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G7 vor ungewisser Zukunft Der Klub der (Ohn-)Mächtigen

Der vorletzte Gipfel in Quebec war ein Fiasko, der letzte in Buenos Aires ein Flop. Nun stellt sich die Existenzfrage.

Legende: Audio Überleben die G7? abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
04:11 min, aus Echo der Zeit vom 04.01.2019.

Nach dem G7-Gipfel in Kanada zerriss US-Präsident Donald Trump die mühsam erarbeiteten Beschlüsse buchstäblich in der Luft: Er sass bereits im Flugzeug nach Hause, als er sich abrupt von allem distanzierte.

Das war eine Premiere nach einem G7-Treffen und «ein Fiasko», findet Professor Cédric Dupont, Spezialist für internationale Beziehungen am Genfer Graduate Institute.

Gerade jetzt ist die G7 wichtig. Sonst schaut jedes Land nur noch für sich selber und am Ende gilt das Faustrecht, das Recht des Stärkeren.
Autor: Emmanuel MacronFranzösischer Präsident

Nach den Kanadiern übernehmen nun die Franzosen den Vorsitz im «Klub der Mächtigen». Der läuft nun aber das Risiko, zum Klub der Ohnmächtigen zu werden.

Präsident Emmanuel Macron glaubt an eine Zukunft für die Runde der sieben wichtigsten demokratischen Wirtschaftsmächte und plant bereits den nächsten Gipfel in Biarritz: «Gerade jetzt ist die G7 wichtig. Sonst schaut jedes Land nur noch für sich selber und am Ende gilt das Faustrecht, das Recht des Stärkeren.»

Der nächste G7-Gipfel

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Der nächste G7-Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen wird im Sommer 2019 im südwestfranzösischen Biarritz stattfinden. Frankreich übernimmt 2019 die Präsidentschaft der G7 von Kanada. Das Seebad Biarritz hat rund 25'000 Einwohner und liegt am Atlantik.

Treffen nur noch für die Kameras?

Der Multilateralismus, also die Kooperation zwischen Nationen, sei, so Macron in Gefahr. Also müsse man für sie kämpfen. Dupont glaubt, dass der Gipfel in Biarritz stattfindet. Aber er fürchtet, das Treffen werde zu einer inhaltsleeren Hülle: «Man trifft sich zwar noch, aber entscheidet nichts mehr gemeinsam.» Die G7 würde also bloss noch künstlich am Leben gehalten.

Dupont denkt auch, dass Trump teilnehmen wird. Jedoch nur physisch, nicht aus Überzeugung. Der US-Präsident sehe in der G7 bloss noch eine Chance zur Selbstdarstellung auf der ganz grossen Weltbühne.

Trump am G7-Gipfel mit weiteren Staatschefs
Legende: Experte Dupont sieht nur einen «physisch» anwesenden Trump: Er habe weder eine Vision, was die G7 tun sollte, noch die Kompromissbereitschaft, um etwas zu erreichen. Reuters

Genauso sieht der Genfer Experte auch den grösseren Kreis: Jenen der G20, der ebenfalls kaum noch funktionsfähig ist. Trump gilt zwar als Hauptschuldiger an der Lähmung der beiden Organe. Doch er ist beileibe nicht der einzige. Auch andere Regierungen scheinen immer weniger bereit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das Prinzip «mein Land zuerst» regiert.

Lange Jahre gaben die Treffen wichtige Impulse

Die G7 und die G20 waren in den vergangenen Jahrzehnten – entgegen aller Behauptungen – nie heimliche Weltregierungen. Aber sie lieferten entscheidende Impulse – beim Klimawandel, bei der Terrorismusbekämpfung, für Friedenskonferenzen, in der Entwicklungspolitik oder in der Finanzkrise.

Impulse, die dann in anderen Gremien, vor allem in der Uno, aufgenommen wurden. So prägten die grossen Gipfel durchaus die Weltpolitik. Bloss funktionieren die Treffen für Dupont nur, wenn die Teilnehmer das wollen. Genau an diesem Willen fehle es zurzeit.

Er bezweifelt deshalb, dass es genüge, das Format zu ändern: Etwa den Klub der G7 mit jenem der G20 zu fusionieren. Oder die G7 um demokratische Schwellenländer wie Indien, Indonesien oder Brasilien zu erweitern. Zumal das den Anschein erwecken würde, als handle es sich um ein Anti-China- oder ein Anti-China-und-Russland-Gremium. Entscheidend sei die Bereitschaft, einander zuzuhören, aufeinander ein- und gemeinsam voranzugehen.

Mehr Ordnung, weniger Chaos

Der Multilateralismus sei vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg gewachsen. In der Tat hat er dafür gesorgt, dass etwas mehr Ordnung und etwas weniger Chaos und Gewalt in der Welt herrschen. Wenn man jetzt all diese Strukturen zerstört oder aushöhlt, so Dupont, dann lassen sie sich nicht über Nacht wiederherstellen.

Insofern ist Trump nicht bloss eine Aktennotiz der Geschichte. Ebensowenig all jene, die auf seinen nationalistischen Kurs einschwenken. Die Preisgabe der G7 wie der G20 hätte anhaltende und gravierende Konsequenzen für die Weltordnung.

Legende: Video Abschlusserklärung beim G7-Gipfel geplatzt abspielen. Laufzeit 02:12 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.06.2018.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    G7, G20 u.a. Veranstaltungen: Orte, wo sich die Marionetten der Eliten über die nächsten Raubzüge (Kriege), Hintergehungen und Unterdrückung gegenüber den Bevölkerungen absprechen. Auch dies ist Trump positiv anzurechnen, dass er diesen Zirkeln die kalte Schulter gezeigt hat. Leider fehlt ihm eine überzeugende, positive Alternative. Er reisst nur vieles nieder - immerhin besser als die Verlogenheit seiner Vorgänger - , aber positive Impulse?
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    1. Antwort von Thomas F. Koch (dopp.ex)
      Ist die Trump'sche Art einfach alles niederzureissen, so ganz ohne Alternative wirklich besser? Die G7, G20 braucht es meiner Meinung nach auch nicht. Denn dazu gibt es eigentlich die UNO um multilaterale Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden. Aber auch hier gilt: es wird am Ende nur viel heisse Luft produziert, weil sich die einzelnen Staaten nicht an die Lösungen halten - eigenes Land first.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    G7 steht nur noch für eine alte Ordnung, da ja die zweitgrösste Wirtschaft nicht eingeladen ist. Solange Europa die Chinesen nur belehren, nicht aber respektieren will, solange ist Europa den USA hilflos ausgeliefert. Selbstverschuldete Abhängigkeit.
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    1. Antwort von Simon Reber (kokolorix)
      China ist einfach in keiner Weise demokratisch und die Regierung macht auch keinerlei Schritte dies zu ändern. Im Gegenteil. Das sollten wir auch nicht respektieren. Wenn man endlich die Fixierung auf den Export würde fallenlassen, dann wäre die Sicht frei auf den grössten Binnenmarkt der Welt. Europa könnte sich sehr wohl von den USA emanzipieren, wenn man aufhören würde sich gegenseitig zu fertigzumachen
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  • Kommentar von Rolf Wysshaar (Seeländer)
    Ach Macron,das ist ja wohl ein Witz. Die G7 demonstrieren uns ja gerade immer wieder die Macht des Stärkeren.
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