit ansieht.

Sendungen zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Obamas Kampfpläne in Syrien

    Aus Tagesschau vom 11.9.2014

    Barack Obama hat in der Nacht erklärt, was er weiter gegen die Terrormiliz IS zu tun gedenkt. Es war eine klare Kampfansage. Der US-Präsident plant jetzt auch in Syrien Luftangriffe, und er will mit kleinen Spezial-Einheiten auch am Boden operieren. Einschätzungen von USA-Korrespondent Arthur Honegger.

  • Obamas Schwierigkeit, Verbündete zu finden

    Aus Tagesschau vom 11.9.2014

    Es wird ein Schwieriges für Barack Obama, eine echte Koalition gegen die IS zu finden. Die grossen regionalen Akteure, Saudi-Arabien und der Iran, verfolgen ganz unterschiedliche Ziele, wie Roland Popp, Sicherheits-Experte der ETH Zürich erklärt.