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Gedenken an die Kriegstoten Macron in Berlin: «Es lebe Europa»

Der französische Präsident hat in Berlin eine bewegende Rede gehalten. Er hatte aber auch eine eindringliche Botschaft dabei.

Legende: Video Macron in Berlin abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.11.2018.

Macron hat Deutschland zu einer Kraftanstrengung aufgerufen, um Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen. «Heute müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen», sagte Macron in einer Rede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. «Das schulden wir Europa.»

Gemeinsamkeiten betont

Auch Klimawandel, Handelskonflikte und andere Herausforderungen müssten gemeistert werden. Macron bedankte sich, dass er an diesem Tag im Bundestag reden dürfe. Das sei ein grosses Signal der Versöhnung. «Unsere Gemeinsamkeiten sind stärker als unsere Unterschiede.» Er forderte mehr Europa, auch eine stärkere Abgabe von nationaler Souveränität. «Dieses neue Kapitel macht uns Angst.»

Legende: Video Macron: «Wir müssen in Europa ein neues Kapitel aufschlagen» abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.11.2018.

Denn jedes Land müsse Entscheidungsgewalt teilen. Jede Land müsse aber auch mit anderen Staaten gemeinsam über seine Aussenpolitik, seine Zuwanderungs- und Entwicklungspolitik entscheiden.

Macron fordert zum Beispiel auch eine europäische Armee. Der Kampf um mehr europäische Souveränität sei nicht gewonnen: «Dieser Kampf wird nie gewonnen sein.» Die Rede schloss mit den Worten: «Es lebe Frankreich. Es lebe Deutschland. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft. Es lebe Europa.» Die Zuhörer erhoben sich und klatschten lange Beifall.

Angela Merkel (linke Seite) und Emmanuel Macron
Legende: In seiner Rede im deutschen Bundestag fordertete Emmanuel Macron auch ein krisenfestes Europa. Reuters

«Blutrünstiger Dämon besiegt»

Anschliessend war Macron bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt zu Gast. Sie kündigte bis zum EU-Gipfel Mitte Dezember weitreichende deutsch-französische Vorschläge an. Man müsse nun «auch wirklich liefern». Dazu gehören ein neues, milliardenschweres Eurozonen-Budget innerhalb der EU-Haushaltsstrukturen, um ökonomische Ungleichheiten besser abzufedern. Die Höhe ist aber noch unklar.

Der Volkstrauertag wurde 1919 in Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkriegs eingeführt. Inzwischen gedenkt man aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Deutschland habe die «blutrünstigen Dämonen des Nationalismus» überwunden, sagte Macron. «Ich bin stolz, dass Frankreich eine Rolle bei dieser Wiederauferstehung gespielt hat.»

Man habe nach den zwei Weltkriegen gemeinsam daran gearbeitet, ein europäisches Projekt aufzubauen und sich die Hand zu reichen. Macron zitierte in dem Kontext Goethe: «Und so, über Gräber vorwärts.»

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74 Kommentare

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  • Kommentar von David Neuhaus (Um Neutralität bemüht)
    @Baumann; "Neofeudal bezeichnet nicht politische Staaten sondern die Herrschaft der Grosskonzerne" Ist dass nicht genau das Endziel? Durch Auflösung der Nationalen Strukturen, als Kampf gegen rechtsextremen Nationalismus getarnt, wird der Herrschaft der Finanz-/Konzernoligarchie doch optimal der Weg bereitet? Der Glaube das die Brüsseler Bürokraten nicht schon jetzt deren Lobbyisten sind finde ich doch sehr naiv!
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    1. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Wenn das das Ziel wäre, würde die EU gemeinsam mit OECD nicht den überbordenden Standortwettbewerb bekämpfen. Haben Sie vergessen, warum wir eine Steuerreform durchführen müssen?
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Irgendwie will Deutschland "seinen" zweiten Weltkrieg +die Millionen von ermordeten Juden + "patriotischen" Deutschen vergessen machen. Immer wieder scheinen die Reden einen 100 jährigen Frieden zu preisen.Der erste Weltkrieg wurde tatsächlich vor 100 Jahren beendet, aber schon 1942 haben die Deutschen unter Hitler mit dem zweiten Weltkrieg wieder eine "Gräueltat" verübt.Es gibt heute wie damals auch gute Deutsche, aber ich frage mich ob es diejenigen sind, welche als Patrioten verteufelt werden
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    "Bewegende Rede". Ja genau, FR u. DE haben sich selbst gefeiert, mit Statisten aus der EU. Immer mehr Menschen merken, dass die Brüsseler Zwangsverwaltung eben zunehmends Probleme schafft, Kulturen und Eigenheiten vernichtet. Aber die kann man ja dereinst in Museen bestaunen. Und die EU schreibt sich 70 Jahre Frieden auf ihre Fahne, seit wann gibts die EU? Wenn sie so bürgerignorant, unföderalistisch weitermacht, wird sie bald einmal für das Ausbrechen von lokalen Konflikten verantwortlich sein
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Hoffnungsloser Fall, wenn man die Geschichte nicht kennt und deshalb auch nicht in historischen Dimensionen denken kann. Jetzt mal ehrlich: Gibt es in der Schweiz ein Unterrichtsfach Geschichte, respektive was wird einem da beigebracht oder hatten da die meisten einen sonnigen Fensterplatz. Zugeben möchte ich natürlich, dass die Eidgenossen als Unbeteiligte sich nicht vorstellen können, was es heißt zwei Weltkriege und deren Folgen durchgemacht zu haben und deshalb so daher schwadroniert wird.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Nachhilfe: In Brüssel führt man aus, was der Europäische Rat, das sind die 26 Regierungen der EU-Mitgliedsländer oder das Europäische Parlament beschließt. Hundsfott-Argumente von rechten EU-Bashern frech zu behaupten, das wäre eine "Zwangsverwaltung".
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