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Ex-Kanzler über Comeback-Pläne Sebastian Kurz: «Trump legt den Finger in die Wunde»

Als Bundeskanzler von Österreich hat er Donald Trump mehrere Male getroffen. Heute ist Sebastian Kurz Unternehmer, äussert sich aber weiterhin zur Geopolitik. Ein Gespräch über einen «atypischen Politiker», den Vorwurf, ein Trump-Fanboy zu sein, und über die Rolle von Tech-Milliardären.

Sebastian Kurz

Ehemaliger Bundeskanzler der Republik Österreich

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Der gebürtige Wiener stieg früh in die Politik ein. Mit 23 Jahren wurde er Vorsitzender der Jungen Volkspartei, der Jugendorganisation der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Nach jeweils zwei Jahren im Wiener Landtag und als Staatssekretär für Integration wurde er 2013 mit 27 Jahren der jüngste Aussenminister der österreichischen Geschichte. 2017 errang er den Vorsitz der ÖVP, die er nach seinen Vorstellungen umbaute. Nach dem Wahlsieg im Oktober wurde er erstmals Bundeskanzler.

Im Mai 2019 zerbrach seine Koalition mit der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) im Zuge der Ibiza-Affäre. Kurz musste nach einem Misstrauensvotum abtreten. Die vorgezogene Neuwahl im Oktober 2019 gewann Kurz erneut. Im Januar 2020 trat er seine zweite Amtszeit als Kanzler an. Im Oktober 2021 trat Kurz zurück, weil er verdächtigt worden war, in einem Boulevardblatt Medienberichterstattung gekauft zu haben.

SRF News: Herr Kurz, Sie kennen Donald Trump gut. Wie erleben Sie ihn?

Sebastian Kurz: Donald Trump ist nach wie vor der atypischste Politiker, den ich kenne. Er ist nicht vergleichbar mit allen anderen, die ich kennenlernen durfte, und sorgt mit seinen Ansichten für viel Aufregung.

Er kritisiert Europa immer wieder sehr harsch. Was steckt dahinter?

Ich wünsche mir natürlich ein besseres Verhältnis. Aber Trump legt da und dort den Finger in die Wunde: die Fehler in der Migrationspolitik, die wirtschaftliche Schwäche, die hohen Energiepreise. All diese Themen können wir Europäer nicht verleugnen. Darum tut es auch besonders weh, wenn er das ausspricht.

Ich bin ein Verfechter einer starken transatlantischen Achse.

Wie sollte Europa mit ihm umgehen?

Ich bin ein Verfechter einer starken transatlantischen Achse. Es gibt Schlüsselspieler wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte, die wissen, wie sie Trump nehmen müssen. Ich bin überzeugt: Wenn man möchte, kann man diese Beziehung gut managen, auch wenn es unter Trump fordernder ist.

In österreichischen Medien werden Sie auch schon als Trump-Fanboy bezeichnet. Sind Sie das?

Ich wurde von linken Medien schon als vieles bezeichnet und nehme das gelassen. Ich sehe die Dinge differenziert. Ich stimme nicht in den Chor derer ein, die alles kritisieren, nur weil es von Donald Trump kommt. Und ich finde auch nicht alles uneingeschränkt gut.

Ich stimme nicht in den Chor derer ein, die alles kritisieren, nur weil es von Donald Trump kommt.

Bei Themen wie den Zöllen oder Grönland habe ich als Europäer natürlich eine andere Meinung als er.

Sie kennen auch Tech-Milliardär Peter Thiel, der als Mastermind hinter Trump gilt. Wie gross ist sein Einfluss?

Ich würde ihn weder unter- noch überschätzen. Beide Parteien in den USA haben grosse Spender. So wie es eine Familie Soros auf der demokratischen Seite gibt, gibt es einen Peter Thiel auf der republikanischen.

Es gibt die Theorie, Tech-Milliardäre wollten sich auf Grönland ein weitgehend rechts- und steuerbefreites Territorium schaffen. Kennen Sie diese Idee?

Das klingt mir sehr nach Science-Fiction. Die meisten Tech-Milliardäre, die ich kenne, leben im sonnigen Miami oder in Kalifornien. Wenn sie einen steuerschonenden Ort mit hoher Lebensqualität suchen, würden sie sicher die Schweiz Grönland vorziehen. (lacht)

Sie sind wegen Korruptionsvorwürfen als Kanzler zurückgetreten. In einem Fall wurden Sie freigesprochen, in einem anderen sind die Ermittlungen noch im Gang. Heute sind Sie Unternehmer im Bereich Cybersicherheit. Streben sie nach einem Comeback in der Politik?

Nein. Ich habe meinen Beitrag geleistet und geniesse jetzt mein Leben als Unternehmer. Ich strebe kein politisches Amt mehr an. Aber ich bleibe ein Mensch mit einer Meinung, und die werde ich auch weiterhin kundtun.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Tagesgespräch, 29.1.2026, 13 Uhr ; 

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