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Flucht wegen Sudan-Krieg Geflüchtete Frauen im Tschad: Risiko der sexualisierten Gewalt

Wegen des Bürgerkriegs im Sudan sind rund eine Million Menschen ins Nachbarland Tschad geflohen. Die Lage an der Grenze ist prekär, besonders für Frauen und Mädchen, die häufig sexualisierte Gewalt erleben. Charlotte Gisler von der Organisation «Women's Hope International» spricht über die Hintergründe.

Charlotte Gisler

Programmverantwortliche bei Women's Hope International

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Charlotte Gisler arbeitet für die Nichtregierungsorganisation Women's Hope International. Sie ist Programmverantwortliche für den Tschad und hat soeben ein Flüchtlingslager nahe der Grenze zum Sudan besucht. (Bildquelle: Women’s Hope International)

SRF News: Können Sie uns die Lage vor Ort schildern?

Charlotte Gisler: Wir intervenieren in der Wadai-Provinz, die sich an der Grenze zum Sudan befindet. Das heisst, mit dem Krieg im Sudan haben wir immer noch sehr viele Flüchtlinge, die in die Wadai-Provinz fliehen. Die Bevölkerung hat sich seit der Sudan-Krise fast verdoppelt. Das heisst leider auch, dass sehr viele geflüchtete Frauen, aber auch Frauen, die in der tschadischen Gemeinschaft leben, ein riesengrosses Risiko für geschlechtsspezifische Gewalt haben, inklusive sexueller Gewalt und inklusive Vergewaltigungen. Durch Vergewaltigungen können Schwangerschaften entstehen, die nicht gewollt sind. Die Frauen müssen dementsprechend betreut werden.

Die Frauen trauen sich gar nicht, Hilfe anzufragen.

Ich würde nicht sagen, dass wir sehr viele Flüchtende haben, die bei uns Hilfe suchen, weil ein stigmatisiertes Tabu vorherrscht und die Frauen sich gar nicht trauen, Hilfe anzufragen. Sie hat Angst, gesehen zu werden, weil sie sich denkt, dass die Leute wissen, dass sie vergewaltigt wurde. Dann hat sie das Risiko, dass etwa ihr Mann sie verlässt, dass die Familie sie verstösst und die Gemeinschaft sie sogar ausschliesst. Mit diesem Risiko hat sie dann weniger Zugang zu Ressourcen, hat kein Geld, hat kein Essen und kann sich so auch nicht um ihre Kinder kümmern. 

Krieg im Sudan

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Im Sudan, im Nordosten Afrikas, tobt seit mehr als drei Jahren ein Bürgerkrieg. Um die Macht im Land kämpfen die Regierungsarmee und eine Miliz mit dem Namen Rapid Support Forces (RSF).

Menschenrechtsorganisationen werfen beiden Konfliktparteien schwere Verbrechen vor. Die UNO spricht von der weltweit grössten humanitären Krise. Die Hälfte der Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben. Viele suchen Schutz im Ausland, beispielsweise im Nachbarland Tschad.

Wie gehen Sie dann auf diese Menschen zu? 

Es ist wichtig, dass wir Frauen und Mädchen mit punktuellen Aktionen unterstützen können. Zum Beispiel, dass wir Operationssäle, Geburtshäuser oder Krankenzimmer etablieren oder auch WCs und Latrinen, und zum Beispiel die Menstruationshygiene unterstützen. Was auch sehr wichtig ist, ist, dass man immer wieder sensibilisiert. 

Wie steht es um den Zustand des Gesundheitssystems?

Wir reden jetzt und sagen: Tschad ist das Empfangsland für die Flüchtlinge. Das heisst, es ist stabiler als der Sudan. Aber ganz klar ist das Gesundheitssystem im Tschad noch nicht sehr gut entwickelt. Es war schon vorher sehr schwach und ist jetzt unter enormem Druck. Deswegen müssen wir das Gesundheitssystem, das existiert, unterstützen. Wir wollen nicht parallel etwas aufbauen, was dann verschwindet, wenn wir gehen. Wir wollen das unterstützen, was da ist.

Auch das nationale Gesundheitspersonal will nicht wirklich in diese Hotspot-Areas gehen, weil es selbst sehr viel dabei riskiert.

In der Hauptstadt N'Djamena ist das Gesundheitssystem relativ gut entwickelt. Man hat viele Spitäler und die Bevölkerung kann medizinische Unterstützung bekommen. Sobald man jedoch in die Provinzen geht, die näher an der Grenze zu Ländern sind, die Kriege haben, ist das Gesundheitssystem sehr schwach und nicht gut etabliert. Das heisst auch, dass das nationale Gesundheitspersonal nicht wirklich in diese Hotspot-Areas gehen will, weil es selbst sehr viel dabei riskiert.

Aktivitäten auch für die Empfangsgemeinschaft

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«In der Wadai-Provinz sind Flüchtlingscamps relativ im Zentrum. Das sind nicht die grossen Flüchtlingslager, wo die grossen Probleme sind. Wir sind in den Lagern, wo die Geflüchteten aus dem Sudan schon über die Grenze kommen konnten, sich im System registrieren konnten und dann in kleinere Lager weitergeleitet wurden. Aber auch in diesen kleineren Lagern hast du kein Wasser, keine Felder, wo man etwas anbauen könnte. Sie hängen deshalb sehr vom Willkommen der tschadischen Gesellschaft ab. Man muss das Bewusstsein haben, dass man Aktivitäten nicht nur für Flüchtlinge machen sollte, sondern auch für die Empfangsgemeinschaft. Deshalb tragen wir in unseren Projekten dazu bei Häuser, Krankenzimmer und Operationssäle zu bauen. Das sind alles Projektaktivitäten, die den Flüchtlingen zugutekommen, aber auch der Empfangsgesellschaft.»

Wie sehen die Perspektiven aus? 

Auf internationaler Ebene hat es sehr viele Kürzungen von Entwicklungsgeldern gegeben. Leider sieht es nicht so aus, als würden diese schnell wieder angehoben werden. Das heisst für uns, dass wir eher schauen, wie wir lokale Partnerorganisationen stärken können, damit sie die Arbeit so gut wie möglich weitertragen können. Auch wenn wir die Beträge reduzieren müssen, können wir zumindest das Wissen so weitergeben und hoffen, dass es den Frauen und Mädchen zugutekommt.

Das Gespräch führte Iwan Lieberherr.

Echo der Zeit, 22.6.2026, 18 Uhr ; 

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