Zum Inhalt springen
Inhalt

Facebook-Skandal Razzia bei Cambridge Analytica

Legende: Audio «Facebook-Skandal wäre auch in der Schweiz möglich» abspielen. Laufzeit 02:16 Minuten.
02:16 min, aus Rendez-vous vom 21.03.2018.
  • Die britische Datenschutzbehörde ICO hat wegen des Datenskandals bei Facebook die Büroräume von Cambridge Analytica durchsuchen lassen.
  • Das Unternehmen hatte zuvor eine Aufforderung der Datenschützer auf Herausgabe von Informationen unbeantwortet gelassen.
  • Das Unternehmen steht unter Verdacht, Millionen US-Wähler für Donald Trump beeinflusst zu haben.
Firmenschild von Cambridge Analytica
Legende: Auf eine Anfrage der Datenschützer hatte die unter Verdacht stehende Firma nicht reagiert. Keystone

18 Mitarbeiter der britischen Datenschutzbehörde ICO begannen am Freitagabend gegen 21 Uhr mit der Durchsuchung der Büros im Zentrum von London, berichten britische Medien. Eine knappe Stunde zuvor hatte ein Richter am Londoner High Court einen Durchsuchungsbeschluss ausgestellt.

Die ICO begrüsste bei Twitter die Entscheidung von Richter Anthony James Leonard. «Dies ist nur ein Teil einer grösseren Untersuchung über die Nutzung persönlicher Daten und Analysen für politische Zwecke», fügte die Behörde in einer Mitteilung hinzu. Es müssten Beweise gesammelt und ausgewertet werden.

ICO zur Razzia bei Cambridge Analytica

Aufforderung blieb unbeantwortet

Die Leiterin der Datenschutzbehörde, Elizabeth Denham, hatte den Durchsuchungsbeschluss beantragt, um an die Daten auf den Servern der Analysefirma zu gelangen.

Nach eigenen Angaben hatte die ICO Cambridge Analytica bereits am 7. März aufgefordert, Zugang zu den Daten zu gewähren. Die Firma habe jedoch nicht «in der festgesetzten Frist» geantwortet, weshalb die Behörde den Durchsuchungsbeschluss beantragt habe. Die Begründung des Richters soll nach Angaben des Gerichts am Dienstag veröffentlicht werden.

Büros in Washington und New York

Daten von über 50 Millionen Nutzern Cambridge Analytica stehen im Zentrum des Skandals um den mutmasslichen Datenmissbrauch bei Facebook. Das Analyseunternehmen, das auch Büros in Washington und New York hat, soll die Daten illegal für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und eingesetzt haben.

Die Affäre hat international zu scharfer Kritik an Facebook geführt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich am Mittwoch und räumte «Fehler» ein.

Thema des EU-Gipfels

Am Donnerstag befasste sich auch der EU-Gipfel mit dem Thema und forderte von Internetunternehmen, mehr für den Schutz der Privatsphäre ihrer Nutzer zu tun.

Der Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, forderte Facebook-Chef Mark Zuckerberg zudem auf, sich den Fragen der Abgeordneten zu stellen.

Der Geschäftsführer von Cambridge Analytica, Alexander Nix, war nach den Enthüllungen suspendiert worden. Heimlich gedrehte Aufnahmen des britischen Senders Channel 4 hatten gezeigt, wie er unter anderem damit prahlte, den Trump-Wahlkampf beeinflusst zu haben. Die Firma bestreitet vehement, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet oder für andere politische Zwecke missbraucht zu haben.

Firma kündigt eigene Untersuchung an

Am Freitag kündigte Cambridge Analytica an, selbst eine Untersuchung in Auftrag gegeben zu haben, um sicherzugehen, dass die missbräuchlich beschafften Daten nicht mehr im Besitz der Firma sind.

Firmenchef Alexander Taylor entschuldigte sich in einer Erklärung für die Verwicklung von Cambridge Analytica in den Datenskandal. Die Firma habe die Daten von einem Forschungsunternehmen bekommen, das von den meisten Auskunftgebenden «nicht die Zustimmung bekommen hatte». Cambridge Analytica habe «geglaubt, dass die Daten in Übereinstimmung mit den Nutzungsbedingungen von Facebook und den Datenschutzbestimmmungen beschafft wurden».

US-Verbraucherschützer alarmiert

Auch Facebook geriet im Zusammenhang mit dem Datenskandal wohl bereits ins Visier der Behörden. Die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) leitete nach Informationen der «Washington Post» eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein.

Schlüsselfiguren in der Cambrige-Analytica-Affäre

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Interessant sind die Beziehungen der SCL Elections, die von einem Vorsitzenden der Oxford Conservative Association geleitet werden, zur britischen Regierung. Deren Direktor spendete über 700000 Pfund an die Tory Party die von Theresa May geführt wird. Dazu auf YouTube: PMQs: Ian Blackford on Cambridge Analytica links with the Tories and Tory donors.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Es lohnt sich, alle Aufnahmen des Channel 4 mal anzuschauen. CA hat in diversen Ländern Wahlen manipuliert nicht nur durch personalisierte Wahlwerbung, sondern auch durch kriminelle Machenschaften. Die USA mit ihren 17 alles überwachenden und manipulierenden Geheimdiensten sind deplorable, wenn sie erst jetzt, anderthalb Jahre nach der Hauptaktivitätszeit von CA in den USA realisieren, dass da illegal reingefummelt wurde. CA sollte als Geheimdienst 18 in den Schmierenklub aufgenommen werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen