Zum Inhalt springen
Inhalt

International Fall Nemzow: Überwachungsvideo vom Tatort

Der Moskauer Fernsehsender TWZ veröffentlicht Bilder von der Brücke zum Zeitpunkt des Mordes an Boris Nemzow. Als Nemzow' politisches Vermächtnis gilt ein Interview wenige Stunden vor der Tat. Darin bezichtigte er Putin einer «tödlichen» Ukraine-Politik.

Legende: Video TV-Sender zeigt Bilder einer Überwachungskamera (Russisch komm.) abspielen. Laufzeit 01:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.03.2015.

Der Moskauer Fernsehsender TWZ zeigt ein Überwachungsvideo von der Brücke, auf der Nemzow erschossen wurde. In der Aufnahme ist von weitem zu sehen, wie sich zwei Personen zur Tatzeit um 23.30 Uhr (21.30 Uhr MEZ) auf der Grossen Moskwa-Brücke bewegen. Allerdings verdeckt kurz eine Kehrmaschine die Sicht auf die weiteren Ereignisse. Wenig später ist zu sehen, wie der mutmassliche Täter auf die Strasse läuft, in ein Auto einsteigt und flüchtet. Etwa zehn Minuten danach trifft die Polizei ein.

Warnung vor Desinformation

Angesichts der Vielzahl von Medienberichten zum Mord am Kreml-Kritiker Boris Nemzow haben die russischen Ermittlungsbehörden jedoch vor voreiligen Schlüssen gewarnt. So wiesen die Ermittler einen Bericht über den angeblichen Fund des Fluchtautos zurück. Nun warnen die Behörden ausdrücklich vor einer Desinformation der Öffentlichkeit.

Legende: Video SRF-Korrespondent Christof Franzen über die Ermittlungen abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.03.2015.

Die russische Ermittlungsbehörde hat unterdessen drei Millionen Rubel (rund 45 000 Euro) Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. «Wir sind zur Auszahlung bereit, wenn die Tipps zur Klärung dieser Tat führen», teilte die Behörde in Moskau mit. Das Innenministerium forderte mögliche Zeugen des Überfalls auf den Oppositionspolitiker auf, sich zu melden. Die Behörde garantiere Anonymität.

Der frühere Vize-Regierungschef wurde nach Angaben von Ermittlern mit vier tödlichen Schüssen in den Rücken getroffen. Die Begleiterin des 55-Jährigen bleib unverletzt.

Scharfe Putin-Kritik im letzten Interview

Nur wenige Stunden vor seiner Ermordung hatte Boris Nemzow seine scharfe Kritik an Kremlchef Wladimir Putin bekräftigt. «Der gewichtigste Grund der Krise ist, dass Putin eine sinnlos aggressive, für unser Land und für viele Bürger tödliche Politik des Krieges gegen die Ukraine begonnen hat», sagte der 55-Jährige dem regierungskritischen Radiosender Echo Moskwy in seinem wohl letzten Interview. Die Anwesenheit russischer Truppen im Donbass nannte er «bewiesen». Der Kreml bestreitet dies.

«Um das Land in Ordnung zu bringen und die Krise zu bewältigen, sind wirkliche politische Reformen erforderlich», forderte Nemzow in dem Gespräch, dessen Wortlaut der Sender am Samstag in Schriftform veröffentlichte. Konkret seien etwa ehrliche Wahlen ohne Behinderung der Opposition nötig. «Die Zensur muss beendet werden, um diese elende Lügenpropaganda zu stoppen, die der russischen Bevölkerung den Verstand verdreht hat», sagte der ehemalige Vizeregierungschef.

Litwinenko-Witwe beschuldigt Putin

Die Witwe des russischen Oppositionellen Alexander Litwinenko hat den Mord an Boris Nemzow als Warnung an die Gegner des Kremls bezeichnet. So werde vorgeführt, dass jeder getötet werde, der das Wort gegen die russische Regierung ergreife, sagte Marina Litwinenko bei BBC Radio. Ihr Mann, der früher für den russischen Geheimdienst KGB gearbeitet hatte, war 2006 in London vergiftet worden. Die Litwinenko-Witwe gibt Moskau die Schuld an der Tat. «Für alles, was in Russland passiert, sind diese Regierung und Herr Putin verantwortlich», sagte sie.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

23 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von David Neuhaus, Winterthur
    Im Gegensatz zu viele Kommentatoren Masse ich mir nicht an zu wissen was die Regierung von Russland will, denkt, ist, nicht ist etc. etc. Was ich aber weiss ist das die Medien in Deutschland und leider auch in der Schweiz eine unglaubliche Anti Russland und Anti Putin Propaganda produzieren, eine Hetze betreiben die jeder Neutralität (und der Intelligenz der Leser) spottet. Was ist das Ziel? Wofür versucht man uns so offensichtlich und mit solcher Vehemenz zu manipulieren?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Weiler, St. Gallen
      Ich glaube, es ist die pure Verzweiflung. Was viele Jahrzehnte wunderbar funktioniert hat, greift nicht mehr wie gewohnt. Nun versucht man es halt mit Masse, da man keine Alternativen hat. Dass nun haarsträubende Lügen, die dank Internet ziemlich leicht zu entlarven sind, die Loyalität der Völker ihren Staaten gegenüber wahren soll, ist nicht nur absurd, sondern wirft ein Licht auf die unlauteren Absichten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Bendicht Häberli, Burgdorf
      @H.Weiler: Sie glauben wirklich ALLES, was ins Internet gestellt wird. Wo jeder individuell in Youtube, Facebook, Twitter usw. seinen "Müll" deponieren kann. Im Internet zweifle ich die Glaubwürdikeit/Wahrheit eher an, als bei unseren, nicht zensurierten, westlichen Medien. Echt beurteilen können Sie nur, wenn Sie vor Ort sind. Ich glaube aber, das sind die wenigsten der Kommentarschreiber (wenn ich mich nicht täusche liegt St. Gallen auch nicht in der Ukraine??).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Der Verfassungsänderungs Präsident und ex KGB Offizier, der als Junge immer auf die Schnauze gekriegt hat, gibt es jetzt allen zurück. Jetzt lässt er sie schon in der Nähe umbringen und kann auch noch zuschauen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli, Burgdorf
    Es wird langsam eng für Putin.Nicht innerhalb Russland,die Bevölkerung steht angeblich hinter ihm.Bei Hitler war die Bevölkerung in Ekstasen ausgebrochen.Das wird bei Putin nicht geschehen,er ist kein grosser Kommunikator,aber deshalb nicht ungefährlicher. Leider hat er noch nicht bemerkt, dass die Zeit der grossen Diktaturen abgelaufen ist. Kleinere Einheiten sind gefragt, wie bei der Teilung von Yugoslawien. Die Menschen werden sich selber befreien, ob mit oder ohne Überwachung durch Kameras.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen