- Vor zwei Jahren kamen in Baltimore, USA, bei der Kollision eines Containerfrachters mit einem Brückenpfeiler sechs Arbeiter auf der Brücke ums Leben.
- Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke sind nun zwei Betreiberfirmen des Frachters und ein technischer Mitarbeiter angeklagt worden.
- Ihnen wird unter anderem Betrugsabsicht gegenüber den USA zur Last gelegt, wie das Justizministerium mitteilte. Im Strafverfahren geht es um einen wirtschaftlichen Schaden von mindestens fünf Milliarden Dollar.
Am 26. März 2024 hatte das Containerschiff «Dali» einen Stützpfeiler der mehr als 2.5 Kilometer langen Francis Scott Key Bridge gerammt und damit die Autobahnbrücke über den Patapsco River vor Baltimore, Maryland, zum Einsturz gebracht. Sechs Strassenbauarbeiter, die Reparaturen auf der Brücke ausführten, kamen ums Leben.
Der Containerfrachter «Dali» war wegen zweier Stromausfälle binnen weniger Minuten manövrierunfähig geworden. In einer Zivilklage hatten sich die USA mit dem Betreiberunternehmen des Schiffes auf einen 102 Millionen Dollar teuren Vergleich geeinigt.
Die jetzige Strafklage richtet sich gegen die beiden Betreiberfirmen Synergy Marine aus Singapur und Synergy Maritime aus Indien sowie gegen den 47 Jahre alten technischen Leiter, der auf dem Unfallschiff arbeitete.
Im Strafverfahren geht es unter anderem um den wirtschaftlichen Schaden, wegen des blockierten Schiffsverkehrs in einem des bedeutendsten Seehafens in den USA. Das Justizministerium beziffert die mutmassliche Schadensumme auf mindestens fünf Milliarden Dollar.
Ungeeignete Treibstoffpumpe verursachte Stromausfall
Den angeklagten Unternehmen und dem Techniker wird vorgeworfen, auf der «Dali» eine falsche Treibstoffpumpe eingesetzt zu haben. Sie war anders als vorgeschrieben nach dem ersten Stromausfall nicht wieder automatisch angesprungen. Der Anklageschrift zufolge verlor die «Dali» zweimal innerhalb von vier Minuten den Strom, als sie vom Hafen ablegte und daraufhin mit dem Brückenpfeiler kollidierte.
Laut der Anklageschrift nutzten die Betreiber diese Art Treibstoffpumpen auch auf anderen Schiffen. Der Einsatz solcher Pumpen gelte als Verstoss gegen internationales Recht und den Betreibern wird vorgeworfen, von den damit verbundenen Risiken gewusst zu haben, erklärte ein Staatsanwalt an einer Medienkonferenz.
Es sei zudem nicht das erste Mal gewesen, dass es zu einem doppelten Stromausfall gekommen sei. Mehrere Mitarbeiter, darunter der Angeklagte technische Leiter, hätten den Einsatz der Pumpe zu vertuschen versucht und Ermittler darüber belogen.
Die Ermittler fanden Beweise dafür, dass die Pumpen auf drei Schiffen – einschliesslich der «Dali» – eingesetzt wurden, die von dem Unternehmen betrieben werden.
Die Behörden von Maryland schätzen, dass der Ersatz der Brücke, die Ende 2030 wieder eröffnet werden soll, zwischen weit über 5.2 Milliarden Dollar kosten könnte.