Drei Jahre nach Kriegsbeginn ist im Sudan kein Ende in Sicht. Die Kämpfe zwischen den beiden Hauptkriegsparteien, der Armee und den Rapid Support Forces (RSF), dauern an und breiten sich weiter aus. Gleichzeitig trifft sich in Berlin die internationale Gemeinschaft zu einer weiteren Sudan-Konferenz. Der Krieg ist festgefahren, wird aber zunehmend regional und für die Zivilbevölkerung immer gefährlicher.
Was kann die Sudan-Konferenz in Berlin bewirken?
Vor allem eines: Aufmerksamkeit und Hilfe mobilisieren. Ziel ist es, mehr Geld für die humanitäre Hilfe zu sichern und den Zugang für Hilfsorganisationen zu verbessern. Also mehr Lieferungen, mehr offene Korridore, weniger Blockaden. Es ist aber keine Friedenskonferenz, denn weder Armee noch RSF nehmen teil. Somit wird kein Waffenstillstand verhandelt. Neu ist, dass zivile sudanesische Akteure stärker eingebunden werden. Das ist politisch wichtig, weil langfristig eine Lösung ohne Zivilgesellschaft kaum denkbar ist.
Wie sieht die militärische Lage derzeit aus?
Der Krieg ist festgefahren, breitet sich aber weiter aus. De facto ist das Land geteilt: Die Armee kontrolliert einen Teil, die RSF einen anderen. Keine Seite kann gewinnen, beide kämpfen weiter. Es ist ein klassischer Abnutzungskrieg. Gleichzeitig blockiert diese militärische Lage jede Diplomatie. Beide Seiten glauben, noch Vorteile erzielen zu können, und sehen keinen Grund, nachzugeben. Solange das so bleibt, ist auch ein Waffenstillstand kaum realistisch.
Wie weit ist die Regionalisierung des Krieges fortgeschritten?
Sehr weit. Externe Akteure liefern Waffen, Geld und Technologie und beeinflussen so den Kriegsverlauf. Gleichzeitig breitet sich die Gewalt an den Grenzen aus. Im Westen kommt es zu Angriffen im Tschad, im Osten entstehen neue Fronten nahe Äthiopien und Südsudan. Der Krieg fliesst über Grenzen hinweg und erhöht das Risiko eines regionalen Konflikts.
Wie verändert der Einsatz von Drohnen den Krieg?
Dies ist eine zentrale neue Entwicklung. Die Intensität hat deutlich zugenommen. Beide Seiten setzen Drohnen systematisch ein, zunehmend auch gegen zivile Ziele. Märkte, Strassen und Spitäler werden getroffen. Der Krieg ist nicht mehr an Frontlinien gebunden. Angriffe sind praktisch überall möglich. Für die Bevölkerung gibt es kaum noch sichere Orte, gleichzeitig wird humanitäre Hilfe erschwert.
Wie ist die humanitäre Lage heute?
Katastrophal, und das nicht nur in ihrer Grösse, sondern auch in der Tiefe. Der Sudan befindet sich in einem strukturellen Kollaps. Versorgungssysteme brechen weg, ganze Regionen sind kaum erreichbar. Gleichzeitig verschärfen externe Krisen die Lage. Der Konflikt rund um den Iran und Spannungen im Roten Meer stören Handelsrouten und verteuern Importe. Das ist besonders heikel, weil der Sudan stark auf Dünger aus dieser Region angewiesen ist. Fehlt dieser Dünger oder wird er zu teuer, droht die nächste Ernte noch schlechter auszufallen. Gleichzeitig steigen die Preise für Treibstoff und Nahrung, Hilfsgüter kommen verspätet oder gar nicht an.