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Europa und Grossbritannien Vor allem die jungen Leute wollen zurück in die EU

Am 23. Juni vor zehn Jahren haben die Britinnen und Briten an der Urne entschieden, dass Grossbritannien die EU verlassen soll. In Umfragen geben heute bis zu 60 Prozent der Befragten an, dass der sogenannte Brexit ihrem Land geschadet habe und dass sie gerne zurück in die EU möchten. SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart erklärt die Gründe.

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin

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Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

Was sagen die Umfragen in Grossbritannien?

Die Zahlen variieren je nach Umfrage und Fragestellung. Zusammengefasst kann man sagen, dass bis zu 60 Prozent der Britinnen und Briten gerne wieder über einen Wiedereintritt in die EU abstimmen würden. 52 Prozent wären für einen Wiedereintritt. Und nur 33 Prozent sind dagegen. Diese Zahlen wurden vom Umfrageinstitut Ipsos erhoben.

Wer wäre für einen Wiedereintritt?

Es sind vor allem die jungen Leute. Viele von ihnen konnten vor zehn Jahren noch nicht abstimmen. Von den 18- bis 34-Jährigen wollen laut Ipsos 68 Prozent zurück in die EU. Für junge Leute ist der Brexit am schlimmsten, weil sie sich innerhalb der EU nicht mehr frei bewegen können. Sie können nicht mehr irgendwo in Kontinentaleuropa leben, studieren oder arbeiten. Respektive: Sie können schon, aber es ist mühsam geworden. Sie fühlen sich auf der Insel eingesperrt. Die neuen administrativen Hürden kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die ARD hat vor zwei Tagen eine Reportage gesendet, die zeigt, wie mühsam und teuer eine Europatournee für junge Musiker und Musikerinnen aus Grossbritannien geworden ist. Laut der ARD sind 59 Prozent der Europatourneen von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Vereinigten Königreich nicht mehr profitabel.

Was sagen die wirtschaftlichen Zahlen dazu?

In den letzten zehn Jahren haben sich viele Ökonominnen und Ökonomen mit dieser Frage beschäftigt. Sie kommen alle zum Schluss, dass der Brexit Grossbritannien ärmer gemacht hat. Zum Beispiel ist der Wert des Pfunds abgesackt, was Grossbritannien mehr Inflation gebracht hat. Und die britische Wirtschaft hinkt als Ganzes hinter der EU her. Die Investitionen in Grossbritannien sind heute 18 Prozent tiefer gegenüber dem EU-Schnitt. Zum Beispiel ist die Produktivität gesunken, die Beschäftigung ist gesunken und gleichzeitig fehlen Arbeitskräfte, vor allem auf dem Bau, in der Gastro, aber auch in der Industrie.

Wie realistisch ist es, dass Grossbritannien wieder der EU beitritt?

Grundsätzlich könnte Grossbritannien einfach ein Gesuch stellen, doch so weit ist es noch nicht. Im Juli findet ein hochrangiges Treffen zwischen der EU und Grossbritannien statt, bei dem es um Annäherungen in den wichtigsten Dossiers geht. Eines der traktandierten Dossiers ist die Freizügigkeit für die Jungen in der Ausbildung und Karriere. Interessant ist in dem Zusammenhang ein Interview in der britischen Zeitung «Guardian» mit dem französischen Politiker Michel Barnier. Er war es, der damals vonseiten der EU die Austrittsverhandlungen mit Grossbritannien geführt hat. Barnier sagte gegenüber dem «Guardian», das Vereinigte Königreich könnte der EU wieder unter den alten Regeln beitreten, mit den Ausnahmen, die sie hatten – Stichwort Währung.

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SRF 3, 19.6.2026, 7:40 Uhr ; 

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