Was ist passiert? Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran lässt die Kerosinpreise stark steigen. Grund ist die Blockade der Strasse von Hormus, über die ein grosser Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen läuft. Innerhalb weniger Wochen kletterte der Preis pro Barrel von rund 85 bis 90 auf 150 bis 200 US-Dollar. Für Airlines ist das zentral, da Treibstoff bis zu einem Viertel der Kosten ausmacht. Viele Gesellschaften erhöhen deshalb die Preise und passen ihre Prognosen an.
Wie ist die Lage? Europa ist besonders verletzlich. Laut der Internationalen Energieagentur werden rund 30 Prozent des Flugbenzins importiert, etwa 75 Prozent davon aus dem Nahen Osten. Gleichzeitig sind die Raffineriekapazitäten in den letzten Jahren gesunken, viele Anlagen laufen bereits am Limit. Die Versorgung ist zudem ungleich verteilt – einige Länder exportieren, andere sind stark auf Importe angewiesen.
Was sind die Folgen? Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), warnte am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP vor den Folgen. Europa habe «vielleicht noch etwa sechs Wochen Flugbenzin». Ohne Entspannung drohen Flugausfälle. Die Krise führe zu höheren Benzinpreisen, Gaspreisen und Strompreisen und sei die «grösste Energiekrise, mit der wir je konfrontiert waren», sagte Birol. Besonders hart treffe es ärmere Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika, letztlich werden aber «alle darunter leiden», solange die Lieferwege blockiert bleiben.
Wie reagieren europäische Fluggesellschaften? Fluggesellschaften in Europa hatten bereits vor Wochen vor Kerosinengpässen gewarnt, sollte die Versorgung aus dem Nahen Osten blockiert bleiben. Nun passt sich die Branche an: Ticketpreise steigen, Gebühren werden erhöht, Flüge gestrichen.
Air France-KLM etwa verteuert Langstrecken um rund 50 Euro. Die Lufthansa stellt ältere, ineffiziente Flugzeuge ausser Dienst, um Treibstoff zu sparen. Easyjet rechnet mit höheren Verlusten, obschon sie einen Grossteil des Bedarfs bereits früh abgesichert habe. Die Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss streicht derweil Flüge in gewisse US-Städte sowie an Destinationen im Mittleren Osten.
Die Lufthansa reagiert besonders drastisch. Der Konzern stellt seine Tochter Lufthansa Cityline ein und lässt 27 ältere Regionaljets ab sofort am Boden. Weitere Flugzeuge sollen folgen. Bei der Tochtergesellschaft Swiss sind bisher keine Destinationen aus dem Flugplan gestrichen worden.
Welche Massnahmen treffen internationale Fluggesellschaften? Air Asia X streicht rund 10 Prozent der Flüge und erhebt Zuschläge, Air New Zealand stellt im Mai und Juni Flüge ein und erhöht Preise. Und amerikanische Fluggesellschaften kündigten an, die Gebühr für Gepäckstücke zu erhöhen. Insgesamt zeigt sich: Die höheren Energiekosten schlagen direkt auf das Angebot und die Preise durch – und könnten das Reisen vor dem Sommer deutlich verteuern.
Wie geht es weiter? Die EU arbeitet an einem Notfallplan. Geplant ist, die Raffineriekapazitäten europaweit zu erfassen und besser auszulasten, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Weitere Massnahmen zur Sicherung der Kerosinversorgung würden vorbereitet. Der Branchenverband Airlines for Europe fordert zudem, dass Fluggesellschaften gemeinsam Treibstoff einkaufen und die Vorräte besser kontrollieren.