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Gaslieferant Russland So abhängig ist die Schweiz von Putins Gas

Ein Stopp der russischen Gaslieferungen im Zuge der Ukrainekrise würde auch die Schweiz treffen. Wir zeigen, wie schwer.

Wie stark hängt die Schweiz von Gaslieferungen aus Russland ab? Im Jahr 2020 wurde 15.1 Prozent der Energie, die in der Schweiz verbraucht wurde, aus Erdgas gewonnen (Erdölprodukte 44 Prozent, Elektrizität 27 Prozent, Übrige 14 Prozent). Gas spielt also in der Energieversorgung der Schweiz zwar nicht die zentrale, aber durchaus eine wichtige Rolle. Die Schweiz ist deshalb direkt darauf angewiesen, dass das europäische Gasnetz funktioniert. Und auch indirekt: Die Schweiz muss im Winter Strom importieren. Dieser Importstrom kann teilweise aus Gaskraftwerken stammen.

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Aus dem Archiv: Im Bann politischer Gas-Machtspiele
aus Trend vom 10.12.2021. Bild: Reuters
abspielen. Laufzeit 20 Minuten 49 Sekunden.

Von den direkten Gasimporten der Schweiz stammen 47 Prozent aus Russland. Russland ist damit der mit Abstand wichtigste Gaslieferant der Schweiz. Sollte also Russland im Zuge der Ukrainekrise die Gaslieferungen in den Westen stoppen oder kürzen, würde das auch in der Schweiz zu Problemen führen.

Wie kriegen Schweizer Privathaushalte die Ukrainekrise zu spüren? Rund 20 Prozent der Haushalte in der Schweiz heizen mit Gas. Die Haushalte beziehen das Gas von rund 100 regionalen Anbietern, die oft auch Strom und Wasser an die Haushalte liefern. Die Gaspreise sind an vielen Orten in den letzten Monaten wegen der Auswirkungen der Ukrainekrise bereits erheblich angestiegen, es gibt allerdings lokal grosse Unterschiede: So kostet Gas im Kanton Aargau teils bis zu 70 Prozent mehr als vor einem Jahr. In der Region Zürich sind die Gaspreise kürzlich um rund 30 Prozent, in Genf um 10 Prozent gestiegen.

Grund für den unterschiedlichen Preisanstieg dürften die Beschaffungssituation und die Lieferverträge der Unternehmen sein. Energieunternehmen, die jetzt kurzfristig mehr Gas beziehen müssen, zahlen deutlich mehr, als jene mit langfristigen Verträgen.

Verfügt die Schweiz über Gasreserven, um einen Lieferengpass zu überbrücken? Zwar müssen die Erdgas importierenden Unternehmen ein Pflichtlager führen, das bei Mangellagen für 4.5 Monate ausreichen soll. Aus praktischen Gründen wird das Pflichtlager Erdgas jedoch als Heizöl extra leicht gelagert. Denn es gibt in der Schweiz kein geeignetes Speichersystem für Flüssiggas, Bau und Betrieb wären gemäss der Branche viel zu teuer. Zudem können viele industrielle Gasverbraucher ihre Anlagen in einer Mangellage auch mit Heizöl betreiben. Man nennt diese Anlagen Zweitstoffanlagen. Allerdings gibt es tendenziell immer weniger davon.

In solchen Kugelspeichern wird Erdgas zum Ausgleich des Tagesbedarfs gespeichert.
Legende: In solchen Kugelspeichern wird Erdgas zum Ausgleich des Tagesbedarfs gespeichert. Keystone

Hat ein Gasengpass einen Einfluss auf die Stromversorgung in der Schweiz? Der russische Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine, eine mögliche russische Invasion sowie die im Raum stehenden Sanktionen gegen Russland und mögliche Gegenmassnahmen haben den Gaspreis stark steigen lassen. Als Folge daraus haben auch die Strompreise stark angezogen. Das wiederum brachte Stromkonzerne wie etwa die Schweizerische Alpiq kurz vor Ende Jahr in Liquiditätsschwierigkeiten. Für private Stromkonsumentinnen und -konsumenten sind kurzfristige Preisanstiege aber nicht zu spüren, da hierzulande Fixpreise gelten.

Sollte kein russisches Gas mehr nach Europa geliefert werden, könnte das aber zu Problemen beim Stromimport führen. Andere Länder, die ihren Strom teilweise mit Gas produzieren, würden wohl weniger Strom exportieren. Experten halten ein Blackout in der Schweiz aber trotzdem für sehr unrealistisch. So hätte der Bund zum Beispiel auch die Möglichkeit zu verfügen, dass Industrieanlagen gedrosselt werden müssen, um ein Blackout zu vermeiden.

Gibt es Alternativen zu Gas aus Russland? Erdgas kann heute nicht mehr bloss über Pipelines geliefert werden. Verflüssigt wird es auch per Schiff in grossen Mengen und über weite Distanzen transportiert. Europa kann also theoretisch auch vermehrt auf andere Lieferanten als Russland ausweichen. Katar ist zum Beispiel ein führender Exportstaat von Flüssiggas. Gemäss amerikanischen Regierungsbeamten sollen denn auch Verhandlungen mit anderen Staaten laufen. Experten bezweifeln allerdings, dass kurzfristig grössere Kapazitäten am Markt aufgetrieben werden könnten.

Flüssiggastanker
Legende: Tanker für Flüssiggas sind eine Alternative zum Gastransport durch Pipelines. Reuters

Gas aus Russland bleibt also wichtig für Europa und die Schweiz. Aber auch für Russland sind die Einnahmen aus den Gaslieferungen zentral, was gegen einen Lieferstopp spricht. Und für die Ukraine bleibt die Pipeline von Russland nach Westeuropa ein wichtiges geopolitisches Pfand – mindestens so lange, bis die Pipeline North Stream 2 in Betrieb gehen wird, welche die Ukraine umfährt.

SRF 4 News, 27.01.2022, 23:00 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalten nun und wünschen Ihnen ein angenehmes Wochenende. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Achtung, da ist noch ein weiterer Energie-Zusammenhang der Schweiz mit Russland: Schweizer Firmen - Vitol, Trafigura, Glencore - sind die hauptsächlichen Abnehmer des Erdöls von Rosneft. Da kann die Schweiz urplötzlich auch von den USA und der EU unter Druck kommen.

    https://www.reuters.com/business/energy/rosneft-picks-vitol-trafigura-glencore-buyers-naphtha-diesel-2022-2021-12-29/
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Wann endlich begreifen die Leute, dass wir Energie unabhängig(er) vom Ausland werden müssen. Geht es hart auf hart wird die Schweiz keine "Freunde" mehr haben. Dieser Begriff ist in der Politik eh nur eine Floskel, da es immer nur um Interessen geht. Keine "normale" Regierung wird die eigene Bevölkerung hinten anstellen. Wir dürfen uns nicht mehr auf andere verlassen und sollten mit Nachdruck unsere eigene Energieversorgung vorwärts bringen. Jetzt handeln und nicht erst in 10, 20 Jahren.