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Feuer in Kalifornien «Viele gebrechliche Leute konnten nicht fliehen»

Legende: Video «Die Opferzahl wird weiter ansteigen» abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.11.2018.

Seit einer guten Woche wüten im Norden Kaliforniens Waldbrände. Bis jetzt sind 77 Menschen umgekommen, rund 1300 werden vermisst. Insgesamt kämpften 5500 Feuerwehrleute gegen das Feuer, das auf etwa 600 Quadratkilometern wütete oder immer noch wütet – eine Fläche, grösser als der Kanton Basel-Land. Besonders schlimm hat es die Stadt Paradise getroffen, sie wurde fast komplett zerstört.

Karte Kaliforniens mit den Brandorten und Zahlen zu Opfern und Schäden

Das Feuer gilt schon jetzt als das verheerendste in der Geschichte Kaliforniens. Laut den Behörden sind die Brände mittlerweile zu 55 Prozent unter Kontrolle. SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen ist vor Ort. Er sagt, die Zahl der Opfer werde sicher noch ansteigen.

Thomas von Grünigen

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Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Er hat an den Universitäten Bern und Freiburg sowie an der American University in Washington DC Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert und in Freiburg mit einem Master of Arts erfolgreich abgeschlossen. Seit 2006 arbeitet er für SRF.

SRF News: Wie präsentiert sich die Lage im Moment?

Thomas von Grünigen: Über ganz Nordkalifornien liegt eine Art Dunst, es ist rauchig und riecht sehr unangenehm. Die Menschen tragen Schutzmasken. Auch wir wollten solche kaufen, doch sie sind überall ausverkauft. Später fahren wir weiter in eine Stadt, wo die Feuerwehr momentan offenbar solche Masken verteilt.

SRF News: Gibt es Aussicht auf Besserung?

Die einzig positive Nachricht ist, dass auf Mitte Woche Regen angekündigt ist. Dann dürfte sich die Lage endlich entspannen, was die Luftqualität und die Waldbrände betrifft.

SRF News: Die Zahl der Vermissten steigt weiter an. Heisst das, wir müssen noch mit viel mehr Opfern rechnen?

Das ist gut möglich, momentan aber wirklich sehr schwierig abzuschätzen. Viele Menschen, die in Paradise gelebt haben, waren Senioren. Darunter hatte es sicher gebrechliche Leute, die nicht fliehen konnten oder vielleicht gar nicht mitbekommen hatten, dass Gefahr drohte. Das heisst, viele konnten nicht rechtzeitig fliehen und die Opfer sind auch schwer zu identifizieren in den verbrannten Häusern. Die Opferzahl wird also sicher noch weiter ansteigen, nur kann niemand wirklich abschätzen wie hoch.

Das Gespräch führte Cornelia Bösch.

Wer ist schuld an den verheerenden Bränden?

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US-Präsident Donald Trump hat Kaliforniens Katastrophengebiete am Samstag besucht. Er dankte den Rettungskräften und sagte Kalifornien die Unterstützung der Landesregierung zu. Trump sieht eine grosse Mitschuld für die Brände bei den Forstbehörden, die die Wälder auf eine solche Situation nicht vorbereitet hätten. Kaliforniens Feuerwehrverband hatte auf Trumps Vorwürfe in den vergangenen Tagen erklärt, die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten. Experten hatten eine lange Dürre, verdorrte Vegetation und extreme Winde als Mitursachen für das Ausmass der Brände genannt.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Kalifornien ist eines der besten Beispiele totaler unkontrollierter Zersiedelung. Eine Feuerwehr kann das nie und nimmer im Griff haben. Würde man hier Feuer-Korridore erstellen, so wäre die Romantik vieler Siedlungen dahin. Die Kalifornier müssen umdenken, und sich nicht einfach auf die Feuerwehr verlassen.
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