Abschiedsrede von Obama «Es war mir eine Ehre»

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«America is a stronger place»: Obama nimmt Abschied (englisch)

2:53 min, vom 11.1.2017
  • Nach acht Jahren Amtszeit hat US-Präsident Barack Obama in Chicago seine Abschiedsrede gehalten.
  • Tausende haben ihn unter tosendem Applaus zu seiner Abschiedsrede begrüsst.
  • «Ihr habt mich zu einem besseren Präsidenten und zu einem besseren Menschen gemacht», sagte Obama und rief seine Landsleute zur Einheit auf.
  • Obama versicherte, die Amtsübergabe an seinen Nachfolger Donald Trump reibungslos abzuwickeln.

«Heute Abend bin ich an der Reihe, Danke zu sagen», sagte der scheidende US- Präsident Barack Obama bei seiner Abschiedsrede in Chicago. Die Demokratie in den Vereinigten Staaten könne nur funktionieren, «wenn alle von uns, unabhängig von unserer Parteizugehörigkeit oder unserem spezifischen Interesse, dazu beitragen, das Bewusstsein einer gemeinsamen Bestimmung wiederherzustellen, das wir derzeit so dringend brauchen», so Obama.

Die Ungleichheit, insbesondere zwischen Schwarzen und Weissen in den Vereinigten Staaten, müsse überwunden werden, sagt der scheidende Präsident weiter. Ausserdem prangerte er Rassismus an. «Ich lehne eine Diskriminierung von amerikanischen Muslimen ab», erklärte er.

«  Wenn wir einander nicht zuhören, wenn wir aneinander vorbeireden, dann macht das Kompromisse und eine gemeinsame Basis unmöglich. »

Barack Obama
Scheidender US-Präsident

Obama rief seine Landsleute auch dazu auf, als aktive Bürger die Zukunft mitzugestalten. «Wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen», sagte Obama in Chicago vor Tausenden Zuhörern. «Alle haben noch Arbeit zu leisten.» Das gelte nicht nur für die weisse Bevölkerungsmehrheit. Auch die Schwarzen müssten hinschauen und zuhören und anerkennen, dass die weisse Mittelschicht ihre Probleme habe. «Wir müssen in die Haut des anderen schlüpfen», sagte er. «Grosse Ungleichheit unterhöhlt unsere demokratischen Ideale.»

Obama widmete seine nach Angaben aus dem Weissen Haus selbst geschriebene Abschiedsrede der Demokratie, die es zu verteidigen gelte. «Wir können vorsichtig sein, aber wir dürfen uns nicht fürchten», rief er. Terroristen könnten Menschen töten, aber nicht ein Land wie Amerika in Gefahr bringen. Es sei denn, das Land lasse von seinen Werten ab. «Wir als Volk, mit den Mitteln unserer Verfassung, können eine bessere Union formen.» Demokratie sei aber kein Geschenk, sie müsse ständig neu geformt werden.

«  Es war die grösste Ehre meines Lebens, Euch zu dienen. »

Barack Obama
Scheidender US-Präsident

Er warnte seine Landsleute davor, sich in ihre jeweiligen «Blasen», also abgeschlossenen Welten, zurückzuziehen. Dieser Trend stelle eine «Bedrohung» für die Demokratie dar. Zunehmend würden die Menschen dann nur noch solche Informationen akzeptieren, die zu ihren Meinungen passten, ob sie wahr seien oder nicht.

«Ohne eine Bereitschaft, neue Information zuzulassen und zuzugestehen, dass unser Kontrahent einen berechtigten Punkt macht, und dass Wissenschaft und Vernunft von Bedeutung sind, werden wir weiter aneinander vorbeireden», sagte er. Konsens und Kompromiss würden so unmöglich.

«  Du hast um diese Rolle nicht gebeten, aber Du hast sie Dir zu eigen gemacht, mit Würde und mit Mumm und mit Humor. »

Barack Obama
Scheidender US-Präsident zu seiner Ehefrau

Der US-Präsident richtete während seiner Abschiedsrede emotionale Worte an seine Ehefrau Michelle, seine beiden Töchter sowie an Vizepräsident Joe Biden, den er als «Bruder» bezeichnete. «Dich habe ich als erstes nominiert und es war meine beste Entscheidung», sagte er vor den Augen des sichtlich gerührten Biden.

«  Yes, we can – Yes, we did »

Barack Obama
Scheidender US-Präsident

«Amerika ist ein besserer Ort, als zu der Zeit, als wir angefangen haben», sagte er. «Ihr müsst die Werte hochhalten, die uns zu dem machen was wir sind», forderte Obama von seinen Landsleuten. Seine Rede schliesst Obama mit seinem Wahlkampf-Slogan vor acht Jahren: «Yes, we can.» Und ergänzte: «Yes, we did.» Das «Gott schütze Amerika» geht dann fast im Jubel unter.

Obama wird am 20. Januar von Donald Trump abgelöst.

Einschätzung von USA-Korrespondentin Priscilla Imboden

Obama war ruhig, distanziert und staatsmännisch – aber nicht so energisch wie vor vielen Jahren, was nicht erstaunt, wenn man sieht, was mit seiner Politik nun geschieht. Trotzdem zog der abtretende Präsident eine positive Bilanz zu seiner Amtszeit. Der US-Wirtschaft ginge es besser, viele hätten mehr Rechte als zuvor, etwa die Schwulen, die jetzt überall im Land heiraten dürften. Obama sagte auch, die USA stünden heute besser da als vor acht Jahren, als er mit einer Botschaft der Hoffnung angetreten sei. Zu seinem Nachfolger Donald Trump äusserte sich Obama, ganz der Staatsmann, nicht. Er sprach generell über Demokratie und betonte dabei stets das «Wir». Auch wenn er Probleme ansprach, die vor allem auf republikanischer Seite ein Problem waren.